Die Flussterrasse ist ein verlassenes Überschwemmungsgebiet, das in Form einer langen, schmalen Stufe im Flusslauf erhalten geblieben ist. Es entsteht, wenn ein Fluss einst auf einem höheren Niveau als heute floss und später tiefere Erosionsschichten eingeschnitten hat. Die Flussterrasse besteht aus zwei Teilen; einer Trittstufe, die die flache Oberfläche an der Oberseite der Flussterrasse darstellt, und einer Steilstufe, die den steilen Hang bildet, der die Trittstufe mit der Unterseite verbindet.
Aufbau und Erscheinungsbild
Typisch für Flussterrassen ist die abgeflachte, meist breite Oberfläche (Trittstufe oder Tritt), auf der sich Sedimente wie Grobkies, Sand oder feinere alluviale Schichten abgelagert haben können. Die Trittstufe wird nach außen durch die Steilstufe (Riser) begrenzt. Mehrere übereinander liegende Terrassen bilden oft eine Folge von Stufen, die die ehemalige Entwicklung des Flussniveaus über die Zeit widerspiegeln. Die Höhe einer Terrasse wird meist in Metern über dem heutigen Flussbett angegeben.
Entstehungsprozesse
Flussterrassen entstehen durch ein Zusammenspiel von Erosion und Ablagerung. Häufige Ursachen sind:
- Base‑level‑Senkung (z. B. durch Meeresspiegelsenkung oder Absenkung des Flussunterlaufs), wodurch der Fluss einsetzt, sein Bett einzuschneiden und alte Überschwemmungsflächen zurückzulassen.
- Klimawechsel, die Abfluss und Sedimentangebot verändern: in Phasen mit hohem Sedimentangebot lagern sich breitere Überschwemmungsflächen an; bei vermindertem Sedimentangebot oder stärkerer Erosion wird eingeschnitten.
- Tektonik (Hebung oder Senkung von Gelände), die das Gefälle des Flusses verändert und so zu wiederholtem An- und Einschnitt führt.
- Anthropogene Einflüsse wie Flussbegradigung, Dammbau oder Gewinnung von Kies können das Terrassenbild lokal beeinflussen oder verfälschen.
Typen von Flussterrassen
Man unterscheidet Flussterrassen nach Material und nach Entstehungsursache:
- Nach Strukturmaterialien
- Felsterrasse – bei der Oberfläche handelt es sich weitgehend um in situ erhaltenes Fels- oder Tuffuntergrundmaterial mit nur dünner alluvialer Decke.
- Kiesterrasse – besteht überwiegend aus Kiesen, Sanden und anderen fluviatilen Ablagerungen; typisch für Bereiche mit hohem Sedimenttransport.
- Nach Entstehungsursachen
- Tektonische Terrasse – entstanden oder exponiert durch Hebung/Absenkung des Untergrundes.
- Klimaterrasse – Ergebnis zyklischer Klimaschwankungen (z. B. Eiszeit‑/Interglazialwechsel) mit wiederholten Ablagerungs‑ und Einschnittphasen.
Datierung, Erkennung und Kartierung
Flussterrassen sind wichtige Archive für Landschafts‑ und Klimageschichte. Ihre Altersbestimmung erfolgt mit verschiedenen Methoden:
- Radiokohlenstoffdatierung von organischen Resten in den Terrassenablagerungen (bis ca. 50.000 Jahre).
- Optisch stimulierte Lumineszenz (OSL) zur Datierung der letzten Belichtung von Sandkörnern.
- Kosmogene Nuklidmethoden (z. B. 10Be), um Expositionszeiten von Oberflächen zu bestimmen.
- Stratigraphische Analyse und Paläopedologie (Bodenentwicklung) als relative Datierungshilfen.
Zur Erkennung und Kartierung werden häufig digitale Geländemodelle (DEMs), LiDAR‑Daten, Luftbilder und Geländebegehungen verwendet. Terrassenreihen werden nach ihrer Höhe über dem heutigen Fluss oft durchnummeriert (z. B. T1, T2 ...).
Bedeutung und Nutzung
Flussterrassen haben vielfältige Bedeutung:
- Sie liefern Informationen über frühere Flussläufe, Klima- und Hebungsereignisse.
- Archäologische Funde werden oft auf Terrassen gefunden, weil diese trockener und besser zur Besiedlung geeignet waren.
- In der Landwirtschaft und als Siedlungsflächen sind Terrassen wegen ihrer flachen Flächen und guten Drainage beliebt.
- Für Planungen (z. B. Hochwasserschutz, Infrastrukturprojekte) sind Kenntnisse über Terrassenlagen und deren Stabilität wichtig.
Hinweise zur Beobachtung im Gelände
Im Gelände erkennt man Flussterrassen an:
- einer markant flachen, meist vegetations- oder nutzungsbedingt anders geformten Fläche über dem Fluss;
- einer steilen Kante (Steilstufe) zum tieferliegenden Flussbett;
- typischen Sedimentkombinationen: Kiese, Sande, Schotter oder verfestigte Bodenhorizonte.
Flussterrassen sind also nicht nur charakteristische Landschaftselemente, sondern auch wichtige Indikatoren für die geologische, klimatische und menschliche Geschichte eines Flussraums.


