Reginald Grey, 3. Baron Grey de Ruthyn (um 1362 – 30. September 1440), war ein einflussreicher englischer Marschherr an der Grenze zu Wales. Er entstammte der anglonormannischen Familie Grey und hatte seinen Sitz in Ruthin (Denbighshire). Nach dem Tod seines Vaters im Juli 1388 erbte er den Titel und die damit verbundenen Besitzungen und Rechte als Baron von Ruthyn. In dieser Rolle nahm er eine Schlüsselstellung in der Verwaltung und Verteidigung der Nordmarsch (northern Marches) ein: Er war verantwortlich für die Eintreibung königlicher Forderungen, für die Einberufung des örtlichen Adels sowie ihrer Gefolgsleute zum königlichen und militärischen Dienst und für die Aufrechterhaltung der Ordnung an der Grenze.

Konflikt mit Owain Glyndŵr

Reginald Grey geriet in einen langwierigen Rechtsstreit mit dem walisischen Landbesitzer Owain Glyndŵr, in dessen Zentrum Gebietsansprüche in Nordost-Wales standen. Grey beanspruchte Teile von Glyndŵrs Besitz als sein Eigentum; unter König Richard II. wurde der Fall zunächst zugunsten Glyndŵr entschieden. Mit dem Thronwechsel und der Herrschaft von Heinrich IV. änderte sich die politische Situation zugunsten der baronialen Ansprüche, und Grey konnte Teile der strittigen Ländereien für sich sichern. Die Rechtsstreitigkeiten, Verdächtigungen wegen unfairer Praktiken und persönliche Feindschaft zwischen Grey und Glyndŵr trugen wesentlich zur Radikalisierung der Lage bei und gehören zu den wichtigen Ursachen für den Ausbruch der walisischen Erhebung von Glyndŵr im Jahr 1400.

Militärische Rolle und Aktionen während der Rebellion

Als Marschherr führte Grey während der Glyndŵr-Erhebung Truppen gegen die aufständischen Waliser. Seine Aufgaben umfassten die Organisation von Patrouillen, die Sicherung von Grenzfestungen und die Durchführung von Strafexpeditionen gegen Rebellenstützpunkte. Die Rebellion richtete sich auch gegen Grays Besitzungen und seine Herrschaftsrechte, und viele seiner Güter in der Region wurden angegriffen oder zerstört. Grey war dabei Teil der breiteren englischen Militärreaktion, die versuchte, Aufstände zu unterdrücken und die Kontrolle in den Marches wiederherzustellen. Trotz königlicher Unterstützung gelang es den englischen Kräften nicht sofort, den Aufstand vollständig zu brechen; die Kämpfe zogen sich über mehrere Jahre hin und belasteten die Region schwer.

Späteres Leben und Nachwirkung

Reginald Grey blieb bis ins hohe Alter eine prägende Figur an der walisisch-englischen Grenze. Sein Konflikt mit Glyndŵr hat in der walisischen Erinnerung eine besondere Bedeutung: Grey wird oft als Symbol für die Unterdrückung durch die Marcher und für die Streitigkeiten über Landrechte gesehen, die zur nationalen Erhebung beitrugen. Er starb am 30. September 1440. Sein Leben und Wirken veranschaulichen die Spannungen zwischen lokalem Adel, königlicher Autorität und der walisischen Bevölkerung in den Grenzgebieten des spätmittelalterlichen England und Wales.