Adolphe Nourrit (3. März 1802 – 8. März 1839) war ein bedeutender französischer Operntenor, Librettist und Komponist. Er wurde in Montpellier (Département Hérault) geboren und entstammte einer Sängerfamilie; sein Vater war ebenfalls Operntenor. Nourrit prägte die Pariser Opernbühne der 1820er und 1830er Jahre und gilt als eine Schlüsselfigur im Übergang zwischen klassischem Belcanto und der aufkommenden französischen Romantik.

Frühes Wirken und Aufstieg

Nourrit gab 1821 im Alter von fast 20 Jahren sein professionelles Debüt in Glucks Iphigénie en Tauride. 1826 folgte die Ernennung zum ersten Tenor der Pariser Opéra an, eine Position, die er bis 1836 innehatte. Schon früh wurde seine Stimme, seine beredte Stimmführung und seine darstellerische Präsenz gelobt; er verkörperte das Ideal des französischen Operntenors jener Zeit und wurde zu einem gefragten Interpreten neuer Werke.

Zusammenarbeit mit Komponisten und Beiträge als Librettist

Nourrit war ein enger Gesprächspartner und Berater vieler Komponisten; seine Meinung wurde beim Entstehen neuer Partituren häufig eingeholt. Er war Schüler von Rossinis und schuf die wichtigsten Tenorrollen in den französischen Opern Rossinis, wodurch er erheblich zum Erfolg dieser Werke in Paris beitrug. Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Sänger verfasste er mehrfach Libretti, vor allem für Ballette an der Opéra. 1827 wurde er an das Conservatoire de Paris berufen. Ein besonders nachhaltiges Beispiel seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist das Libretto zu La Sylphide (1832), eines der ersten romantischen Ballette, das großen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Tanztheaters hatte.

Wandel, Rückzug und letzte Jahre

Im Lauf der 1830er Jahre veränderten sich Stil und Erwartungshaltung des Opernpublikums; zudem setzten ihn stimmliche Probleme unter Druck. 1836 erkrankte er während einer Aufführung an der Opéra heiser und zog sich daraufhin schrittweise aus dem regulären Bühnenbetrieb zurück. In Paris trat er fortan häufig in Salonkonzerten auf, wo er unter anderem die Lieder Franz Schuberts dem französischen Publikum näherbrachte und so zur Verbreitung der Kunstliedtradition in Frankreich beitrug.

Um seine Stimme zu retten oder neu zu schulen, suchte Nourrit schließlich Ausbildung in Italien und arbeitete mit Größen seiner Zeit, darunter Donizetti. 1838 gab er sein Debüt in Neapel, doch seine körperliche und seelische Verfassung verschlechterte sich weiterhin.

Tod und Nachwirkung

Im Frühjahr 1839 nahm Nourrit sich das Leben. Seine Erkrankung und sein psychisches Leiden in den letzten Jahren wurden von Zeitgenossen als tragisches Ende eines Künstlers beschrieben, der von hohen Ansprüchen an sich selbst und von den Umwälzungen im Opernbetrieb seiner Zeit betroffen war. Er wurde auf dem Friedhof Montmartre beigesetzt; seiner Frau, die ihn nur wenige Monate überlebte, folgte das Leben nur kurz darauf — sie starb bei der Geburt. Beide fanden ihre letzte Ruhe auf dem gleichen Friedhof.

Bedeutung

  • Musikalische Vermittlung: Nourrit galt als Vorreiter einer dramatischeren, stärker textbetonten Gesangsweise in der französischen Oper; seine stilistische Haltung beeinflusste Kollegen und Komponisten.
  • Libretto und Ballett: Als Librettist trug er wesentlich zur Entwicklung des romantischen Balletts bei; La Sylphide bleibt ein Meilenstein der Tanzgeschichte.
  • Einführung des Kunstlieds: Seine Salonkonzerte halfen, die Lieder Schuberts in Paris bekannt zu machen und erweiterten das Repertoire jenseits der Opernbühne.

Adolphe Nourrit bleibt in der Musikgeschichte als herausragender Tenor und kulturgeschichtliche Figur des frühen 19. Jahrhunderts in Erinnerung: ein Künstler, dessen Karriere große Erfolge, aber auch die Zerbrechlichkeit stimmlicher und seelischer Gesundheit zeigt.