Admiral Yi Sun-sin: Leben, Taktik und Siege im Imjin-Krieg
Admiral Yi Sun‑sin: Leben, Taktik und legendäre Siege im Imjin‑Krieg — Schildkrötenschiff, Hansan & Myongnyang. Held der Josun‑Dynastie.
Yi Sun-sin wurde am 28. April 1545 in Geoncheon-dong, Seoul, in der Zeit der Josun-Dynastie (antiker Name von Korea) geboren. Seine Familie war arm, deshalb zog er bald in die Heimat seiner Mutter nach Asan in der Provinz Chungcheongnam-do, wo er aufwuchs. Mehrere Quellen nennen abweichende Geburtsdaten (vereinzelt auch den 8. März 1545); das genaue Datum weicht wegen der Umrechnung des Mondkalenders gelegentlich in der Literatur ab. Yi trat später in den Staatsdienst ein und schlug eine militärische Laufbahn ein: Nachdem er die Militärprüfungen in jungen Jahren nicht bestanden hatte, bestand er sie schließlich im Alter von etwa 32 Jahren und begann seine Karriere als Offizier.
Aufstieg und Vorbereitung auf den Krieg
1591 wurde Yi zum Marinekommandanten der westlichen Flotte in der Provinz Jeolla-do ernannt. Schon vor dem offiziellen Ausbruch des Krieges erkannte er die Gefahr einer japanischen Invasion und bereitete die Küstenverteidigung vor: Er disziplinierte die Flotte, perfektionierte Ausbildung und Taktik und trieb den Ausbau der Schiffs- und Kanonentechnik voran. Außerdem wird ihm in der Überlieferung die Entwicklung bzw. Weiterentwicklung des berühmten Schildkrötenschiffs zugeschrieben. Dieses Schiff wird in zeitgenössischen Berichten als mit einem gedeckten Oberdeck versehen beschrieben, das das Entern erschwerte; Berichte über eiserne Platten sind historisch umstritten, doch die Form und Bewaffnung des Schiffes erhöhten die Feuerkraft und den Schutz der Besatzungen deutlich.
Der Imjin-Krieg (1592–1598)
Der Imjin-Krieg begann am 13. April 1592, genau wie Yi es vorausgesehen hatte. Die japanischen Truppen drangen schnell weit ins Landesinnere vor und besetzten große Teile der Josun-Dynastie. Yi konzentrierte sich auf die Seeverteidigung: Seine Kontrolle der Seewege und seine Angriffe auf die Nachschublinien schwächten die japanische Invasionsmacht entscheidend.
Wichtige Schlachten und Taktiken
- Schlacht von Hansan (1592): Yi nutzte die sogenannte Kranichflügel-Formation (Hakikjin), um die japanische Flotte zu umschließen. In dieser Auseinandersetzung wurden nach Berichten neunundfünfzig der dreiundsiebzig japanischen Schiffe zerstört oder erobert. Der Sieg blockierte wichtige Nachschubwege und gilt als einer der ausschlaggebenden Momente des Krieges.
- Schlacht von Myeongnyang (1597): Nach politischer Intrige und kurzzeitiger Absetzung kehrte Yi zurück und stellte sich in der Meerenge von Myeongnyang einer weit überlegenen japanischen Streitmacht. Mit nur 13 eigenen Schiffen nutzte er die starke Strömung und das enge Seegebiet und erzielte einen spektakulären Sieg gegen angeblich 300+ feindliche Schiffe. Dieses Gefecht wird oft als eines der größten taktischen Meisterwerke in der Seekriegsführung bezeichnet.
- Schlacht von Noryang (1598): In der letzten großen Seegefecht des Krieges (16. Dezember 1598) operierte Yi gemeinsam mit chinesischen Verbündeten gegen die zurückziehenden japanischen Truppen. Während des Gefechts wurde Yi tödlich verwundet und fiel im Kampf. Seine Gefährten sollen seine Verwundung zunächst geheim gehalten haben, um die Moral der Flotte nicht zu gefährden.
Taktische Stärken
Yi Sun-sin zeichnete sich durch mehrere militärische Qualitäten aus:
- Überragende Kenntnis von Küstengewässern, Strömungen und Gezeiten, die er konsequent taktisch nutzte.
- Disziplin und harte Ausbildung seiner Besatzungen sowie strenge Flottenorganisation.
- Effektiver Einsatz von Artillerie und Fernkampfwaffen, um die feindlichen Landungstruppen und Versorgungsschiffe zu treffen, ohne in engere Gefechte gebracht zu werden.
- Innovative Formationen wie die Kranichflügel-Formation, die Myeongnyang-Taktik mit enger Meerenge und Gezeitenausnutzung und der koordinierte Einsatz verschiedener Schiffstypen.
Auswirkungen und Vermächtnis
Yis Seesiege verhinderten weitgehend, dass der japanische Feldherr ToyotomiHideyoshi die koreanische Halbinsel dauerhaft unterwarf oder komfortable Nachschubwege sicherte. Obwohl die Landkriege großenteils zugunsten der japanischen Armeen verliefen, machten Yis Erfolge eine nachhaltige Ausbeutung und vollständige Eroberung deutlich schwieriger.
Yi hinterließ neben militärischen Erfolgen ein schriftliches Zeugnis: sein Kriegstagebuch, das Nanjung Ilgi, ist eine wertvolle historische Quelle für Strategie, Alltagsleben und Seerecht jener Zeit. Posthum erhielt er hohe Ehrungen und wird in Korea als Nationalheld verehrt; sein Titel Chungmugong (忠武公) ist Ausdruck dieser Anerkennung. Heute erinnern Statuen, Gedenkstätten und zahlreiche Darstellungen in Literatur und Film an sein Wirken.
Besonderheiten
- Yi verlor in seiner Karriere kein einziges dokumentiertes Seekampf-Gefecht, das er persönlich führte.
- Seine Kombination aus technologischer Anpassung, taktischem Können und Kenntnis der lokalen Gegebenheiten macht ihn zu einer der herausragenden Persönlichkeiten der Marinegeschichte weltweit.
Sein Tod in der Schlacht von Noryang 1598 beendete eine außergewöhnliche militärische Laufbahn, doch Yi Sun-sins Taktiken, Führungsprinzipien und sein schriftliches Erbe prägen bis heute das historische Bild Koreas und die Lehre über Seekriegsführung.

Yi Sun-sin
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