Random-Walk-Hypothese: Definition der Konsum- und Erwartungstheorie
Random-Walk-Hypothese: Konsum- und Erwartungstheorie erklärt, wie rationale Erwartungen und dauerhaftes Einkommen Konsumentscheidungen formen und Konsumänderungen unvorhersehbar bleiben.
Die Random-Walk-Hypothese wurde von Robert E. Hall formuliert (bekanntes Papier: „Stochastic Implications of the Life Cycle‑Permanent Income Hypothesis: Theory and Evidence“, 1978) und verbindet die neoklassische Konsumtheorie mit der Erwartungstheorie der Makroökonomie. Sie bietet eine einfache Erklärung dafür, wie sich Konsumenten entscheiden und wie sich der aggregierte Konsum über die Zeit verhält.
Grundgedanke und theoretische Herkunft
Die Hypothese baut auf zwei wichtigen Vorläufern auf: der Hypothese des dauerhaften Einkommens von Milton Friedman und der These der rationalen Erwartungen (u. a. Lucas). Aus diesen Annahmen folgt, dass Individuen versuchen, ihren Nutzen über die Zeit zu maximieren, alle verfügbaren Informationen vernünftig nutzen und ihren Konsum so glätten, dass nur unvorhersehbare Schocks zu Konsumänderungen führen.
Wesentliche Annahmen
- Rationale Erwartungen: Konsumenten bilden erwartungstreue Vorhersagen über zukünftige Einkommen und Preise und nutzen dabei alle verfügbaren Informationen.
- Permanent‑Income/Intertemporale Optimierung: Konsum richtet sich nach dem erwarteten Barwert des lebenslangen Einkommens (permanentes Einkommen), nicht nur nach dem aktuellen Einkommen.
- Vereinfacht: quadratische Nutzenfunktion oder lineare marginale Nutzenannahme: Dadurch wird die analytische Herleitung einfacher und der Konsum ist proportional zu den erwarteten Ressourcen.
- Keine oder nur geringe Liquiditätsbeschränkungen, vollständige Märkte: Haushalte können frei über die Zeit glätten.
Formulierung (vereinfachte, zentrale Implikation)
Unter den genannten Annahmen ergibt sich für den Konsum c_t die Beziehung
E_t[c_{t+1}] = c_t,
das heißt: die erwartete Konsumniveau der nächsten Periode ist gleich dem heutigen Konsum. Alternativ formuliert: die Konsumänderung ist ein weißes Rauschen
Δc_{t+1} = c_{t+1} − c_t = ε_{t+1},
wobei ε_{t+1} ein unerwarteter (nicht vorhersagbarer) Schock ist. Deshalb wird vom „Random Walk“ gesprochen: Konsum folgt einem stochastischen Prozess, dessen Veränderungen zufällig sind.
Empirische Implikationen und Tests
- Regressionsprüfung: Man testet oft Regressionsgleichungen wie Δc_{t+1} auf erklärende Variablen (z. B. vorhersehbares Einkommen). Die Random‑Walk‑Hypothese sagt voraus, dass solche Variablen keine systematische Erklärung liefern (keine Vorhersagbarkeit).
- Unterschiede zwischen Makro‑ und Mikrobelegen: Aggregate Daten liefern teilweise bestätigende Befunde, viele Mikrostudien zeigen aber Vorhersagbarkeit des Konsums — Hinweis auf Liquiditätsbeschränkungen, Vorsichtssparen oder Präferenzen mit Gewohnheitseffekten.
Kritik und Erweiterungen
Die Random‑Walk‑Hypothese ist theoretisch elegant, aber in der Praxis nicht uneingeschränkt bestätigt. Wichtige Kritikpunkte und Erweiterungen:
- Liquiditätsbeschränkungen: Wenn Haushalte keinen Zugang zu Krediten haben, können sie ihren Konsum nicht vollständig über die Zeit glätten; vorhersehbares Einkommen beeinflusst dann den Konsum.
- Vorsichts‑/Unsicherheitspräferenzen: Unsicherheit über Zukunft kann zu Vorsichtssparen führen und Konsumbewegungen vorhersehbarer machen.
- Habit formation / Gewohnheitseffekte: Konsumenten können gewohnheitsabhängig reagieren, wodurch Konsum glatter und vergangenheitsabhängig wird.
- Unvollständige Märkte und heterogeneous Agenten: Unterschiedliche Liquiditätslagen und Präferenzen führen zu Abweichungen vom Random‑Walk‑Benchmark.
- Messfehler: Messfehler in Einkommens‑ oder Konsumdaten können Tests verzerren und fälschlich Ablehnungen oder Bestätigungen der Theorie anzeigen.
Praktische Konsequenzen
Ökonomisch hat die Hypothese Bedeutung für die Politikbewertung: Wenn Konsum wirklich nur auf unerwartete Schocks reagiert, dann haben vorhersehbare Steueränderungen oder zeitlich bekannte Transfers nur begrenzte Wirkung auf kurzfristigen Konsum. Andererseits würden dauerhafte Einkommensänderungen (z. B. permanente Steuerabsenkung) den Konsum stärker beeinflussen.
Kurzes Beispiel
Angenommen ein Haushalt hat heute Konsum c_t = 100. Nach der Random‑Walk‑Hypothese ist die beste Schätzung für c_{t+1} ebenfalls 100; nur ein unerwarteter Ereignisschock (z. B. plötzliche Arbeitsplatzverlust oder ein unerwarteter Geldsegen) kann den Konsum tatsächlich verändern. Erwartbare Ereignisse (z. B. bekannt gegebene zukünftige Steuererhöhung) sollten bereits in c_t berücksichtigt sein und daher keinen zusätzlichen vorhersehbaren Effekt auf c_{t+1} haben.
Zusammenfassend: Die Random‑Walk‑Hypothese liefert ein klares Benchmarkmodell der Konsumentscheidung unter rationalen Erwartungen und dauerhaftem Einkommen. Sie ist nützlich zur Ableitung von testbaren Implikationen, aber reale Beschränkungen (Liquidität, Präferenzen, Marktunvollkommenheiten und Messprobleme) führen dazu, dass die Hypothese in der empirischen Anwendung oft nur teilweise zutrifft.
Fragen und Antworten
F: Was ist die Random-Walk-Hypothese?
A: Die Random-Walk-Hypothese ist eine Finanztheorie, die behauptet, dass sich Börsenkurse zufällig verändern und nicht vorhergesagt werden können.
F: Wem wird die Entwicklung der Random-Walk-Hypothese zugeschrieben?
A: Das Konzept geht auf den französischen Börsenmakler Jules Regnault zurück, der 1863 ein Buch veröffentlichte, sowie auf den französischen Mathematiker Louis Bachelier, der sich in seiner Dissertation "The Theory of Speculation" (1900) zu diesem Thema äußerte.
F: Wer hat 1964 ein Buch über den Zufallscharakter von Börsenkursen geschrieben?
A: Der MIT Sloan School of Management Professor Paul Cootner schrieb 1964 ein Buch mit dem Titel "The Random Character of Stock Market Prices".
F: Wie heißt das Buch von Burton Malkiel aus dem Jahr 1973, das den Begriff "Random Walk" populär machte?
A: Das Buch von Burton Malkiel aus dem Jahr 1973 trug den Titel "A Random Walk Down Wall Street".
F: Wann wurde die Theorie, dass sich Aktienkurse zufällig bewegen, erstmals aufgestellt?
A: Die Theorie, dass sich die Aktienkurse zufällig bewegen, wurde erstmals 1953 von Maurice Kendall in seinem Werk "The Analysis of Economic Time Series, Part 1: Preise".
F: Wann wurde Eugene Fama's Artikel "Random Walks In Stock Market Prices" veröffentlicht?
A: Eugene Fama's Artikel "Random Walks In Stock Market Prices" wurde 1965 veröffentlicht.
F: Was besagt die Random-Walk-Hypothese über die Börsenkurse?
A: Die Random-Walk-Hypothese besagt, dass sich die Börsenkurse auf eine zufällige Art und Weise ändern, die nicht vorhergesagt werden kann.
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