fa'afafine ist ein samoanischer Begriff für Personen, die bei der Geburt dem männlichen Geschlecht zugewiesen wurden, aber schwesterliche oder weibliche Rollen übernehmen und sich selbst oft als „drittes Geschlecht“ oder als fa'afafine identifizieren. Traditionell werden sie manchmal von klein auf in weiblichen Rollen erzogen und bleiben so bis ins Erwachsenenalter aktiv in der Familie und Gemeinschaft eingebunden.
Begriff und Herkunft
Das Wort setzt sich zusammen aus dem Präfix fa'a („in der Art/Weise von“) und fafine („Frau“). In der samoanischen Kultur hat die Rolle der fa'afafine eine lange Geschichte und wird historisch als drittes Geschlecht verstanden, das neben strikt männlichen und weiblichen Rollen existiert und eigene soziale Funktionen erfüllt.
Soziale Rolle und Alltag
Fa'afafine übernahmen und übernehmen in Samoa häufig Aufgaben wie Kinderbetreuung, Haushaltspflege, Unterstützung älterer Familienmitglieder, künstlerische Tätigkeiten (z. B. Tanz und Kostümarbeit) und Organisationsaufgaben bei familiären und dörflichen Zeremonien. Ihre Beiträge werden in vielen Gemeinschaften anerkannt und geschätzt, wobei Anerkennung und Akzeptanz je nach Familie, Ort und religiösem Umfeld variieren können.
Warum und wie entstehen fa'afafine?
In einigen Familien wird die Rolle gewählt, wenn es viele Söhne und wenige Töchter gibt, damit Familienpflichten, Pflege- und Haushaltsaufgaben übernommen werden können. Das ist jedoch nur ein möglicher sozialer Grund. Viele fa'afafine beschreiben ihr Empfinden als innerlich stimmig — sie fühlen sich nicht ausschließlich als Männer, oft definieren sie sich als eigene geschlechtliche Kategorie. Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen sozialer Rollenzuweisung und individueller Identität.
Geschlecht, Identität und sexuelle Orientierung
Fa'afafine sind keine direkte Entsprechung zu westlichen Kategorien wie „homosexuell“ oder „transsexuell“. Einige fa'afafine haben männliche sexuelle Partnerinnen oder -partner; andere haben heterosexuelle Beziehungen; die sexuelle Orientierung ist individuell verschieden. In Gesellschaften, die nur binäre Geschlechterkonzepte kennen, werden fa'afafine manchmal fälschlich mit homosexuell oder transsexuell gleichgesetzt — das trifft jedoch nicht in allen Fällen zu und vereinfacht die kulturelle Realität.
Vergleich im pazifischen Raum
Ähnliche Konzepte existieren in anderen Inselkulturen des Pazifiks, z. B. die fakaleiti in Tonga oder die māhū in Hawaii/Tahiti. Jede dieser Traditionen hat eigene Begriffe, Rollen und soziale Bedeutungen; ein direkter Austausch der Begriffe sollte deshalb mit kultureller Sensibilität erfolgen.
Gegenwart und Herausforderungen
Heute sind fa'afafine in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens präsent — in Kunst, Pflege, Aktivismus und Familie. Trotz historischer Anerkennung erfahren viele jedoch Diskriminierung, Stigmatisierung oder sozialen Druck, insbesondere in zunehmend konservativen oder religiös geprägten Kontexten. Zugleich engagieren sich viele fa'afafine für Sichtbarkeit und Rechte innerhalb der LGBTQIA+-Bewegung und in der eigenen Gesellschaft.
Wichtig: Fa'afafine sind eine kulturelle Kategorie mit individuellen Identitäten. Beim Sprechen über fa'afafine sollte man respektvoll bleiben, auf Selbstbezeichnungen achten und nicht automatisch westliche Labels oder Annahmen über Sexualität und medizinische Übergangsprozesse übertragen.