Karl VII. von Frankreich (22. Februar 1403 – 22. Juli 1461) war von 1422 bis zu seinem Tod König von Frankreich. Wegen der englischen und burgundischen Vorherrschaft in großen Teilen des Landes konnte er seine Macht lange kaum durchsetzen; erst 1429 ließ er sich feierlich krönen. Sein Vater, Karl VI. von Frankreich, war durch den Vertrag von Troyes politisch zugunsten der Engländer umgangen worden, und Karl blieb zunächst nur ein Bruchteil des Königreichs; zeitweise nannte man ihn deshalb den "König von Bourges", weil Bourges zu den wenigen Orten gehörte, die er sicher kontrollierte.

Thronanspruch, Bürgerkrieg und die Rolle der Burgunder

Nach dem Tod Karls VI. (1422) beanspruchte Karl VII. die Krone, doch die Engländer erklärten den Säugling Heinrich VI. zum König von Frankreich und wurden von Teilen der französischen Oberschicht, vor allem dem Herzogtum Burgund, unterstützt. Diese Spaltung setzte den Staat unter schweren inneren Druck: der Konflikt zwischen den Armagnacs (Anhänger des königlichen Hauses) und den Burgundern schwächte Frankreich zusätzlich und begünstigte die englische Besetzung großer Gebiete.

Johanna von Orléans und die Krönung

Johanna von Orléans (Jeanne d’Arc) trat 1429 auf den Plan und verhalf Karl VII. zu einem entscheidenden Wendepunkt. Nach ihren Erfolgen bei der Entsatzbewegung von Orléans und mehreren Feldzügen wurde Karl am 17. Juli 1429 in Reims gekrönt — ein enorm wichtiges Symbol für seine Legitimität. Johanna wurde 1430 bei der Verteidigung von Compiègne gefangen genommen, an die Burgunder verkauft und schließlich den Engländern übergeben; sie wurde 1431 in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Karl unternahm keine erfolgreiche Rettung und ließ sie nicht frei; die Gründe dafür sind in der Forschung umstritten (politische Rücksichten, finanzielle Schwierigkeiten, Machtbalance gegenüber den Burgundern).

Militärische und staatliche Reformen

In den folgenden Jahren konsolidierte Karl VII. seine Herrschaft durch weitreichende Reformen: er reorganisierte das Heer, schuf dauerhaftere, stehende Truppen (die sogenannten compagnies d'ordonnance) und führte regelmäßige Abgaben zur Finanzierung ein, darunter die Ausweitung der Steuerform der taille. Diese Maßnahmen stärkten die königliche Verwaltung und die zentrale Macht gegenüber den regionalen Feudalherrschaften.

Rückgewinnung der Gebiete und Ende des Hundertjährigen Krieges

Dank militärischer Erfolge und politischer Wendungen gelang es den Franzosen, nach und nach Gebiete zurückzugewinnen: 1449–1450 fiel die Normandie zurück an die Krone, und 1451–1453 wurden Guyenne und Bordeaux wieder unter königliche Kontrolle gebracht. Der Hundertjährige Krieg endete faktisch 1453 mit der entscheidenden Schlacht von Castillon; den Engländern verblieb danach nur noch ein kleiner Küstenbereich um Calais, der erst 1558 verloren ging.

Nachwirkung und Gedenkpflege

Karl VII. legte mit seinen Reformen die Grundlage für einen stärkeren, zentralisierten französischen Staat. Er baute die königliche Finanzausstattung und Verwaltung aus, förderte die militärische Professionalität und bereitete damit den Weg für die weitere Konsolidierung unter seinen Nachfolgern. Die Rehabilitierung von Johanna von Orléans erfolgte nach seinem Tod: 1456 wurde in einem Revisionsprozess ihr früheres Urteil aufgehoben und sie später heiliggesprochen (1920).

Karl VII. starb am 22. Juli 1461; sein Sohn Ludwig XI. trat die Nachfolge an. Unter Karl gelang Frankreich nach Jahrzehnten der Spaltung und Besetzung die Rückkehr zu weitgehender territorialer Einheit und zur Stärkung der königlichen Macht.