Die Pasiphaë-Gruppe ist eine Gruppe rückläufiger, nicht-sphärischer Jupitermonde, die ähnlichen Bahnen wie Pasiphaë folgen und von denen man annimmt, dass sie einen gemeinsamen Ursprung haben. Retrograd bedeutet, dass diese Monde sich in entgegengesetzter Richtung zur Rotation des Jupiter bewegen.
Ihre Halbgroßachsen (Entfernungen vom Jupiter) liegen zwischen 22.800.000 und 24.100.000 km (die gleiche Reichweite wie die der Carme-Gruppe), ihre Neigungen zwischen 144,5° und 158,3° und ihre Exzentrizitäten zwischen 0,25 und 0,43. Damit haben die Bahnparameter dieser Monde große Exzentrizitäten und geneigte, stark rückläufige Bahnen, was sie deutlich von den regelmäßigen (prograd umlaufenden) Satelliten unterscheidet.
Ursprung und Dynamik
Die gängige Erklärung für die Entstehung der Gruppe ist, dass einst ein größerer Körper in eine retrograde Umlaufbahn um Jupiter eingefangen wurde und später durch einen Einschlag zerbrach. Die Bruchstücke bildeten dann die heute beobachteten kleinen Monde. Alternative Szenarien sehen mehrere unabhängige Einfangereignisse vor; die tatsächliche Geschichte kann komplex sein, da einige Mitglieder unterschiedliche physikalische Eigenschaften aufweisen, die auf mehrere Ursprünge hindeuten könnten.
Die Gruppenmitgliedschaft wird hauptsächlich dynamisch definiert (ähnliche Halbgroßachse, Neigung und Exzentrizität). Die Grenzen der Gruppe sind jedoch nicht scharf: Bahnelemente ändern sich durch gravitative Störungen (u. a. durch den Einfluss der Sonne und anderer Planeten) und durch beobachtungsbedingte Unsicherheiten, sodass die Zuordnung einzelner Monde im Lauf der Zeit überarbeitet werden kann.
Physikalische Eigenschaften
Die meisten Mitglieder der Pasiphaë-Gruppe sind klein und unregelmäßig geformt. Ihre Durchmesser liegen typischerweise im Bereich von wenigen Kilometern bis zu einigen Dutzend Kilometern (Pasiphaë ist das größte Mitglied). Die Oberflächen sind dunkel und ihre Farben variieren von neutral-grau bis rötlich. Diese Farbunterschiede deuten darauf hin, dass die ursprünglichen Materialien nicht in allen Fällen exakt gleich sind — ein Hinweis darauf, dass nicht alle Objekte zwingend aus einem einzigen Urkörper stammen müssen.
Wegen ihrer großen Entfernung vom Jupiter und ihrer geringen Größe sind diese Monde lichtschwach; die Beobachtung erfordert leistungsfähige Teleskope und präzise Bahnbestimmung. Kleinere Mitglieder wurden daher erst in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren entdeckt, während die größeren Monde wie Pasiphae und Sinope schon früher bekannt sind.
Kernmitglieder
Zu den Kernmitgliedern der Gruppe gehören (von den größten bis zu den kleinsten):
Einige dieser Monde, insbesondere Sinope, zeigen leicht abweichende Farben und Bahnelemente, weshalb in der Fachliteratur diskutiert wird, ob sie wirklich Bruchstücke desselben Urkörpers sind oder ob es sich um separat eingefangene Objekte handelt.
Beziehung zu anderen Mondgruppen
Obwohl die Pasiphaë-Gruppe in der gleichen Halbgroßachsen-Region liegt wie die Carme-Gruppe, unterscheiden sich die beiden Gruppen deutlich in der mittleren Bahnneigung und in anderen Bahnparametern. Daneben gibt es weitere retrograde Gruppen wie die Ananke-Gruppe; das Studium dieser Gruppen hilft, die Geschichte des Einfangens und der Kollisionen im Jupitersystem besser zu verstehen.
Namen und Benennung
Die Internationale Astronomische Union (IAU) reserviert Namen mit der Endung -e für alle retrograden Monde, einschließlich der Mitglieder dieser Gruppe. Viele der Namen stammen aus der griechischen Mythologie und wurden nach Bestätigung und Nummerierung der Satelliten vergeben.
Bedeutung für die Forschung
Die Pasiphaë-Gruppe liefert wichtige Hinweise auf dynamische Prozesse in Planetensystemen: Einfangmechanismen, Kollisionen und die langfristige Stabilität von Satelliten. Durch weitergehende Beobachtungen (Spektren, Lichtkurven) und numerische Bahnsimulationen versuchen Astronomen, Herkunft, Zusammensetzung und das Alter dieser kleinen, retrograden Monde genauer zu bestimmen.
Da neue Beobachtungen und Bahnberechnungen weiterhin stattfinden, kann sich die Liste der zugehörigen Objekte ändern. Die Erforschung dieser fernen, kleinen Monde bleibt ein aktives Feld in der Planetenastronomie.



