Der bilabiale Triller ist ein Konsonant, der durch schnelle Schwingungen der beiden Lippen erzeugt wird. Er wird in einigen gesprochenen Sprachen verwendet und ist weltweit sehr selten.
Das Internationale Phonetische Alphabet stellt diesen Klang als ⟨ʙ⟩ dar. Das X-SAMPA-Symbol dafür ist B\.
Artikulation
Der bilabiale Triller ʙ wird produziert, indem beide Lippen leicht zusammengedrückt werden und der Luftstrom so austritt, dass die Lippen repetitiv gegeneinander vibrieren. Wesentliche Merkmale:
- Artikulationsort: bilabial (beide Lippen)
- Artikulationsart: Triller – kurzperiodische intermittierende Verschlüsse durch Lippenvibration
- Stimmhaftigkeit: meist stimmhaft (mit Stimmlippenvibration). Eine stimmlose Variante kann als ⟨ʙ̥⟩ transkribiert werden.
- Atemstrom: pulmonisch-egressiv (Luft wird von der Lunge ausgestoßen)
Zur Erzeugung ist eine bestimmte Kombination aus Lippenspannung, Luftdruck und häufig auch Lippenrundung nötig; deshalb ist der Laut articulatorisch anspruchsvoller als z. B. ein einfacher bilabialer Plosiv [b].
Typen und Varianten
Neben dem einfachen stimmhaften bilabialen Triller gibt es verschiedene Varianten:
- Pränasalisiert mit trillierter Freisetzung: In manchen Sprachen tritt der Triller nur als Freisetzung eines pränasalisierten bilabialen Stopps auf, z. B. [mbʙ]. Solche Sequenzen können historisch aus Kombinationen wie [mbu] entstanden sein.
- Affrikaten mit trillischer Komponente: Es existieren Affrikaten, bei denen ein alveolarer Stopp in einen bilabialen Triller übergeht, z. B. stimmloser alveolarer, bilabial getriller Affrikat [t̪͡ʙ̥] (manchmal als "tᵖ" notiert).
- Allophone labialisierter Plosive: In einigen Sprachen tritt der bilabiale Triller als Allophon von labialisierten Plosiven wie /tʷ/ auf, wobei die eigentliche Realisierung je nach Sprache variieren kann (z. B. auch als doppelt artikulierter [t͡p]).
Vorkommen und phonologische Eigenschaften
Der bilabiale Triller ist phonemisch nur in wenigen Sprachen dokumentiert. Häufige Muster sind:
- Beschränkung auf bestimmte phonologische Umgebungen, vor allem vor gerundeten Rückenvokalen wie [u], [o] oder [y], da Lippenrundung die Trillbildung erleichtert.
- Historische Entwicklung: In einigen Sprachverläufen gingen Sequenzen wie [mbu] durch fortschreitende Artikulationsveränderung in [mbʙ] über.
Bekannte Belege finden sich unter anderem in einigen Amazonassprachen (z. B. Chapacuranische Sprachen wie Wari' und Oro Win) und in Pirahã, wo der trillerhaltige Affrikat und verwandte Laute berichtet wurden. Außerdem tritt ein trillerähnlicher Effekt als Allophon in kaukasischen Sprachen wie Abchasien und Ubych auf, wobei dort oft andere Realisierungen (z. B. doppelt artikulierte Plosive) häufiger sind.
Akustik und Wahrnehmung
Akustisch zeigt der bilabiale Triller eine Folge regelmäßiger Impulse niedriger bis mittlerer Frequenz, verursacht durch die Lippenkontakte. Wegen seiner Seltenheit kann er für Hörer, die ihn nicht aus ihrer Muttersprache kennen, leicht wie eine Abfolge von Plosiv- oder Approximant-Klängen wirken.
Transkription und Notation
Im IPA wird der Laut durch das Symbol ⟨ʙ⟩ dargestellt; in X-SAMPA entspricht das B\. Eine stimmelose Variante wird mit dem Diakritikum für Stimmlosigkeit markiert (⟨ʙ̥⟩), Affrikaten können durch Zwitterzeichen wie [t̪͡ʙ̥] notiert werden.
Bemerkungen
Der bilabiale Triller ist in der Lautinventar-Forschung von besonderem Interesse, weil er zeigt, wie artikulatorische Bedingungen (z. B. Lippenrundung, Luftdruck) die Entwicklung und Verteilung seltener Laute in Sprachen beeinflussen. Nicht zu verwechseln sind sprachliche bilabiale Triller mit nichtsprachlichen Lauten wie dem „Raspeln“ (engl. „raspberry“), die zwar lippenvibrierend sind, aber nicht als reguläre phonemische Laute in den meisten Sprachen fungieren.