Astarte/Ashtoreth, auch Athtart, Ashtoreth oder Ashtart geschrieben, ist eine der wichtigsten Göttinnen des antiken Vorderen Orients. In den biblischen Texten wird ihr Kult kritisiert: den Israeliten zufolge brachten manche Menschen der Göttin Opfergaben und Trankopfer dar (vgl. Jeremia 44). Astarte verbindet Aspekte von Krieg, Liebe, Fruchtbarkeit und Himmelserscheinungen und teilt viele Eigenschaften mit der kanaanäischen Göttin Anat; manche Forschenden vermuten, dass die beiden ursprünglich eng miteinander verknüpft oder sogar als zwei Aspekte einer Gottheit betrachtet wurden. Aus der Verbindung von Namen und Mythen entwickelte sich später u. a. die aramäische Kultgestalt Atargatis Namen und sprachliche Hinweise
Der Name Astarte steht in semitischen Sprachen in engem Zusammenhang mit dem akkadischen Ischtar (Ishtar) — beides sind Formen einer altorientalischen Venus- bzw. Göttinnen-Tradition. Im Hebräischen tritt die Form Ashtaroth (Plural) auf und wurde dort häufig verächtlich gebraucht, um „Göttinnen“ oder allgemein „Heidentum“ zu bezeichnen. Manche hebräischen Texte kombinieren den Namen mit dem Wort boshet („Schande“), was als bewusste Polemik gegen den Kult verstanden wird.
Verbreitung und Kultzentren
Astarte wurde in breiten Teilen des östlichen Mittelmeerraums verehrt: in Kanaan (u. a. Tyrus, Sidon, Elat), in Ugarit, in Ägypten und bei den Hethitern. Als Meereshäfen wie Tyrus und Sidon bedeutende Handelszentren waren, verbreiteten sich Bild- und Kultformen über das Mittelmeer. Der Kult umfasste Opfergaben, Rauchopfer, Trankopfer und das Widmen von Votivgaben; in Texten und archäologischen Funden treten häufig kleine Votivstatuetten auf. Angaben zu kultischen Praktiken — etwa die Vorstellung von „sakraler Prostitution“ — sind in der Forschung umstritten und müssen vorsichtig beurteilt werden, weil sie in antiken Quellen oft polemisch überzeichnet erscheinen.
Ikonographie und Attribute
In der Darstellung erscheint Astarte oft als weibliche Gestalt mit Symbolen der Fruchtbarkeit und Macht: Sterne (die Venus), Löwen oder Pferde, Tauben und manchmal auch ein Hornhelm. In ägyptischen Kontexten wurde sie mit Merkmalen ägyptischer Göttinnen wie Hathor oder Isis verbunden, was zu hybriden Darstellungen führen konnte. Die Verbindung mit dem Planeten Venus (Morgen- und Abendstern) betont ihre Rolle als Liebes- und Himmelsgöttin.
Synkretismus und Rezeption
Astarte wurde im Laufe der Jahrhunderte mit verschiedenen lokalen Gottheiten gleichgesetzt oder verschmolzen: im akkadischen Gebiet mit Ischtar, in Ägypten mit Isis und Hathor, und in der griechisch-römischen Welt fand man Parallelen zu Aphrodite, Artemis und Juno. Solche Identifizierungen sind Ausdruck kulturellen Austauschs, ersetzen aber nicht notwendigerweise eine ursprünglich gemeinsame Identität — jede Kultur passte Attribute der Göttin an eigene Vorstellungen an.
Beurteilung in der Bibel und in der Forschung
Die Hebräische Bibel nennt Astarte/Ashtoreth mehrfach in kritischem Ton; der Begriff wurde Teil religiöser Auseinandersetzungen zwischen Jahwe-Verehrern und lokalen heidnischen Kulten. Archäologie und altorientalische Texte (z. B. Ugaritische Tafeln) erlauben heute ein differenzierteres Bild: Astarte war weder nur „Sexualgöttin“ noch nur „Kriegsgöttin“, sondern eine vielschichtige Kultgestalt mit regional unterschiedlichen Ausprägungen.
Kurz gesagt: Astarte ist eine zentrale Göttin der spätbronze- und eisenzeitlichen Kultlandschaft östlich des Mittelmeers, deren Bild in vielen Kulturen adaptiert und weiterentwickelt wurde. In späteren Quellen wurde sie mit ägyptischen Gottheiten wie Isis assoziiert, was aber synkretische Gleichsetzungen widerspiegelt und nicht bedeutet, dass sie historisch „Schwester“ von Isis gewesen wäre.