Pandia (griechisch: ΠανδίαΠανδεία, Aussprache etwa /panˈdi.a/) bedeutet wörtlich „alle Helligkeit“ oder „all‑hell“. In der griechischen Mythologie wird Pandia als Tochter des Zeus und der Mondgöttin Selene genannt und gilt in manchen Quellen als Personifikation des Vollmondes.

Name und Bedeutung

Der Name Pandia setzt sich vermutlich aus den Elementen pan („alles“) und dia (im Sinne von „Glanz, Helligkeit“) zusammen und drückt damit das Bild einer besonderen, voll leuchtenden Mondgestalt aus. Sprachlich ist Pandia eng verbunden mit Epitheta, die Selene oder anderen lunaren Gottheiten beigelegt wurden, etwa im Sinne „die ganz Helle“.

Mythologische Überlieferung

Die wichtigste frühgriechische Quelle für Pandia ist der homerische Hymnus an Selene. Dort heißt es in der Überlieferung sinngemäß: „Einst war der Sohn des Kronos [Zeus] mit ihr [Selene] in Liebe vereint; und sie gebar eine Tochter Pandia, die unter den unsterblichen Göttern überaus lieblich war.“ Aus solchen Texten geht hervor, dass Pandia spätestens in der späten homerischen Dichtung als eigenständige Tochter von Zeus und Selene auftaucht.

Es gibt allerdings Hinweise, dass Pandia ursprünglich als Beiname oder Aspekt von Selene verstanden wurde und erst später – durch dichterische oder lokale Traditionen – eine eigenständige Gestalt erhielt. In der literarischen Überlieferung selbst spielt Pandia kaum eine eigene Rolle; sie erscheint überwiegend als Namensfigur oder als Referenz in scholastischen und inschriftlichen Quellen.

Kult und das athenische Fest Pandia

In Athen war ein Fest namens Pandia bezeugt. Die genauen Inhalte und Ursprünge dieses Festes sind in den Quellen nicht vollständig geklärt: Manche Hinweise deuten darauf hin, dass das Fest mit dem Vollmond zusammenhängen und in Verbindung zu Zeus gestanden haben könnte. Durch diese Verbindung wurde die Gestalt Pandias manchmal mit dem Fest in Zusammenhang gebracht – entweder als Namensgeberin oder als mythologische Figur, die den Vollmond verkörpert.

Eine athenische Tradition machte Pandia außerdem zur Gemahlin des Antiochus, des mythischen Stammvaters des Phylos Antiochis (einer der attischen Stämme). Solche lokalmythischen Verknüpfungen zeigen, wie Gottheiten und mythische Personen in der attischen Kultur häufig miteinander verflochten wurden, um Herkunfts‑ und Kultzusammenhänge zu erklären.

Deutung und Forschung

Die moderne Forschung diskutiert vor allem, ob Pandia als eigenständige Mondgöttin zu werten ist oder ob es sich überwiegend um einen Epitheton oder eine Personifikation des Vollmondes handelt. Argumente für eine ursprüngliche Epitheton‑Gestalt beruhen auf der Bedeutung des Namens und auf Hinweisen, Selene als übergeordneten lunares Prinzip darzustellen. Gegen eine rein epithetonale Erklärung spricht, dass Pandia bereits in frühgriechischen Texten als Tochter von Selene erscheint und in attischen Traditionen eine eigene Rolle bekommt.

Ikonographische Belege für Pandia sind rar; sie tritt kaum als eigenständige Figur in der bildenden Kunst hervor. Die Erwähnung in Dichtungen, scholastischen Kommentaren und lokalen Traditionen macht sie jedoch zu einem interessanten Beispiel dafür, wie sich in der griechischen Religion personifizierte Himmelskörper zwischen Epitheton und eigenständiger Gottheit bewegen konnten.

Zusammenfassung: Pandia ist eine eher randständige, aber kulturhistorisch relevante Figur der griechischen Mythologie: linguistisch „die ganz Helle“, in Texten die Tochter von Zeus und Selene und möglicherweise die Personifikation des Vollmondes. Ihr Name und das zugehörige Fest Pandia in Athen zeigen Verknüpfungen zwischen mythologischer Benennung und religiöser Praxis, auch wenn viele Details heute unsicher bleiben und Gegenstand wissenschaftlicher Debatten sind.