Achilles (altgriechisch: Ἀχιλλεύς, Akhilleus) war ein Held des Trojanischen Krieges und ist die zentrale Figur in Homers Ilias. Als Sohn des sterblichen Helden Peleus und der Nereide Thetis ist er der Anführer der Myrmidonen und wird als der größte aller achäischen Krieger bezeichnet. Die Ilias, die im neunten Jahr des Trojanischen Krieges spielt, beginnt mit einem Streit zwischen Achilles und Agamemnon, dem Befehlshaber der griechischen Streitkräfte.
Achilles' bemerkenswerteste Leistung während des Trojanischen Krieges war die Ermordung des trojanischen Prinzen Hektor vor den Toren Trojas als Rache an Hektor für die Ermordung seines Gefährten Patroklos. Während Achilles' Tod in der Ilias nicht dargestellt wird (da das Gedicht mit Hektors Begräbnis endet), stimmen andere Quellen darin überein, dass er gegen Ende des Krieges von Paris getötet wurde, das ihm mit einem Pfeil in die Ferse schoss.
Legende und Herkunft
Der Mythos um Achilles ist reich an Varianten. Als Sohn eines sterblichen Vaters und einer Meeresgöttin steht er zwischen Menschlichem und Göttlichem. Nach einer verbreiteten Erzählung tauchte seine Mutter Thetis ihn als Säugling in den Fluss Styx, um ihn unverwundbar zu machen; dabei blieb jedoch seine Ferse, an der sie ihn festhielt, verwundbar. Andere Versionen berichten, Thetis habe ihn mit Ambrosia gesalbt oder ihn dem weisen Zentauren Chiron zur Erziehung übergeben, der ihm Kampf- und Kulturtechniken beibrachte. Diese verschiedenen Varianten erklären die später gebräuchliche Redewendung Achillesferse als Synonym für eine einzige, aber fatale Schwachstelle.
Rolle in der Ilias und Charakter
In der Ilias steht nicht nur Achilles' Kriegstüchtigkeit, sondern vor allem seine Wut (griechisch: menis) im Mittelpunkt. Sein Streit mit Agamemnon über die Kriegsbeute führt dazu, dass Achilles sich zurückzieht und die Griechen ohne ihren besten Kämpfer schwere Verluste erleiden. Die Handlung zeigt die psychologischen und sozialen Folgen von Stolz, Ehre und Zorn.
Besonders wichtig ist die Beziehung zu seinem Gefährten Patroklos, dessen Tod Achilles zur Rückkehr in die Schlacht und zur blutigen Rache an Hektor treibt. Nach dem Töten Hektors schändet Achilles dessen Leichnam und zieht ihn hinter seinem Streitwagen um die Mauern Trojas, bis die Götter und das Mitgefühl der Troer schließlich die Rückgabe des Leichnams und ein Begräbnis ermöglichen.
Rüstung und Tod
Eine berühmte Episode ist die Herstellung einer neuen Rüstung für Achilles durch den Schmiedegott Hephaistos, nachdem Hektor die alte Rüstung Patroklos' getragen hatte. Die Beschreibung der Rüstung in der Ilias gehört zu den poetisch eindrucksvollsten Passagen der antiken Dichtung.
Der Tod des Achilles wird in späteren Epen und Legenden behandelt: Mehrfach heißt es, Paris habe ihn mit einem Pfeil getötet, der von Apollo gelenkt wurde, und der Pfeil habe die verwundbare Ferse getroffen. Diese Darstellung ist nicht Teil der Homerischen Ilias, gehört aber zur späteren trojanischen Überlieferung.
Bestattung, Kult und Nachwirkung
In antiken Quellen existieren verschiedene Angaben zu Achilles' Grab: Orte wie die Insel Leuke (im Schwarzen Meer), Phthia oder nahe Troja werden genannt. In vielen griechischen Städten pflegte man einen Heldenkult für Achilles; er wurde als vorbildlicher Krieger und zugleich als tragische Figur verehrt.
Kulturelles Erbe
- Sprache: Der Begriff Achillesferse ist in vielen Sprachen zum geflügelten Wort geworden und bezeichnet eine entscheidende Schwachstelle.
- Literatur und Kunst: Achilles ist seit der Antike ein beliebtes Thema in Dichtung, Malerei und Skulptur — von antiken Vasenbildern über mittelalterliche Epen bis zu modernen Romanen und Filmen.
- Moderne Rezeption: Sein Konflikt zwischen persönlicher Ehre und kollektiver Verantwortung, seine Intensität und sein tragisches Schicksal machen ihn zu einer dauerhaften Quelle für Interpretation und Adaption.
Zusammengefasst ist Achilles eine komplexe Figur: ein nahezu übermenschlicher Krieger, dessen persönliche Leidenschaften und Schwächen zentrale Motive der Literaturgeschichte bilden und bis heute nachwirken.

