Die elfte Volkszählung der Vereinigten Staaten wurde am 2. Juni 1890 durchgeführt und stellte die Bevölkerung der Nation auf 62.947.714 Personen fest. Als nationales Zensusereignis lieferte sie wichtige Daten über Wachstum, Verstädterung, Migration und die demografische Lage am Ende des 19. Jahrhunderts. Sie ist zugleich berühmt für zwei Gründe: die erste großangelegte maschinelle Auswertung von Zensusdaten und den späteren großflächigen Verlust der Originalunterlagen.

Technik und Tabellen: der Einsatz mechanischer Verarbeitung

Erstmals kamen bei einer US-Volkszählung elektromechanische Verfahren zur schnellen Auswertung großer Datenmengen zum Einsatz. Herman Hollerith hatte ein System mit gelochten Karten und Tabelliermaschinen entwickelt, das die lange händische Auswertung ablöste. Dank dieser Innovation und verwandter Verfahren (mechanische Tabellierung) verringerte sich der Auswertungsaufwand drastisch: wo frühere Zählungen Jahre benötigten, ließ sich 1890 das Aggregieren und Auswerten der grundlegenden Datensätze deutlich beschleunigen.

Zentrale Ergebnisse und Befunde

Die Volkszählung enthielt detaillierte Angaben zu Einwohnerzahlen, Altersverteilungen, Wohnverhältnissen, Berufstätigkeiten und zur geografischen Verteilung der Bevölkerung. Offiziell dokumentiert ist die Gesamtbevölkerung von 62.947.714 Personen. Ein weiterer Befund war die registrierte Zählung der indigenen Bevölkerung: 1890 wurden 248.253 amerikanische Ureinwohner erfasst, eine Verringerung gegenüber den in älteren Zählungen vermerkten 400.764 für das Jahr 1850 (Vergleichszahl 1850). Diese Zahlen spiegeln die demografischen Folgen von Kolonisierung, Krankheit, Umsiedlungen und veränderten Lebensbedingungen wider. Außerdem befand die Behörde, dass der bislang als Grenze verstandene, sich nach Westen verlagernde Siedlungsbereich—die sogenannte Frontier—in den USA inzwischen nicht mehr existent sei (Feststellung zur Grenze), was weitreichende Debatten über nationale Entwicklung und Politik auslöste.

Verlust der Originalunterlagen

Ein historisch erhebliches Problem ist der Verlust der meisten Originalunterlagen der Volkszählung von 1890. Bei einem Brand im Jahr 1921 wurden weite Teile der Zensusdokumente vernichtet; nur Fragmente und einzelne Aufzeichnungen blieben erhalten. Dieser Verlust erschwert heute genealogische Forschung und detaillierte regionale Studien für das Jahr 1890, weil viele personen- und haushaltsbezogene Aufzeichnungen nicht mehr zugänglich sind.

Bedeutung und Wirkung

Die Volkszählung von 1890 war ein Wendepunkt in mehreren Hinsichten: technisch markierte sie den Beginn maschineller Informationsverarbeitung, ein Wegbereiter für spätere Rechenmaschinen und Datenverarbeitungssysteme; inhaltlich lieferte sie Erkenntnisse über Urbanisierung, Einwanderung und wirtschaftlichen Wandel. Die Ergebnisse beeinflussten politische Entscheidungen, Planungen des Infrastrukturausbaus und wissenschaftliche Diskussionen über die Entwicklung der Nation.

Wichtige Fakten zusammengefasst

  • Datum der Erhebung: 2. Juni 1890.
  • Offizielle Gesamtbevölkerung: 62.947.714.
  • Mechanische Auswertung durch Holleriths Verfahren und verwandte Maschinen (Tabelliertechnik).
  • Erfasste amerikanische Ureinwohner: 248.253 (im Vergleich zu 400.764 in 1850, frühere Zählung).
  • Feststellung, dass die historische Grenze/Frontier nicht mehr existiere: Schlussfolgerung der Zählung.
  • Viele Originalunterlagen gingen 1921 bei einem Brand verloren; nur Teilbestände blieben erhalten.

Für die historische Forschung bleibt die Volkszählung von 1890 wegen ihrer Datenlage, ihrer technologischen Neuerung und ihres dokumentierten Verlusts ein besonders beachtetes Ereignis. Weitere Informationen und erhaltene Fragmente sind in spezialisierten Archiven und Sammlungen recherchierbar; ein erster Einstieg kann über allgemeine Quellen zur US-Zensusgeschichte erfolgen (weitere Hinweise).