Der Distrikt Tanjore war einer der Distrikte in der ehemaligen Madras-Präsidentschaft von Britisch-Indien. Er umfasste das Gebiet der heutigen Distrikte Thanjavur, Tiruvarur und Nagapattinam sowie den Aranthangi-Taluk des Pudukkottai-Distrikts in Tamil Nadu. Thanjavur war ein Zentrum des kulturellen Erbes der Chola und einer der reichsten und wohlhabendsten Bezirke der Präsidentschaft von Madras. Die Region ist Teil des fruchtbaren Kaveri-Deltas, das wegen seiner intensiven Reisproduktion oft als "Reisschüssel" Südindiens bezeichnet wird.
Der Distrikt Tanjore wurde 1799 konstituiert, als der Thanjavur Maratha-Herrscher Serfoji II. den größten Teil seines Königreichs an die Britische Ostindische Kompanie als Gegenleistung für seine Rückgabe auf den Thron abtrat. Der Distrikt Tanjore, der im Kaukuldelta liegt, ist eines der reichsten Reisanbaugebiete Südindiens. Er war kaum von Hungersnöten wie der Großen Hungersnot von 1876-78 betroffen, was vor allem auf die dichte Bewässerungsstruktur des Deltas und die fruchtbaren Alluvialböden zurückzuführen war.
Geographie und Landwirtschaft
Das Gebiet liegt überwiegend im Mündungsbereich des Cauvery (Kaveri) und seiner Nebenflüsse. Die natürlichen und künstlichen Bewässerungssysteme — darunter der alte Staudamm Kallanai (Grand Anicut), der schon in der Antike angelegt wurde — garantieren eine zuverlässige Wasserversorgung. Dadurch sind mehrfache Ernten pro Jahr möglich. Wichtige Anbauprodukte sind:
- Reis (Hauptkultur)
- Zuckerrohr, Kokospalmen und Baumwolle
- Hülsenfrüchte, Erdnüsse und verschiedene Gemüsesorten
An der Küste liegen ausgedehnte Fischerei- und Salzgewinnungsgebiete; der Hafen von Nagapattinam spielte historisch eine Rolle für Handel und Fischfang.
Geschichte und Verwaltung
Die Region hat eine lange Geschichte: Unter den Chola-Königen (9.–13. Jahrhundert) entwickelte sich Thanjavur zu einem regionalen Machtzentrum, wovon zahlreiche Tempel und Kunstwerke zeugen. Während der frühen Neuzeit regierten unter anderem Nayak- und Maratha-Dynastien, bevor die Briten Ende des 18. Jahrhunderts die administrative Oberhoheit übernahmen. Die Bildung des Distrikts Tanjore 1799 markierte den Beginn direkterer kolonialer Verwaltung und Steuererhebung.
Serfoji II. wird in der lokalen Erinnerung als Förderer von Bildung und Wissenschaft geschätzt: Er gründete Bibliotheken und Institutionen, förderte Druckwesen und medizinische Versorgung und unterstützte die Künste. Unter britischer Herrschaft wurde die Verwaltung in Taluks und Unterbezirke gegliedert; Landsteuer und Bewässerungsmanagement waren zentrale Aufgaben der Kolonialverwaltung.
Kultur, Kunst und Denkmäler
Thanjavur ist berühmt für sein reiches kulturelles Erbe:
- Tempelarchitektur: Die monumentalen Chola-Tempel, allen voran der Brihadeeswarar-Tempel von Thanjavur (Teil der "Great Living Chola Temples"), sind bedeutende Beispiele der südindischen Tempelkunst und ziehen bis heute Pilger und Forschende an.
- Bildende Kunst: Die Region ist Namensgeber der typischen Tanjore-Malerei (Tanjore painting) und für ihre Bronze- und Steinskulpturen bekannt.
- Musik und Tanz: Thanjavur hat eine lange Tradition in der klassischen Karnatischen Musik und im Tanz (Bharatanatyam). Veranstaltungen wie Tanz- und Musikwettbewerbe prägen das kulturelle Leben.
- Bibliotheken und Gelehrsamkeit: Die Saraswathi Mahal in Thanjavur enthält wertvolle Handschriften und Sammlungen, die Zeugnis der literarischen und wissenschaftlichen Tätigkeit der Region ablegen.
Bevölkerung und Wirtschaft
Die Bevölkerung war traditionell überwiegend tamilischsprachig; durch historische Einflüsse sind verschiedene Gemeinschaften und Handwerksgruppen präsent, darunter Bauern, Fischer, Brahmanen, Kunsthandwerker und Händler. Wirtschaftlich dominieren Landwirtschaft und Fischerei; in städtischen Zentren entwickelten sich Handwerk, Handel und später auch Bildungseinrichtungen und kleine Industriebetriebe.
Nachwirkungen und heutige Bedeutung
Nach der Unabhängigkeit Indiens und der Auflösung der Präsidentschaften/Provinzen wurde das Gebiet administrativ neu geordnet. Der historische Distrikt Tanjore entspricht heute weitgehend den modernen Distrikten Thanjavur, Tiruvarur und Nagapattinam sowie Teilen des heutigen Pudukkottai-Distrikts. Das kulturelle Erbe — Tempel, Bibliotheken, traditionelle Künste — ist weiterhin von großer Bedeutung für Tourismus, Forschung und das regionale Selbstverständnis.
Insgesamt bleibt der frühere Distrikt Tanjore ein herausragendes Beispiel für ein dicht besiedeltes, landwirtschaftlich sehr ertragreiches Delta mit reicher historischer und kultureller Tradition, dessen Denkmäler und lebendige Künste bis heute gepflegt werden.