Emily Wilding Davison (geb. 11. Oktober 1872 in Blackheath, Südost-London; gest. 8. Juni 1913) war eine britische Aktivistin der Frauenrechtsbewegung, die vor allem als Suffragette der Women's Social and Political Union bekannt wurde. Ihr Leben und besonders ihr Tod beim Epsom-Derby 1913 haben bis heute Bedeutung für die Erinnerung an die Kampagne für das Frauenwahlrecht in Großbritannien.

Frühes Leben und Ausbildung

Davison erhielt eine formale Ausbildung und studierte am Royal Holloway College sowie an der Universität Oxford. Zu ihrer Lebenszeit durften Frauen an vielen britischen Universitäten zwar Lehrveranstaltungen besuchen und Prüfungen ablegen, ihnen wurde jedoch häufig die Verleihung offizieller Abschlüsse verweigert.

Beitritt zur Suffragettenbewegung

1906 trat Davison der von Emmeline Pankhurst gegründeten Women's Social and Political Union (WSPU) bei, einer Organisation, die für das Frauenwahlrecht mit bewusst konfrontativen Methoden kämpfte. In den folgenden Jahren verlegte sie ihre Tätigkeit zunehmend in die Organisation und Durchführung direkter Aktionen.

  • 1906: Eintritt in die WSPU.
  • 1909: Aufgabe ihrer Anstellung als Lehrerin, um sich vollzeitlich der politischen Arbeit zu widmen.
  • In den folgenden Jahren wurde sie mehrfach verhaftet wegen öffentlicher Unruhen und Sachbeschädigung (unter anderem Brandstiftungen an Briefkästen).

Festnahmen, Hungerstreiks und Zwangsernährung

Davison war Teil der WSPU-Linie, die wiederholt zivilen Ungehorsam und Eigentumsbeschädigung einsetzte, um politische Aufmerksamkeit zu erzwingen. Dabei kam es zu zahlreichen Verhaftungen und kurzen Haftstrafen.

  • 1909 wurde sie zu einem Monat Zwangsarbeit im Strangeways-Gefängnis (Manchester) verurteilt, nachdem sie Steine auf den Wagen des Politikers David Lloyd George geworfen hatte.
  • Während der Haft nahm sie an einem Hungerstreik teil. Als Reaktion darauf wurde sie zwangsgefüttert — eine in der Zeit häufig angewandte, aber heute umstrittene Maßnahme.
  • Sie klagte gegen die Wärter von Strangeways wegen Behandlungsmissständen und erhielt eine Entschädigung von 40 Schilling (40s).

Der Vorfall beim Epsom Derby und ihr Tod

Am 4. Juni 1913 lief Davison auf die Rennbahn des Epsom-Derby und geriet in die Bahn eines der Pferde, mit denen die königliche Familie verbunden war. Die genauen Absichten Davison‑s sind bis heute nicht eindeutig geklärt: Zeitgenössische Berichte und spätere Forschungen kommen zu unterschiedlichen Bewertungen, ob sie sich bewusst opfern wollte, um Aufmerksamkeit zu erzwingen, oder ob sie einen anderen Protest beabsichtigte.

Bei dem Zwischenfall wurde sie schwer verletzt; sie erlag ihren Verletzungen am 8. Juni 1913. Ihr Tod löste in Großbritannien eine intensive Debatte über die Methoden der Suffragetten und über den polizeilichen und gerichtlichen Umgang mit politischen Gefangenen aus.

Wirkung und Erinnerung

Emily Davison wird in der historischen Forschung und im öffentlichen Gedächtnis ambivalent bewertet: einerseits als engagierte Verfechterin des Frauenwahlrechts, andererseits als Vertreterin jener radikaleren Strategien, die innerhalb und außerhalb der Bewegung umstritten waren. Ihr Tod gilt als eines der markanteren Ereignisse der britischen Suffragettenbewegung und hat bis heute Bedeutung für Diskussionen über Protestformen, staatliche Gegenmaßnahmen und Erinnerungskultur.