Asgard (altnordisch: Ásgarðr - "Einschließung des Æsir; Hof der Ás") ist eines der Neun Reiche in der nordischen Mythologie, Heimat des als Æsir bekannten Götterstammes. Asgard liegt an der Spitze der höchsten Äste von Yggdrasill, und das Einzige, was Asgard mit Midgard verbindet, ist die mystische Regenbogenbrücke Bifröst.
Im Zentrum von Asgard liegt das großzügige Feld von Iðavöllr; dort treffen sich die Æsir, um zu schlemmen, zu feiern und wichtige Fragen zu besprechen. Die männlichen Götter treffen sich in einer Halle namens Glaðsheimr, die Göttinnen in der Halle Vingólf. Glaðsheimr wird in der Grímnismál (ein Gedicht der poetischen Edda) erwähnt; dort und in anderen Quellen erscheint auch Walhalla als ein zentrales Gottes- bzw. Kriegerheiligtum innerhalb Asgards.
Lage, Name und Bedeutung
Der Name Asgard bedeutet wörtlich "Umzäunung/Wehr der Asen" und betont den Aspekt einer geschützten, befestigten Wohnstätte der Götter. In der mythologischen Kosmologie sitzt Asgard hoch über der Welt der Menschen (Midgard) und ist durch Bifröst erreichbar, die Regenbogenbrücke, die Wächter wie Heimdallr bewachen. Asgard symbolisiert in vielen Überlieferungen eine Art göttliche Residenz und Gerichts- sowie Versammlungsort der höchsten Mächte.
Bewohner und Gesellschaft
In Asgard leben vor allem die Æsir — eine Gruppe von Göttern, zu denen wichtige Gestalten wie Odin, Frigg, Thor, Baldr, Tyr oder Heimdallr zählen. Daneben existieren die Vanir, ein anderer Götterstamm (Freyja, Freyr u. a.), mit denen es einst Krieg und später einen Göttertausch und Versöhnung gab. Die Gesellschaft Asgards ist hierarchisch organisiert: Odin als Anführer, verschiedene Götter mit eigenen Zuständigkeiten und ein Gefolge von mythischen Wesen (Walküren, Einherjer in Walhalla, gelegentlich Riesen oder Zwerge als Handwerker).
Bauten, Orte und Mythen
- Iðavöllr – das Versammlungsfeld in der Mitte Asgards, das auch als Ort für Ratssitzungen und Neugründungen nach Katastrophen dient.
- Glaðsheimr und Vingólf – große Hallen der Götter; Glaðsheimr wird mit den männlichen Versammlungen in Verbindung gebracht, Vingólf mit den Göttinnen.
- Walhalla – Odins Halle für die gefallenen Krieger (Einherjer), ein Ort des Kampftrainings und der Ehrerbietung; in den Eddaliedern und bei Snorri wird Walhalla als Teil der asgardischen Landschaft geschildert.
- Die Ringmauer von Asgard – Snorri Sturluson berichtet in der Prosa-Edda von einem Riesenbauern, der die Schutzmauern Asgards errichten sollte; als dessen Arbeit durch List (Loki als Stute, die sein Pferd ablenkt) vereitelt wurde, enthüllte sich der Arbeiter als Riese und wurde von Thor getötet. Solche Erzählungen zeigen Asgard auch als umkämpften und schützenswerten Raum.
Quellen und Überlieferung
Unser Wissen über Asgard stammt vor allem aus den altnordischen Quellen: der Poetischen Edda (Gedichte wie Grímnismál) und der Prosa-Edda von Snorri Sturluson. Diese Texte liefern wechselnde, manchmal widersprüchliche Beschreibungen — etwa, ob bestimmte Hallen zu Glaðsheimr gehören oder separat zu betrachten sind — und wurden durch mündliche Traditionen geformt.
Ragnarök und das Ende/Neubeginn
Asgard spielt eine zentrale Rolle in der Endzeitvorstellung der nordischen Mythologie, dem Ragnarök. Bei diesem Weltuntergang kämpfen die Götter gegen Riesen, Monster und andere Mächte – viele Götter sterben. Den Überlieferungen zufolge überleben einige Götter und sammeln sich danach wieder auf Iðavöllr, um die Welt neu aufzubauen und eine neue Ordnung zu begründen. So bleibt Asgard nicht nur ein Ort kosmischer Herrschaft, sondern auch ein Symbol für Wiederherstellung und Fortbestand.
Wirkung und Deutung
Asgard hat bis heute kulturelle Strahlkraft: in Kunst, Literatur und moderner Popkultur erscheint es als archetypische Götterresidenz. Wissenschaftlich wird Asgard sowohl als religiös-mythischer Raum untersucht als auch im Hinblick auf seine Funktion innerhalb der nordischen Weltordnung: Schutz, Versammlung, Gericht und göttliche Machtprojektion.