Erweckung: Definition, Bedeutungen und historische Formen – Begriffsklärung

Erweckung: Klar definierte Begriffe, vielfältige Bedeutungen und historische Formen erklärt. Verständliche Begriffsklärung für Theologie, Kultur und Geschichte.

Autor: Leandro Alegsa

Erweckung könnte bedeuten:

  • Wörtliches Aufwachen – das Erwachen aus Schlaf oder einem dösend‑traurigen Zustand;
  • Persönliches Erweckungserlebnis – eine plötzliche innere Wandlung, Einsicht oder Umkehr;
  • Religiöse Erweckungsbewegung – kollektive geistliche Erneuerung mit intensiven Gefühlen, Bekehrungen und oft öffentlichen Versammlungen;
  • Metaphorische oder gesellschaftliche Erweckung – Bewusstwerdung in politischer, kultureller oder sozialer Hinsicht (z. B. nationale oder soziale „Erweckung“);
  • Frühjahrs‑Erweckung der Natur – das Wiedererwachen von Pflanzen‑ und Tierwelt nach dem Winter.

Was bedeutet „Erweckung“ genau?

Im Kern beschreibt „Erweckung“ einen Übergang von einem Zustand geringer Wahrnehmung, Teilnahmslosigkeit oder Säkularität zu gesteigerter Aufmerksamkeit, Gefühlsintensität oder religiöser Vitalität. Je nach Zusammenhang kann der Begriff sehr individuell (ein persönliches Bekehrungserlebnis) oder kollektiv (eine ganze Bewegung) verstanden werden.

Religiöse Erweckung: Merkmale und Formen

  • Individuelle Erweckung: Tiefgreifende persönliche Erfahrung, oft verbunden mit Reue, Gnadeerleben oder Entscheidungsumkehr (Bekehrung).
  • Gemeinschaftliche Erweckung: Öffentliche Versammlungen, Revival‑Meetings, Lobpreis, Zeugnisse und häufig eine hohe Zahl an Bekehrungen.
  • Organisationale Folgen: Gründung neuer Gemeinden oder Bewegungen, Erneuerung bestehender Institutionen, verstärkte Sozialarbeit oder Missionsarbeit.
  • Charakteristische Elemente: starke Emotionen, Betonung persönlicher Erfahrung, charismatische Prediger/Leiter, spontane Gebets‑ und Lobpreisformen.

Historische Beispiele

  • Pietismus (17.–18. Jh., Deutschland): Betonung persönlicher Frömmigkeit, Bibelstudium und innere Erneuerung; Wegbereiter späterer Erweckungsbewegungen.
  • Herrnhuter Brüdergemeine (18. Jh.): Gemeinschaftsfrömmigkeit und Mission, geprägt durch das Erweckungserleben der Moravianer.
  • Great Awakening (18. Jh., Großbritannien/Nordamerika): Wellen religiöser Erweckung mit Predigern wie Jonathan Edwards und George Whitefield; führte zu Massenbekehrungen und neuen Gemeindestrukturen.
  • Erweckungsbewegungen im 19. Jh. (Europa und USA): oft verbunden mit sozialer Reform (Abolitionismus, Temperenzbewegung) und Missionsaktivitäten.
  • Welsh Revival (1904–1905): Intensive Erweckung in Wales mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Auswirkungen.
  • Azusa Street Revival (1906, Los Angeles): Beginn der Pfingstbewegung mit betonter charismatischer Praxis.

Ursachen und Auslöser

  • Soziale Krisen, wirtschaftliche Notlagen oder Kriege können Menschen empfänglicher machen für intensive geistliche Erfahrungen.
  • Charismatische Leiter und neue Predigtstile (z. B. Gefühlsansprache) wirken als Katalysatoren.
  • Kommunikative Mittel und Formen (Reisetätigkeit von Predigern, später Medien) fördern die Ausbreitung.

Wirkungen und Kontroversen

  • Positive Effekte: religiöse Erneuerung, soziale Reformen, vermehrtes Engagement in Bildung und Wohlfahrt.
  • Risiken und Kritik: Vorwürfe von Emotionstheatern, Kurzlebigkeit mancher Bewegungen, Spaltungen innerhalb von Kirchen oder Entstehung neuer Sekten.

„Erweckung“ außerhalb des Religiösen

Der Begriff wird auch in säkularer Bedeutung verwendet, z. B. für das plötzliche Bewusstwerden politischer oder kultureller Missstände («politische Erweckung»), für psychologische Einsichten (Selbst‑ oder Sinneserweckung) oder ganz banal für das Erwachen der Natur im Frühling.

Wie verwendet man das Wort heute?

  • Im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet „Erweckung“ meist historische Bewegungen oder aktuelle revivalartige Ereignisse.
  • In Alltagssprache kann es bildhaft für jede Form starken Erwachens stehen („eine Erweckung des Bewusstseins“).
  • Vorsicht bei Übersetzungen: Das englische «awakening» und das moderne politische „woke“ haben Überschneidungen, sind aber nicht deckungsgleich mit dem religiösen deutschen Begriff „Erweckung“.

Kurz zusammengefasst

Erweckung ist ein vieldeutiger Begriff: Er reicht vom einfachen Aufwachen über persönliche Umkehrserlebnisse bis zu großen religiösen oder gesellschaftlichen Erneuerungsbewegungen. Entscheidend sind dabei jeweils Kontext, Auslöser, Form und Folgen — von innerer Wandlung bis zu umfassenden sozialen Veränderungen.



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