Vaginoplastik: Definition, Methoden, Indikationen und Techniken
Vaginoplastik verständlich erklärt: Definition, Methoden, Indikationen & Techniken – Rekonstruktive, ästhetische und geschlechtsangleichende Chirurgie, Risiken und Nachsorge.
Vaginoplastik ist ein chirurgischer Eingriff zur Formung oder Wiederherstellung einer Vagina. Die Operation wird in verschiedenen Situationen durchgeführt: Bei manchen Neugeborenen liegt eine angeborene Fehlbildung vor, bei der die Vagina nicht richtig angelegt ist. Ärztinnen und Ärzte können dieses Problem mit einer Vaginoplastik beheben. Auch Frauen, die mit dem Aussehen oder dem Empfinden ihrer Vagina unzufrieden sind, können eine operative Veränderung wünschen. Darüber hinaus bitten einige transsexuelle Frauen im Rahmen einer geschlechtsangleichenden Operation darum, wenn sie von Mann zu Frau wechseln.
Indikationen
Häufige Gründe für eine Vaginoplastik sind:
- angeborene Fehlbildungen wie die Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-(MRKH-)Syndrom mit fehlender oder stark verkürzter Vagina;
- rektovaginale oder urogenitale Fisteln und Verletzungen nach Geburt, Unfall oder Operation;
- Vaginalverkürzung oder -schädigung nach Tumorbehandlungen;
- funktionelle Probleme wie ausgeprägte sexuelle Beschwerden oder Schmerzen (Dyspareunie), die konservativ nicht besserbar sind;
- ästhetische Wünsche;
- geschlechtsangleichende Chirurgie bei trans Frauen.
Methoden und Techniken
Es gibt mehrere operative Techniken. Die Wahl hängt von Ursache, Anatomie, gewünschtem Ergebnis und Erfahrung des Operateurs ab. Viele Verfahren verwenden körpereigenes Gewebe der Patientin:
- nicht-chirurgische Methoden: Bei manchen Formen angeborener Vaginabildungsstörungen kann eine Vagina durch regelmäßiges Dehnen (z. B. nach Frank) ohne Operation gebildet werden.
- Laparoskopisch-gezogene Methoden (z. B. Vecchietti-Verfahren): Das Zervix-/Vaginalgewebe wird mithilfe einer spannungsbasierten Vorrichtung nach innen gezogen; häufig minimalinvasiv durchgeführt.
- Haut- oder Schleimhauttransplantate: Die klassische McIndoe-Vaginoplastik nutzt ein Hauttransplantat (oft mit Silikon- oder Kunststoff-Matrize), um einen vaginalen Kanal auszukleiden. Auch Schleimhaut (z. B. aus dem Mund) wird verwendet.
- intestinaler Ersatz: Für tiefere und selbstschmierende Neovaginen nutzt man Teile des Darmes (z. B. Sigma- oder Rektumsegment). Das Darmgewebe produziert Schleim und kann eine dauerhafte Epitheloberfläche bieten.
- peritoneale Techniken (z. B. Davydov): Das Bauchfell (Peritoneum) wird zur Auskleidung eines neu geschaffenen Vaginalkanals verwendet und wächst meist zu einer geeigneten Oberfläche um.
- transsexuelle geschlechtsangleichende Vaginoplastik: Häufig wird die Penisinversion verwendet, wobei Haut des Penis und des Hodensacks zur Bildung der Vaginalwand und der äußeren Schamlippen genutzt wird. Alternativ kann Darmgewebe verwendet werden (Penis und Hodensack werden bei der Penisinversion verwertet). Bei diesen Techniken ist oft eine lebenslange Nachsorge mit regelmäßiger Dilatation erforderlich, damit die Neovagina offen und funktionell bleibt.
Wahl des Gewebes
Die Entscheidung, ob Mundschleimhaut, Hauttransplantate, Darm- oder Peritonealgewebe verwendet werden, richtet sich nach folgenden Kriterien:
- Verfügbarkeit geeigneter Spenderregionen;
- wünschte Lubrikation und Schleimproduktion (Darm- und Peritonealgewebe schmieren meist mehr als Haut);
- Risiko von Haarwuchs in der Neovagina (bei Haut mit Haarfollikeln ohne vorherige Haarentfernung möglich);
- Infektions- und Komplikationsprofil;
- Länge und Beschaffenheit des benötigten Vaginalkanals.
Vorbereitung und Planung
Vor einer Vaginoplastik sind ausführliche Untersuchungen wichtig: körperliche Untersuchung, Bildgebung bei bestimmten Fehlbildungen, Bluttests und bei trans Personen oft eine psychologische Begutachtung sowie die Abstimmung von Hormontherapie. Raucher sollten vor der OP aufhören, da Nikotin die Wundheilung beeinträchtigt. Bei Verwendung von haartragender Haut ist eine präoperative Haarentfernung (z. B. Laser oder Elektrolyse) ratsam.
Operation und Nachsorge
Die Operation erfolgt meist in Vollnarkose. Die Dauer hängt von der Methode ab; Krankenhausaufenthalte reichen im Allgemeinen von einem Tag bis zu mehreren Tagen. Wichtige Punkte der Nachsorge sind:
- Schmerzbehandlung und Wundkontrollen;
- häufige Reinigung und Pflege der Operationsregion;
- bei Transfrauen und nach vielen rekonstruktiven Verfahren: regelmäßige Dilatation (Dehnung) des Vaginalkanals mit speziellen Dilatatoren, um Verwachsungen und eine Verengung zu verhindern. Anfangs mehrmals täglich, später je nach Anweisung seltener;
- Wiederaufnahme körperlicher Aktivität schrittweise – Geschlechtsverkehr meist erst nach ärztlicher Freigabe (häufig nach 6–12 Wochen);
- bei Darmvaginoplastik: Überwachung auf Stuhlinkontinenz, Veränderung der Schleimproduktion und andere Darmfunktionen.
Risiken und Komplikationen
Wie bei jeder Operation gibt es Risiken. Mögliche Komplikationen sind:
- Blutungen und Infektionen;
- Wundheilungsstörungen oder Nekrosen von Transplantatmaterial;
- Narbenbildung und Stenose (Verengung) des Vaginalkanals;
- Fistelbildungen (unerwünschte Verbindungen zu Harnblase oder Darm);
- verminderte oder fehlende Sensibilität bzw. Schmerzen (Dyspareunie);
- bei Verwendung von Darmgewebe: vermehrte Schleimbildung, Geruchsveränderung oder Probleme mit dem Darmsegment;
- bei transsexuellen Eingriffen: Notwendigkeit von Revisionen, Probleme mit Urinröhrenverlauf oder ästhetischen Ergebnissen.
Erwartungen und Ergebnisqualität
Die meisten Patientinnen erleben nach erfolgreicher Vaginoplastik eine deutliche Verbesserung der funktionellen oder ästhetischen Situation und der Lebensqualität. Bei geschlechtsangleichenden Operationen sind die psychosexuellen Ergebnisse in vielen Studien überwiegend positiv, vorausgesetzt, die Patientin wurde sorgfältig ausgewählt und nachbetreut. Wichtig ist realistische Aufklärung über mögliche notwendige Nachoperationen und die Pflicht zur Nachsorge (z. B. Dilatation).
Wenn Sie eine Vaginoplastik in Erwägung ziehen, sprechen Sie ausführlich mit Gynäkologinnen/Gynäkologen, plastischen Chirurgen oder Fachzentren für geschlechtsangleichende Chirurgie. Eine individuelle Beratung klärt Möglichkeiten, Risiken und Erwartungen und stellt sicher, dass die gewählte Technik zur jeweiligen Situation passt.
Fragen und Antworten
F: Was ist eine Vaginoplastik?
A: Die Vaginoplastik ist ein chirurgischer Eingriff zur Formung der Vagina.
F: Wer kann sich einer Vaginoplastik unterziehen?
A: Eine Vaginoplastik kommt für Babys in Frage, deren Vagina nicht richtig gewachsen ist, für Frauen, denen das Aussehen oder das Gefühl ihrer Vagina nicht gefällt, und für transsexuelle Frauen, die sich von einem Mann in eine Frau verwandeln.
F: Auf welche Weise führen Ärzte Vaginoplastiken durch?
A: Bei den meisten Vaginoplastiken wird Gewebe aus anderen Teilen des Körpers der Patientin verwendet. Sie können Gewebe aus dem Inneren des Mundes, Hautgewebe, den Schamlippen oder dem Darm verwenden. Bei transsexuellen Frauen können sie den Penis und den Hodensack verwenden, um eine Vagina zu schaffen.
F: Müssen transsexuelle Frauen nach der Vaginoplastik irgendwelche Maßnahmen zur Erhaltung ihrer neuen Vagina ergreifen?
A: Ja, transsexuelle Frauen, die sich einer Vaginoplastik unterziehen, müssen die neue Vagina weiterhin mit Hilfe eines Werkzeugs weiten, um sie zu erhalten.
F: Ist die Vaginoplastik ein häufiger chirurgischer Eingriff?
A: Die Vaginoplastik ist kein sehr häufiger chirurgischer Eingriff.
F: Können sich auch Männer einer Vaginoplastik unterziehen?
A: Männer können sich zwar einer Vaginoplastik unterziehen, doch wird sie in der Regel nur im Rahmen einer Geschlechtsumwandlung von Mann zu Frau durchgeführt.
F: Welchen Zweck hat die Vaginoplastik bei Frauen, bei denen keine medizinische Notwendigkeit für den Eingriff besteht?
A: Der Zweck der Vaginoplastik bei Frauen, bei denen keine medizinische Notwendigkeit besteht, ist die Veränderung des Aussehens oder der Funktion ihrer Vagina.
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