Wilma Rudolph (geboren am 23. Juni 1940 in Tennessee; gestorben am 12. November 1994) war eine amerikanische Leichtathletin und eine der bekanntesten Sportlerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie wuchs in Clarksville, Tennessee in einer großen Familie auf und lebte mit mehreren Geschwistern. Als Kind erkrankte sie im Alter von vier Jahren an Kinderlähmung und verlor vorübergehend den Gebrauch ihres linken Beines. Durch intensive Behandlung, tägliche Physiotherapie und die Hilfe von Verwandten, die das Bein zu massieren begannen, gewann sie nach Jahren der Mühe wieder ihre Mobilität zurück. Als Jugendliche trug sie zeitweise eine Bein-Schiene, konnte aber schließlich normal gehen und sportlich aktiv werden.
Frühe sportliche Entwicklung
In der Schule zeigte Wilma früh großes Talent im Sport. In der High School wurde sie zur Star-Basketballspielerin ihres Teams und begann zugleich mit der Leichtathletik. Sie trainierte später bei dem bekannten Trainer Ed Temple an der Tennessee State University – bei den sogenannten "Tigerbelles" –, einer Trainingsgruppe, die viele erfolgreiche afroamerikanische Sprinterinnen hervorbrachte. Wilma entwickelte sich schnell zu einer der schnellsten Frauen ihrer Zeit.
Olympische Erfolge
Bereits im Alter von 16 Jahren nahm sie an den Olympischen Sommerspielen 1956 in Melbourne teil und gewann dort die Bronzemedaille mit der 4 x 100-Meter-Staffel. Ihren größten internationalen Durchbruch erzielte sie bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom: Wilma Rudolph gewann dort drei Goldmedaillen – im 100-Meter-Lauf, im 200-Meter-Lauf und mit der 4 x 100-Meter-Staffel. Mit diesen Erfolgen wurde sie als "schnellste Frau der Welt" bekannt und war die erste amerikanische Frau, die in einer einzigen Olympiade drei Goldmedaillen gewann. Ihre Siege hatten nicht nur sportliche Bedeutung, sondern waren auch ein starkes Symbol für Afroamerikanerinnen und für Menschen, die eine schwere Krankheit überwunden hatten.
Karriereende und späteres Leben
Nach ihrem großen Erfolg in Rom zog sich Wilma Rudolph später aus dem Spitzensport zurück und beendete ihre aktive internationale Karriere. Sie arbeitete als Lehrerin und als Leichtathletiktrainerin und setzte sich für Kinder und Jugendliche ein, um sie durch Sport zu fördern. In ihrem Privatleben war sie Mutter von vier Kindern; sie heiratete mehrmals und trennte sich später von zwei Ehemännern.
Vermächtnis
Wilma Rudolph bleibt ein wichtiges Vorbild: Sie zeigte, wie eine junge Frau trotz schwerer gesundheitlicher Rückschläge an die Weltspitze des Sports gelangen kann. Ihre Geschichte inspirierte viele Menschen weltweit und trug dazu bei, Barrieren für Frauen und afroamerikanische Athletinnen zu senken. Für ihre Leistungen und ihr Engagement wird sie noch heute in der Sportwelt und darüber hinaus geehrt.