Les XX (Les Vingt): Belgische Künstlergruppe 1883–1893
Les XX (Les Vingt): Belgische Künstlergruppe 1883–1893 – wegweisende Ausstellungen mit Monet, Seurat, Van Gogh & Gauguin; Pionierinnen der Avantgarde und moderner Kunst.
Les XX war eine Gruppe von zwanzig belgischen Malern, Designern und Bildhauern, die als Reaktion auf das konservative Kunstleben Belgiens Ende des 19. Jahrhunderts entstand. Gegründet wurde die Vereinigung 1883 von dem Brüsseler Rechtsanwalt, Verleger und Kunstförderer Octave Maus. Ziel von Les XX war es, neue Strömungen der zeitgenössischen Kunst zu zeigen, den Austausch mit internationalen Künstlern zu fördern und eine Plattform für avantgardistische Positionen zu bieten.
Geschichte und Arbeitsweise
Über einen Zeitraum von zehn Jahren veranstaltete die Gruppe jährlich eine gemeinsame Ausstellung, in der die Mitglieder ihre Arbeiten präsentierten. Zusätzlich lud man jedes Jahr zwanzig internationale Gäste ein, um die Ausstellungen durch fremde, oft radikale Positionen zu bereichern. Diese Praxis machte Les XX schnell zu einem wichtigen Treffpunkt für die neuesten Entwicklungen in Malerei, Skulptur, Grafik und Design in ganz Europa. Die Ausstellungen waren oft kontrovers und zogen sowohl begeisterte Anhänger wie auch erbitterte Kritiker an.
Wichtige Gäste und künstlerische Strömungen
Zu den eingeladenen internationalen Künstlern gehörten bedeutende Namen des Impressionismus, Postimpressionismus und Neoimpressionismus, die das Publikum in Belgien mit neuen Techniken und Bildauffassungen vertraut machten. Im Laufe der Jahre wurden unter anderem eingeladen: Camille Pissarro (1887, 1889, 1891), Claude Monet (1886, 1889), Georges Seurat (1887, 1889, 1891, 1892), Paul Gauguin (1889, 1891), Paul Cézanne (1890) und Vincent van Gogh (1890, 1891). Durch solche Einladungen wurden Techniken wie die Divisionismus-/Pointillismus-Malweise Seurats, die farbtheoretischen Experimente der Neoimpressionisten sowie symbolistische und synthetische Ansätze einem breiteren belgischen Publikum zugänglich gemacht.
Mitglieder und Aktivitäten
Die Mitglieder von Les XX setzten sich aus verschiedenen Gattungen und Generationen zusammen: Maler, Bildhauer, Grafiker und gelegentlich auch Architekten und Designer. Zu den bekanntesten belgischen Künstlern, die eng mit der Gruppe verbunden waren, zählen unter anderem James Ensor, Théo van Rysselberghe, Fernand Khnopff und Constantin Meunier. Neben den jährlichen Salons organisierte die Gruppe auch Vorträge, Debatten und die Herausgabe von Katalogen, um die präsentierten Ideen und Werke zu dokumentieren und zu verbreiten.
Bedeutung und Nachwirkung
Les XX spielte eine Schlüsselrolle bei der Einführung und Verbreitung moderner Kunstströmungen in Belgien. Die Ausstellungen trugen dazu bei, den Dialog zwischen belgischen Künstlern und der internationalen Avantgarde zu stärken und beeinflussten die Entwicklung des Symbolismus, Postimpressionismus und später auch des Jugendstils in der Region. 1893 ging die Gesellschaft in die Nachfolgeorganisation La Libre Esthétique über, die von Octave Maus initiiert wurde und die Idee offener, regelmäßig stattfindender Ausstellungen bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs fortsetzte.
Das Engagement von Les XX für künstlerische Erneuerung und internationale Vernetzung bleibt ein bedeutendes Kapitel in der europäischen Kunstgeschichte des späten 19. Jahrhunderts: die Gruppe zeigte, wie lokale Initiativen durch Offenheit gegenüber internationalen Entwicklungen die künstlerische Szene nachhaltig verändern können.

Plakat der Ausstellung Les XX von 1889
Elf Gründungsmitglieder
- James Ensor 1860-1949 (Mitglied bis 1893)
- Théo van Rysselberghe 1862-1926 (Mitglied bis 1893)
- Fernand Khnopff 1858-1921 (Mitglied bis 1893)
- Alfred Wilhelm Finch
- Frantz Charlet b 1862
- Paul Du Bois
- Charles Goethals um 1853-85
- Darío de Regoyos (Spanisch)
- Willy Schlobach b 1864
- Guillaume van Strydonck 1861-1937
- Rodolphe Wytsman 1860-1927
Neun eingeladene Mitglieder
- Guillaume Vogels
- Achille Chainaye 1862-1915
- Jean Delvin 1853-1922
- Jef Lambeaux
- Périclès Pantazis (Griechisch) 1849-1884
- Frans Simons 1855-1919
- Gustave Vanaise 1854-1902
- Piet Verhaert 1852-1908
- Théodore Verstraete 1850-1907
Zwölf später eingeladene Mitglieder
- Felicien Rops 1833-1898
- Georges Lemmen 1865-1916 (Mitglied seit 1888)
- George Minne 1866-1941
- Anna Boch 1848-1926 (Mitglied von 1885-1893: nur weibliches Mitglied)
- Henryvan de Velde (Mitglied seit 1888)
- Guillaume Charlier
- Henry De Groux
- Robert Picard b 1870
- Jan Toorop (Niederländisch)
- Odilon Redon (Französisch)
- Paul Signac (Französisch)
- Isidore Verheyden (Mitglied von 1884-1888)
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