Alexiares und Anicetus (altgriechisch Ἀλεξιάρης Alexiarês und Ανικητος Anikêtos) sind in der griechischen Mythologie kaum bekannte, wenig prominente Götterzwillinge. Sie gelten als unsterbliche Söhne des großen Helden Herakles und der Göttin Hebe, der Göttin der Jugend, die als Dienerin des olympischen Mahls Ambrosia und Nektar austeilte. Nach den überlieferten Angaben wurden Alexiares und Anicetus erst anlässlich des Aufstiegs ihres Vaters in den Olymp geboren, nachdem Herakles Unsterblichkeit erlangt hatte und die Göttin Hebe ehelichte. Kallimachus berichtet, dass Hebe bei der Geburt von ihrer Schwester, der Göttin Eiliethyia (Eileithyia), der Schutzpatronin der Geburt, unterstützt wurde.

Bedeutung der Namen und Funktionen

Die Namen der Zwillinge geben Hinweise auf ihre charakteristischen Funktionen:

  • Alexiares wird meist als „der, der abwehrt“ oder „der Kriegabwehrende“ interpretiert (gebildet aus dem griechischen Verb alexein = abwehren).
  • Anicetus bedeutet „der Unbesiegbare“ (griech. anikêtos = unbesiegbar).

In den wenigen überlieferten Darstellungen und Erwähnungen werden ihnen Schutzfunktionen zugeschrieben: Sie galten als Wächter des Olymps (zusammen mit ihrem Vater), als Beschützer von Städten und Befestigungen sowie als Götter der Verteidigung und des Sports — letzteres in Verbindung mit ihrer Herkunft von Hebe, der Göttin der Jugend, und mit der Vorstellung von jugendlicher Kraft und Wettkampf.

Quellenlage und Verehrung

Alexiares und Anicetus sind in der antiken Literatur nur sehr spärlich bezeugt. Die wichtigste schriftliche Erwähnung findet sich in der Bibliotheca (Pseudo-Apollodor), die die Abstammung Herakles’ und seine Hochzeit mit Hebe behandelt. Daneben verbleiben verstreute Hinweise bei Autoren wie Kallimachus; darüber hinaus fehlen ausführliche Mythen oder umfangreiche Kultbeschreibungen.

Als Kultzentren werden in der Forschung die Städte Theben und Rhodos genannt, wo den Zwillingen nach Angaben antiker und spätantiker Quellen offenbar besondere Verehrung zukam. Konkrete Riten, Feste oder Bilddarstellungen sind jedoch kaum belegt, weshalb vieles zur praktischen Verehrung spekulativ bleibt.

Ikonographie und Nachwirkung

Konkrete bildliche Darstellungen der beiden sind kaum überliefert; oft bleibt unklar, ob archäologische Darstellungen als Herakles-spezifische Begleiter oder als allgemeine Schutzfiguren zu deuten sind. In späteren mythographischen Sammlungen werden Alexiares und Anicetus als Beispiele für die zahlreichen, zum Teil sehr lokal begrenzten Gottheiten genannt, die das antike Götterpanorama ergänzten.

Zusammenfassung

Alexiares und Anicetus sind typische Beispiele für sekundäre Gottheiten der griechischen Religion: Sie sind eng mit bekannteren Gottheiten (Herakles, Hebe) verknüpft, erfüllen spezifische Schutz- und Verteidigungsfunktionen und sind nur sehr spärlich in den Quellen dokumentiert. Ihre Existenz zeigt die Vielfalt lokaler Kulte und die Tendenz der antiken Religion, Funktionsträger (Schutzgottheiten, Wächter, Patronen des Sports) in Gestalt eigenständiger, wenn auch meist unbedeutender, Götter zu personifizieren.

Wörtliches Motiv aus der Bibliotheca: „Herakles erlangte die Unsterblichkeit, und als sich Heras Feindschaft in Freundschaft verwandelte, heiratete er ihre Tochter Hebe, die ihm die Zwillingssöhne Alexiares und Anicetus gebar.“