Herbert "Bert" Jansch (3. November 1943 – 5. Oktober 2011) war ein einflussreicher schottischer Singer-Songwriter und gilt als einer der großartigsten britischen Folkgitarristen des 20. Jahrhunderts. Er wurde in Glasgow geboren; seine Eltern waren Deutsche. Nachdem sein Vater die Familie verlassen hatte, zog die Mutter mit den Kindern nach Edinburgh. Bereits im Alter von zwölf Jahren baute Jansch seine erste Gitarre selber. Nach dem Schulabschluss begann er, in Clubs in Schottland und England aufzutreten. Zunächst beschäftigte er sich vor allem mit dem Blues, später ergänzte er sein Repertoire durch traditionelle Volkslieder und eigene Kompositionen.
Durchbruch und frühe Alben
Sein erstes Album, Bert Jansch (1965), brachte ihm rasch Anerkennung in der aufkeimenden britischen Folkszene. Besonders das Lied "Needle of Death", das von Drogenabhängigkeit und dem Verlust eines engen Freundes handelt, sorgte für großes Aufsehen, weil es ein damals noch wenig behandeltes Thema offen ansprach. Auf seinem zweiten Album It Don't Bother Me wirkte mit seinem Freund John Renbourn ein weiterer herausragender Gitarrist mit; die Zusammenarbeit der beiden entwickelte sich schnell zu einer festen musikalischen Partnerschaft. 1966 erschien das erfolgreiche Album Jack Orion, das unter anderem mehrere traditionelle Lieder enthält. Darin ist auch eine Version von "Blackwaterside" zu hören, die im Jazz-orientierten Stil interpretiert wird und später von anderen Künstlern aufgegriffen wurde.
Pentangle und Gruppenarbeit
Jansch und Renbourn nahmen 1966 eine weitere Duo-Platte unter dem Titel Bert and John auf. In London trafen sie weitere Musiker; gemeinsam mit dem Bassisten Danny Thompson, dem Schlagzeuger Terry Cox und der Sängerin Jacqui McShee gründeten sie die Gruppe Pentangle. Pentangle verband Folk, Jazz und künstlerische Liedarrangements und wurde schnell zu einer der bedeutendsten Bands der britischen Folk-Renaissance. Obwohl Pentangle großen Erfolg hatte, suchte Jansch zunehmend die Ruhe des Soloweges und verließ die Band in den frühen 1970er Jahren. Danach setzte er seine Solokarriere fort und veröffentlichte weiterhin Alben und Tourneen.
Spielweise, Einflüsse und Zusammenarbeit
Janschs Stil zeichnet sich durch feines Fingerpicking, ausgefeilte Gitarrenarrangements und den oft sparsamen, aber eindringlichen Gesang aus. Er kombinierte Elemente von Blues, traditionellen britischen und skandinavischen Folk-Melodien sowie moderner Songschreiber-Techniken. Seine Gitarrentechnik und seine alternativen Stimmungen beeinflussten viele nachfolgende Gitarristen und Bands; berühmte Beispiele für von ihm beeinflusste Musiker sind Vertreter der britischen Folk- und Rockszene. Er wirkte auch häufig als Gastmusiker bei Aufnahmen anderer Künstler mit — ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist sein Beitrag zum Album Shotter's Nation (2007) der Band Babyshambles.
Spätere Jahre, Krankheit und Tod
Obwohl bei Jansch später in seinem Leben Lungenkrebs diagnostiziert wurde, blieb er musikalisch aktiv. 2010 ging er noch auf Tournee in den USA mit dem amerikanischen Musiker Neil Young. Bert Jansch starb am 5. Oktober 2011 in Hampstead, London, an den Folgen seines Lungenkrebses. Er wurde 67 Jahre alt.
Vermächtnis
Janschs Einfluss auf die Folk- und Akustikgitarren-Szene ist bis heute spürbar. Seine Alben aus den 1960er- und 1970er-Jahren gelten als Meilensteine der britischen Folkbewegung, seine Kompositionen wie "Needle of Death" werden weiterhin gehört und gecovert. Auch für jüngere Songwriter und Gitarristen bleibt er ein wichtiges Vorbild wegen seiner musikalischen Integrität, seines handwerklichen Könnens und seiner Fähigkeit, traditionelle und moderne Elemente zu verbinden.

