Henry Stewart oder Stuart, Herzog von Albany (7. Dezember 1545 – 10. Februar 1567), vor 1565 als Lord Darnley bekannt, war von 1565 bis zu seinem Tod Königskonsort von Schottland. Er ist in der Forschung und populär als Lord Darnley geläufig und war wegen seiner Abstammung und Heirat eine politisch bedeutende, aber umstrittene Persönlichkeit.
Herkunft und Anspruch
Darnley war der zweite Sohn von Matthew Stewart, 4. Earl of Lennox, und dessen Frau Lady Margaret Douglas; er war ihr ältester überlebender Sohn. Seine Mutter war eine Enkelin von James IV. von Schottland und Schwester in der Linie der Tudors: Darnleys Großmutter mütterlicherseits war Margaret Tudor, wodurch er über die mütterliche Linie eine Erbanspruch auf den englischen Thron ableiten konnte. Diese dynastische Nähe machte ihn zu einer bedeutsamen Figur in den Auseinandersetzungen zwischen den Parteien in England und Schottland.
Aufstieg, Ehe und politische Konflikte
Am 29. Juli 1565 heiratete Darnley Maria, Königin von Schottland, seine Cousine ersten Grades. Durch die Heirat erhielt er kurzzeitig starke politischen Ambitionen: Er strebte nach dem Titel und den Rechten eines mitregierenden Königs (sog. „Crown Matrimonial“) und nach Einfluss in Regierung und Hof. Aus der Ehe ging am 19. Juni 1566 der Sohn hervor, Jakob VI. von Schottland, der später als Jakob I. den Thron von England vereinigte.
Die Ehe war jedoch gespannt. Darnley galt zeitweise als eitel, fordernd und politisch ungeschickt; er suchte Unterstützung bei protestantischen Adligen und bei England, was ihn bei Marias katholischen und französischgesinnten Anhängern unbeliebt machte. Die Spannungen eskalierten, als Darnley 1566 in die Ermordung des königlichen Sekretärs David Rizzio verwickelt wurde: Rizzio wurde in Marias Gegenwart im Holyrood Palace erstochen – ein Ereignis, das das Vertrauen zwischen den Eheleuten weiter zerstörte.
Ermordung in Kirk o' Field
In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar 1567 wurde im Haus von Darnley auf Kirk o' Field nahe Edinburgh eine Explosion verzeichnet. Darnleys Leichnam wurde im Freien, in Nachtgewand, gefunden; sein Körper wies Hinweise darauf auf, dass er vor der Explosion offenbar erstochen oder gewürgt worden war – viele Zeitzeugen und spätere Untersuchungen legen nahe, dass er vermutlich erwürgt oder erstickt wurde und die Explosion danach gelegt wurde, vielleicht, um die Tat zu vertuschen oder Darnley zu zerstören. Er wurde anschließend in der Holyrood Abbey beigesetzt.
Wer für den Mord verantwortlich ist, wird seitdem kontrovers diskutiert. Schnell fiel der Verdacht auf James Hepburn, 4. Earl of Bothwell, weil er später eine wichtige Rolle in den Ereignissen um Maria spielte: Bothwell wurde als Hauptverdächtiger genannt und wenig später, im Mai 1567, in eine offensichtlich enge Beziehung mit Maria verwickelt, die in einer Heirat mit ihm mündete. Diese Ehe löste in Schottland Empörung aus und trug wesentlich zur politischen Krise um Maria bei.
Untersuchungen und Deutung
Zeitgenössische wie auch spätere Untersuchungen und Historiker kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Manche sehen in Bothwell und einer Gruppe von Adligen die Haupttäter; andere spekulieren über die mögliche Mitwisserschaft oder sogar Mitverantwortung der Königin. Es gibt jedoch keinen eindeutigen, unwiderlegbaren Beweis, der Mary Stuart zweifelsfrei als Auftraggeberin des Mordes ausweist. Politische Interessen, Gerüchte und Propaganda jener Zeit haben die Wahrheitsfindung zusätzlich erschwert.
Folgen und Vermächtnis
Der Tod Darnleys stürzte Maria in eine tiefe Krise: Die anschließende Heirat mit Bothwell, die Wahrnehmung ihrer möglichen Verstrickung in den Mord und die Rebellion mächtiger schottischer Adliger führten schließlich zur Gefangenschaft Marias, ihrer Abdankung im Juli 1567 zugunsten ihres Sohnes und zu deren späterer Gefangenschaft in England. Darnleys Sohn Jakob VI. von Schottland wurde König und vereinte Jahrzehnte später (1603) die Kronen Englands und Schottlands als Jakob I. von England.
Beurteilung
Darnley bleibt in der Geschichte als tragische Figur: dynastisch wichtig, persönlich umstritten und politisch fehlgeleitet. Sein gewaltsamer Tod und die ungeklärten Umstände haben ihm ein andauerndes Gewicht in der Forschung über das späte 16. Jahrhundert und die dramatischen Ereignisse am Hof Mary Stuarts gesichert.