Carloman I (Karloman): Leben, Mythen und historische Fakten
Carloman I (Karloman): Entdecken Sie Leben, Legenden und belegte historische Fakten – Mythen entlarvt, politische Rolle, Chronologie und Quellenkritik kompakt aufbereitet.
Carloman I. (lateinisch Karlomannus) war ein fränkischer Herrscher aus dem Haus der Karolinger, der zusammen mit seinem Bruder Karl dem Großen nach dem Tod ihres Vaters Pippin des Kurzen 768 König der Franken wurde. Sein kurzes Leben und seine Herrschaft sind in zeitgenössischen Quellen nur lückenhaft überliefert, weshalb es später zu Verwechslungen mit anderen gleichnamigen Personen und zu zahlreichen Legenden kam. Im Folgenden werden Leben, Herrschaft, Mythen und die belegbaren historischen Fakten klar voneinander getrennt.
Leben und Herkunft
Carloman stammte aus der Familie der Karolinger. Er war ein Sohn Pippins des Kurzen und der Bertrada von Laon. Vermutlich wurde er in den 750er Jahren geboren; genaue Geburtsdaten fehlen. Nach dem Tod ihres Vaters 768 teilten Carloman und sein älterer Bruder Karl die fränkische Herrschaft unter sich. Carloman war mit Gerberga (auch Gerberge) verheiratet; das Paar hatte mehrere kleine Kinder.
Herrschaft und Politik
Die Teilung des Reiches von 768 führte nicht zu einer klaren Ost-West- oder Nord-Süd-Grenze, vielmehr wurden Machtbereiche zwischen den Brüdern aufgeteilt. Beide Brüder führten gemeinsame und getrennte Feldzüge sowie Verwaltungshandlungen durch. Aus den wenigen überlieferten Berichten geht hervor, dass es Spannungen, aber keine unmittelbare offene Feindschaft mit groß angelegten Kriegen zwischen den Brüdern gab.
Carloman scheint sich vor allem in den östlicheren Teilen des Reiches (z. B. Austrasien, Teile Burgunds) zu engagieren. Er pflegte Beziehungen zum fränkischen Adel und zu kirchlichen Institutionen, doch liegen darüber kaum detaillierte Akten vor. Die wichtigsten zeitgenössischen Quellen zu dieser Zeit sind die Annales Regni Francorum (Kaiserchroniken) und die Schriften von Einhard, die jedoch aus Sicht von Karl dem Großen und seinem Hof verfasst wurden und daher tendenziell einseitig sein können.
Tod und Nachfolge
Carloman starb überraschend im Jahr 771. Die Todesursache ist nicht eindeutig überliefert; zeitgenössische Quellen sprechen von einem plötzlichen Tod ohne nähere Angaben. Nach seinem Tod beanspruchte Karl der Große ohne längeren Widerstand die Herrschaft über das gesamte Frankenreich und vereinte dadurch die Macht in seinen Händen.
Die Witwe Gerberga floh mit ihren Söhnen zu Desiderius, dem König der Langobarden, in der Hoffnung auf Schutz und Unterstützung. Dieses Gesuch um Hilfe war einer der Vorwände für Karl den Großen, 773/774 in Italien einzufallen, die Langobarden zu besiegen und ihr Königreich zu unterwerfen. Die Söhne Carlomans verloren damit ihre Chance auf eine eigenständige Herrschaft; für sie sind die Spuren in den Quellen danach größtenteils verloren.
Mythen, Verwechslungen und historische Einordnung
Es gibt mehrere Quellen der Verwirrung um Carloman:
- Namengleichheit: In der Frühmittelalterlichen Geschichte treten mehrere Männer mit dem Namen Karlmann/Karlomann/Carloman auf – etwa der frühere Hausmeier Carloman, Sohn Karls Martells, der 747 ins Kloster ging. Diese Namengleichheit führt leicht zu Verwechslungen in späteren Darstellungen.
- Mangel an Quellen: Viele Überlieferungen stammen aus dem Umfeld Karls des Großen, wodurch Carloman tendenziell weniger präsent ist und sein Ansehen im Lauf der Zeit verzerrt werden kann.
- Legendenbildung: Später kursierende Erzählungen und volkstümliche Mythen über Intrigen oder gewaltsame Tode sind häufig Spekulationen. Für Carlomans plötzlichen Tod gibt es keine belastbaren Belege für Mord oder andere dramatische Ursachen; die Annahme einer natürlichen Krankheit ist ebenso plausibel wie die Möglichkeit eines politischen Anschlags, lässt sich aber nicht belegen.
Historische Bedeutung
Obwohl Carlomans Herrschaft kurz war und er im historischen Gedächtnis hinter seinem Bruder Karl dem Großen zurückgetreten ist, hatte sein Tod erhebliche Folgen: Die Vereinigung des Frankenreiches unter Karl dem Großen bildete die Grundlage für die spätere Karolinger-Monarchie und die expansive Politik Karls, die zur Kaiserkrönung 800 führte. Carlomans Nachkommen verloren ihre machtpolitische Rolle, und das politische Gleichgewicht zugunsten Karls verschob sich damit dauerhaft.
Quellenlage
Wichtige Quellen zur Zeit sind unter anderem die Annales Regni Francorum (Königsannalen) und die Biographie Karls des Großen von Einhard. Für viele Details über Carloman fehlen eigenständige und umfangreiche Quellen, weshalb Historiker bei Rekonstruktionen seines Lebens und seiner Politik vorsichtig vorgehen und oft nur Hypothesen aufstellen können.
Fazit: Carloman I. war ein kurz regierender karolingischer Herrscher, dessen Rolle und Bedeutung oft durch Lücken in den Quellen und durch die späte Dominanz seines Bruders Karl des Großen in den Hintergrund gedrängt wurden. Viele sensationelle oder anachronistische Behauptungen, die gelegentlich im Internet kursieren, haben mit den belegbaren historischen Fakten nichts zu tun und sind als Legenden oder Fehlinformationen zu bewerten.
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