Gegenangriff: Definition, Taktik, Ziele und historische Strategien

Gegenangriff erklärt: Definition, taktische Prinzipien, Ziele und historische Strategien von Sun Tzu bis zur Moderne – Überraschung, Tempo und effektive Rückeroberung.

Autor: Leandro Alegsa

Ein Gegenangriff ist eine Taktik, die als Reaktion auf einen Angriff angewendet wird. Der moderne Begriff wurde in "Kriegsspielen" populär. Der Zweck besteht darin, den Vorteil, den ein Feind während eines Angriffs erlangt hat, zu neutralisieren oder zu stoppen. Gleichzeitig wird er verwendet, um verlorenes Terrain zurückzugewinnen oder den angreifenden Feind zu zerstören. Bei einem Gegenangriff kommt es auf Überraschung, Schnelligkeit und darauf an, das zu tun, was der Feind nicht erwartet. Um am effektivsten zu sein, muss er gestartet werden, bevor ein Feind Zeit hat, sich zu organisieren und seine neue Position noch nicht gestärkt hat. Der chinesische General und Stratege Sun Tzu (544 v. Chr. - 496 v. Chr.) ist der früheste Schriftsteller, der die Vorteile eines kühnen Gegenangriffs erwähnte.

Definition und Zweck

Ein Gegenangriff ist keine bloße Reaktion, sondern eine gezielte Aktion mit klaren Zielen: das Momentum des Angreifers zu brechen, verlorene Stellung zurückzugewinnen, feindliche Einheiten zu vernichten oder zumindest ihre Kampffähigkeit zu schwächen. Er kann auf taktischer Ebene (lokale Gegenangriffe), operativer Ebene (Gegenoffensiven zur Zurückeroberung ganzer Frontabschnitte) oder strategischer Ebene (Wendepunkte im gesamten Krieg) stattfinden.

Grundprinzipien

Wichtige Prinzipien erfolgreicher Gegenangriffe sind:

  • Überraschung: Der Gegner soll nicht mit dem Zeitpunkt, Ort oder der Stärke des Gegenangriffs rechnen.
  • Schnelligkeit und Entschlossenheit: Rasches Handeln verhindert, dass der Angreifer sich neu formiert oder Verstärkungen heranführt.
  • Lokale Überlegenheit: Man erreicht Erfolg, wenn an der entscheidenden Stelle mehr Kampfkraft konzentriert wird als der Gegner.
  • Einsatz von Reserven: Bewegliche Kräfte oder Reserveeinheiten sind oft der Schlüssel, um den Wendepunkt herbeizuführen.
  • Aufklärung und Informationsvorsprung: Gute Lagekunde reduziert das Risiko, in eine Falle zu laufen.

Typen von Gegenangriffen

  • Spoiling Attack (Vorstoß gegen feindliche Vorbereitungen): Angriffe, die die Offensive des Gegners stören, bevor sie beginnt oder an Fahrt gewinnt.
  • Lokaler Gegenangriff: Reaktion auf einen Durchbruch oder Angriffsstoß zur Rückeroberung eines Abschnitts.
  • Gegenoffensive: Größere Operationen, die meist nach dem Abwehren eines Angriffs starten, um die strategische Initiative zu erlangen.
  • Riposte: Schnell durchgeführter, oftmals schlagkräftiger Gegenschlag nach einem feindlichen Manöver.

Taktik und Durchführung

Bei der Planung und Durchführung sind folgende Punkte zentral:

  • Vorbereitung: Munition, Versorgung, Verwundetenversorgung und Kommunikationswege müssen gesichert sein.
  • Aufklärung: Informationen über Feindstärke, -ausrichtung und mögliche Reserven sind Voraussetzung.
  • Koordination: Artillerie- und Luftunterstützung, Panzer- und Infanterieeinsätze sowie elektronische Aufklärung müssen verzahnt werden.
  • Dezimierung feindlicher Verteidigung: Angriffspunkte mit Schwachstellen identifizieren und ausnutzen (z. B. Lücken, schlecht gesicherte Flanken).
  • Flexibilität: Pläne sind anpassbar, um auf unerwartete Entwicklungen reagieren zu können.

Ziele eines Gegenangriffs

  • Wiedererlangung von Gelände und strategischen Positionen.
  • Zerschlagung oder Einkesselung feindlicher Einheiten.
  • Erhalt oder Wiedergewinnung der Initiative im Gefecht.
  • Schutz eigener Linien, Nachschubwege und wichtiger Infrastruktur.
  • Psychologische Wirkung: Schwächung der Moral des Gegners und Stärkung der eigenen Truppen.

Historische Strategien und Beispiele

Die Idee des Gegenangriffs ist alt und in vielen Militärtraditionen verankert — wie bereits Sun Tzu schrieb. Im Laufe der Geschichte zeigte sich immer wieder: wer Reserven klug einsetzt und zur richtigen Zeit zuschlägt, kann eine schlechte Lage drehen.

Beispiele aus moderneren Konflikten sind:

  • Die sowjetische Gegenoffensive Operation Uranus (Stalingrad, 1942) trug zur Einkesselung und Kapitulation der deutschen 6. Armee bei.
  • Nach der Landung in der Normandie führten alliierte Truppen lokale und operative Gegenangriffe und Gegenoffensiven durch, um die deutschen Gegenangriffe zu zerschlagen und den Durchbruch zu erzielen.
  • Auf operativer Ebene demonstrierten großangelegte Gegenoffensiven wie Operation Bagration (1944) die Wirkung von Koordination, Überlegenheit in Material und Überraschung.
  • In vielen Epochen — von den antiken Schlachtfeldern bis zu den Weltkriegen — waren das Aufbewahren beweglicher Reserven und das gezielte Einsetzen dieser Kräfte entscheidend.

Risiken und Gegenmaßnahmen

Gegenangriffe bergen auch Gefahren:

  • Unzureichende Aufklärung: Kann in Hinterhalte oder unvorhergesehene Stärken des Gegners führen.
  • Mangel an Reserven: Ohne ausreichend Kräfte lässt sich ein Gegenangriff nicht durchhalten.
  • Überdehnung: Ein zu schneller Vorstoß kann die eigenen Nachschublinien gefährden.
  • Gegenmaßnahmen des Gegners: Der Angreifer kann neue Reserven einsetzen, Flankenangriffe durchführen oder Gegen-Gegenangriffe starten.

Moderne Entwicklungen

Im modernen Kriegsspiel sind folgende Faktoren wichtiger geworden:

  • Netzwerkbasierte Kriegsführung: Schnelle und gesicherte Kommunikation erhöht die Reaktionsgeschwindigkeit.
  • Präzisionsfeuer und Aufklärung aus der Luft: Drohnen, Satellitenaufklärung und Präzisionsmunition ändern Tempo und Risikoabwägungen.
  • Elektronische Kriegsführung und Cyberangriffe: Sie können Kommandostrukturen stören und so einen Gegenangriff erleichtern oder verhindern.
  • Interdisziplinäre Integration: Moderne Gegenangriffe erfordern das verzahnte Wirken von Land-, Luft- und Seestreitkräften sowie Unterstützungsfunktionen.

Kurz gesagt: Ein erfolgreicher Gegenangriff ist das Ergebnis guter Planung, ausreichender Ressourcen, präziser Aufklärung und entschlossener Ausführung. Er bietet die Chance, eine ungünstige Situation in einen Vorteil zu verwandeln — birgt aber zugleich Risiken, wenn Timing, Führung oder Logistik versagen.

Karte des Gegenangriffs der Union in der Schlacht von Cedar Creek während des amerikanischen BürgerkriegsZoom
Karte des Gegenangriffs der Union in der Schlacht von Cedar Creek während des amerikanischen Bürgerkriegs

Fragen und Antworten

F: Was ist ein Gegenangriff?


A: Ein Gegenangriff ist eine Taktik, die als Reaktion auf einen Angriff eingesetzt wird.

F: Woher kommt der moderne Begriff "Gegenangriff"?


A: Der moderne Begriff "Gegenangriff" wurde in "Kriegsspielen" populär.

F: Was ist der Zweck eines Gegenangriffs?


A: Der Zweck eines Gegenangriffs ist es, den Vorteil, den der Feind während eines Angriffs erlangt hat, zu neutralisieren oder zu stoppen, verlorenen Boden zurückzugewinnen oder den angreifenden Feind zu vernichten.

F: Welches sind die drei Faktoren, die einen Gegenangriff effektiv machen?


A: Die drei Faktoren, die einen Gegenangriff effektiv machen, sind Überraschung, Schnelligkeit und das, was der Feind nicht erwartet.

F: Wann ist der beste Zeitpunkt, um einen Gegenangriff zu starten?


A: Der beste Zeitpunkt für einen Gegenangriff ist, bevor der Feind Zeit hat, sich zu organisieren, und seine neue Position noch nicht verstärkt hat.

F: Wer ist der erste Schriftsteller, der die Vorteile eines kühnen Gegenangriffs erwähnt?


A: Der früheste Autor, der die Vorteile eines kühnen Gegenangriffs erwähnt hat, ist der chinesische General und Stratege Sun Tzu (544 v. Chr. - 496 v. Chr.).

F: Wovon hängt ein Gegenangriff ab?


A: Ein Gegenangriff hängt von der Überraschung, der Schnelligkeit und dem Tun ab, womit der Feind nicht rechnet.


Suche in der Enzyklopädie
AlegsaOnline.com - 2020 / 2025 - License CC3