White Citizens' Council (engl.; deutsch etwa „Weißer Bürgerrat“, häufig abgekürzt WCC) war eine amerikanische Organisation von weißen Segregationisten, die nach dem Urteil des Obersten Gerichts in Brown v. Board of Education gegründet wurde und sich gegen die Rassenintegration einsetzte. Die Gruppe entstand am 11. Juli 1954 in Indianola, Mississippi; Initiator war unter anderem der Anwalt und Plantagenbesitzer Robert B. Patterson. Ab 1956 organisierte man sich als Citizens' Councils of America. Mit geschätzten rund 60.000 Mitgliedern und zahlreichen lokalen Räten war die Organisation vor allem im Süden der USA stark präsent.

Ziele und Selbstverständnis

Die Mitglieder des White Citizens' Council vertraten offen die Ideologie der weißen Vorherrschaft und lehnten die rechtlich angeordnete Aufhebung der Rassentrennung in öffentlichen Schulen und anderen Einrichtungen ab. Anders als gewalttätige Gruppierungen wie der Ku-Klux-Klan stellte sich der Council öffentlich oft als „respektable“ politische und gesellschaftliche Vertretung weißer Bürger dar: Viele Mitglieder waren lokale Eliten, Geschäftsleute, Lehrer, Behördenvertreter und Berufstätige, die über sozialen und wirtschaftlichen Einfluss in ihren Gemeinden verfügten.

Methoden und Aktivitäten

Der Rat setzte vor allem auf wirtschaftlichen und sozialen Druck, um Integrationsbemühungen zu behindern. Zu den eingesetzten Mitteln gehörten:

  • Wirtschaftsboykotte, Entzug von Krediten und Kündigung von Arbeitsplätzen gegenüber Schwarzen, die sich an der Bürgerrechtsbewegung beteiligten;
  • Schikanen, Einschüchterung und soziale Ächtung von Aktivisten und ihren Familien;
  • Unterstützung und Mitfinanzierung so genannter „Segregation Academies“ — privater Schulen, die gegründet wurden, um weiße Kinder der Integration der öffentlichen Schulen zu entziehen;
  • Verbreitung von Propaganda und die Herausgabe eigener Publikationen sowie die Organisation lokaler und regionaler Treffen, um politisch gegen Bürgerrechtsmaßnahmen Lobbyarbeit zu leisten.

Der Rat war ein zentraler Bestandteil des so genannten „massive resistance“ – des breiten Widerstands im Süden gegen Gerichtsentscheidungen und Bundesmaßnahmen zur Durchsetzung der Rassentrennung.

Bundesgesetzgebung, Durchsetzung und Niedergang

Die Verabschiedung des Civil Rights Act von 1964 und des Voting Rights Act von 1965 markierte einen Wendepunkt: Diese Bundesgesetze richteten sich gegen gesetzliche und faktische Diskriminierung und stärkten die Befugnisse der Bundesregierung zur Durchsetzung der Bürgerrechte. In den späten 1960er und 1970er Jahren intensivierte die Bundesregierung die Durchsetzung dieser Gesetze, unter anderem durch Klagen, bundesstaatliche Interventionen und Durchsetzung von Gerichtsbeschlüssen. Dadurch verlor der White Citizens' Council allmählich an Einfluss; viele lokale Räte lösten sich auf oder verloren ihre Mitglieder.

Nachfolge und Bewertung

Einige ehemalige Mitglieder und lokale Strukturen wirkten später in neuen Zusammenschlüssen weiter: 1985 entstand der als Nachfolgeorganisation geltende Council of Conservative Citizens (auf Deutsch: „Rat der Konservativen Bürgerinnen und Bürger“), der wegen seiner rassistischen Positionen und Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen international kritisiert wurde. Historikerinnen und Historiker sehen im White Citizens' Council ein wichtiges Beispiel dafür, wie rassistische Politik nicht nur durch offene Gewalt, sondern auch durch ökonomischen Druck, soziale Ausgrenzung und institutionelle Maßnahmen aufrechterhalten werden kann.

Die Bestände und Veröffentlichungen der Councils werden heute von Forschenden untersucht, um die Mechanismen des Widerstands gegen die Bürgerrechtsbewegung und die längerfristigen Folgen für Politik und Gesellschaft im amerikanischen Süden besser zu verstehen.