Bildschirmrisse (Screen Tearing): Ursachen, Erkennung und Lösungen
Bildschirmrisse (Screen Tearing) verstehen: Ursachen, Erkennung und praxisnahe Lösungen mit VSync, FreeSync & G-Sync — schnell beheben für flüssige Bilddarstellung.
Bildschirmrisse sind eine Art von Videofehler, bei dem mehrere Videobilder (Frames) gleichzeitig auf einem Computermonitor angezeigt werden. Die Einzelbilder erscheinen auf unterschiedlichen Bildschirmbereichen, so dass sichtbare horizontale Trennlinien oder „Risse“ entstehen, wenn sich die Bilder an dieser Stelle unterscheiden. Bildschirmriss ist besonders bei schnellen Kamerabewegungen oder hohen Bildraten auffällig.
Ursachen
Der Hauptgrund für Bildschirmrisse ist eine fehlende Synchronisation zwischen der Bildausgabe der Grafikkarte (GPU) und der Aktualisierungsrate des Monitors (Refresh Rate). Typische Ursachen sind:
- GPU liefert neue Frames schneller (oder zu einem ungünstigen Zeitpunkt) als der Monitor sie darstellt.
- Frame- und Refresh-Rates stimmen nicht überein (z. B. 90 FPS auf einem 60-Hz-Monitor).
- Grafik-Pipeline und Bildpuffer werden nicht während der vertikalen Blanking-Periode (Vertical Blank) aktualisiert.
- Falsche Anzeigeeinstellungen, veraltete Treiber, ungeeignete Kabel (z. B. ältere HDMI-Versionen) oder Probleme mit dem Fenstermanager/Compositor.
Erkennen
- Visuell: horizontale Trennlinien, bei denen obere und untere Bildteile nicht zusammenpassen; der „Riss“ bewegt sich meist mit der Bildbewegung.
- Testseiten: Websites wie TestUFO (Bewegungstests) zeigen Bildschirmrisse deutlich.
- Beim Aufzeichnen: Screenshots zeigen Risse nicht zuverlässig, weil sie Momentaufnahmen sind — Videos oder Live-Beobachtung sind aussagekräftiger.
- Unterscheidung: Bildschirmriss ist etwas anderes als Stottern (Stuttering). Stottern zeigt ungleichmäßige Bildzeiten (Ruckeln), während Riss eine gleichzeitige Anzeige unterschiedlicher Frames ist.
Lösungen und Techniken
Es gibt mehrere Methoden, um Bildschirmrisse zu vermeiden oder zu reduzieren. Welche am besten passt, hängt von Hardware, Monitor und persönlichen Prioritäten (z. B. geringste Eingabeverzögerung vs. völlige Bildruhe) ab.
- VSync (Vertical Sync): Synchronisiert die Frame-Ausgabe mit der Bildwiederholfrequenz des Monitors, verhindert Risse, kann aber Input-Lag erhöhen und bei starken FPS-Schwankungen zu Stottern führen.
- Adaptive Sync / Variable Refresh Rate: Technologien wie FreeSync oder G-Sync passen die Monitor-Refresh-Rate dynamisch an die von der GPU erzeugte Frame-Rate an und reduzieren so Risse bei minimalem Input-Lag. Diese Optionen funktionieren nur mit kompatiblen GPUs und Monitoren (sowohl GPU- als auch Monitormodell beachten).
- NVIDIA Fast Sync / AMD Enhanced Sync: Alternative Modi, die versucht, Risse zu vermeiden, ohne die Nachteile klassischer VSync-Methoden zu übernehmen. Eignen sich besonders, wenn die GPU deutlich mehr FPS als die Monitorfrequenz liefert.
- Triple Buffering: Verbessert das Verhalten von VSync, reduziert Stottern und Eingangsverzögerung im Vergleich zu einfachem VSync, benötigt aber mehr VRAM und stellt nicht immer eine perfekte Lösung dar.
- Frame-Limiter (FPS-Cap): Begrenzung der Framrate auf die Monitorfrequenz (oder knapp darunter) verhindert, dass die GPU zu viele Frames produziert und dadurch Risse entstehen. Tools: In-Game-Limiter, RivaTuner/RTSS, Treibereinstellungen.
- Exklusiver Vollbildmodus statt randlosem Vollbild: Viele Spiele handhaben VSync und Präsentation im exklusiven Vollbildmodus besser; im randlosen Fenster kann es dagegen eher zu Rissen kommen.
- Treiber- und Monitor-Einstellungen: GPU-Treiber aktualisieren, VSync/Adaptive-Sync in der GPU-Systemsteuerung aktivieren, FreeSync/G-Sync im Monitor-OSD einschalten und in den Treiberoptionen verbindlich aktivieren.
- Kabel und Anschlüsse: Verwenden Sie passende Kabel (DisplayPort 1.2/1.4 oder HDMI 2.0/2.1), da ältere Standards höhere Bildraten oder adaptive Sync nicht zuverlässig unterstützen.
- Compositor/Window-Manager: Unter Linux/Unix Desktop-Umgebungen können Compositor-Einstellungen (z. B. vsync in Compton/Picom, Wayland-Komposition) entscheidend sein. Unter Windows sorgen aktuelle Desktop-Composer in der Regel für korrektes Verhalten, bei Problemen kann ein Wechsel in den exklusiven Vollbildmodus helfen.
- Videoplayer-Einstellungen: Player wie VLC oder mpv bieten Optionen wie „sync to display“ oder „vertical sync“, die beim Abspielen von Videos Risse vermeiden.
Praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Fehlerbehebung
- Prüfen, ob Monitor auf native Refresh-Rate eingestellt ist (z. B. 60, 120, 144, 240 Hz).
- GPU-Treiber aktualisieren (NVIDIA/AMD/Intel).
- Monitorkabel prüfen und ggf. wechseln (DisplayPort oder aktuelles HDMI verwenden).
- Adaptive-Sync (FreeSync/G-Sync) im Monitor-OSD aktivieren und in der GPU-Software einschalten, falls Hardware kompatibel ist.
- Falls keine adaptive Sync verfügbar: VSync aktivieren oder einen FPS-Limiter setzen (z. B. auf die Monitorfrequenz).
- Beim Spielen: exklusiven Vollbildmodus ausprobieren; bei Problemen ggf. Triple Buffering oder Fast/Enhanced Sync testen.
- Bei Desktop-Rissen unter Linux: Compositor-VSync aktivieren oder zu Wayland wechseln; unter Windows den Vollbildmodus verwenden.
- Testen mit einer Testseite (z. B. TestUFO) oder In-Game-Szenen, die das Problem sichtbar machen.
Wann ist ein Hardware-Defekt wahrscheinlich?
Wenn Sie trotz korrekter Synchronisationsmethoden, aktueller Treiber und passender Kabel immer noch horizontale Artefakte sehen, kann ein Defekt vorliegen — z. B. beschädigte Videoverbindung, fehlerhafte Monitor-Hardware oder eine missratene Firmware. Vor einem RMA: andere Kabel/PC ausprobieren, Monitor an anderem Rechner testen.
Zusammenfassend: Bildschirmrisse entstehen durch mangelnde Synchronisation von GPU und Monitor. Moderne Lösungen (Adaptive Sync, G-Sync/FreeSync, Frame-Limiter und passende Treiber-/Monitor-Einstellungen) beseitigen das Problem meist zuverlässig — mit Abwägungen zwischen Bildruhe und Eingabeverzögerung.
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Ein Beispiel für Bildschirmausriss, bei dem drei verschiedene Rahmen gleichzeitig angezeigt werden
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