Die Märsche von Selma nach Montgomery sind ein Schlüsselmoment der US-Bürgerrechtsbewegung und führten letztlich dazu, dass Präsident Lyndon B. Johnson den Voting Rights Act von 1965 vorantrieb und unterschrieb. Ausgangspunkt waren jahrelange Versuche schwarzer Bürger in Alabama, ihr verfassungsmäßiges Wahlrecht wahrzunehmen, die immer wieder durch Einschüchterung, Kopfsteuern, Alphabetisierungstests und andere diskriminierende Praktiken vereitelt wurden.
Bloody Sunday (7. März 1965)
Der erste und gewalttätigste Versuch, von Selma nach Montgomery zu marschieren, fand am 7. März 1965 statt und ging als Bloody Sunday in die Geschichte ein. Zwischen 500 und 600 Bürgerrechtsaktivisten – organisiert von Gruppen wie der Southern Christian Leadership Conference (SCLC) und der Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) – setzten sich in Bewegung. Vor dem Überqueren der Edmund Pettus Bridge wurden sie von Sheriff Jim Clark und dessen Hilfssheriffs gestoppt. Der Sheriff des Bezirks Dallas (in dem Selma liegt) hatte weiße Männer als Hilfssheriffs mobilisiert; hinzu kamen staatliche Polizisten und berittene Einheiten.
Auf der Edmund Pettus Bridge schlugen die Einsatzkräfte mit Schlagstöcken auf die Demonstranten ein, setzten Tränengas ein und attackierten sie vom Pferd aus. Viele der Demonstranten wurden verletzt; mindestens 17 Personen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Unter den Verletzten war auch die langjährige Aktivistin Amelia Boynton Robinson. Die brutalen Bilder und Fernsehberichte verbreiteten sich landesweit und lösten Empörung aus.
Zwischenfälle und Reaktionen
Die Übertragungen von Bloody Sunday führten zu einem starken öffentlichen Druck auf die Bundesregierung. Präsident Johnson wandte sich an den Kongress und hielt am 15. März 1965 eine eindringliche Rede, in der er eine Gesetzesvorlage zum Schutz des Wahlrechts forderte. Zugleich erließ die Bundesregierung Maßnahmen, um die Sicherheit der Demonstranten zu gewährleisten: die Alabama Nationalgarde wurde mobilisiert und unter Bundesaufsicht gestellt, und das Justizministerium klagte im Namen der Bürgerrechtsbewegung.
Turnaround Tuesday und der erfolgreiche Marsch (21.–25. März 1965)
Am 9. März führten Bürgerrechtler unter anderem Martin Luther King Jr. einen zweiten Marsch zur Edmund Pettus Bridge, kehrten dort aber auf Anordnung eines Bundesrichters demonstrativ um – diese Aktion ist als „Turnaround Tuesday“ bekannt. Nach einem Gerichtsbeschluss des Bundesrichters Frank M. Johnson Jr., der den weiteren Marsch erlaubte, begann der dritte und erfolgreiche Marsch am 21. März 1965 unter Bundeschutz. Rund 25.000 Menschen – Schwarz und Weiß – schlossen sich bis zum 25. März der über 54 Meilen (87 km) langen Reise von Selma nach Montgomery, Alabama, an und endeten auf den Stufen des Staatskapitols in Montgomery, Alabama,.
Am Ende des Marsches hielt Martin Luther King Jr. eine bewegende Rede („How Long, Not Long“), in der er den fortdauernden Kampf gegen Rassismus und Wahlunterdrückung beschrieb.
Folgen: Voting Rights Act von 1965
Der Druck durch die Märsche und die öffentliche Empörung über Bloody Sunday beschleunigten die Verabschiedung des Gesetzes, das Lesetests und andere diskriminierende Wahlbarrieren verbot und umfangreiche bundesrechtliche Maßnahmen zur Durchsetzung des Wahlrechts vorsah (darunter die Möglichkeit von Bundesprüfungen und Vorabgenehmigungen in besonders betroffenen Bezirken). Präsident Johnson unterzeichnete den Voting Rights Act schließlich am 6. August 1965. Das Gesetz gilt bis heute als eines der wirksamsten Instrumente zur Bekämpfung rassistischer Wahlunterdrückung, auch wenn später Teile durch Gerichtsentscheidungen (z. B. 2013) geschwächt wurden.
Bedeutung und Vermächtnis
Die Selma–Montgomery-Märsche zeigten, wie ziviler Ungehorsam, mediale Aufmerksamkeit und gerichtliche Unterstützung zusammenwirken können, um tief verwurzelte Ungerechtigkeiten zu bekämpfen. Bloody Sunday machte die Brutalität der Rassentrennung für Millionen sichtbar und ebnete den Weg für nachhaltige gesetzliche Änderungen im Wahlrecht der Vereinigten Staaten.

