Clara Josephine Zetkin (geborene Clara Josephine Eissner; 5. Juli 1857 – 20. Juni 1933) war eine deutsche marxistische Theoretikerin, Politikerin und eine der führenden Persönlichkeiten der europäischen Arbeiter- und Frauenbewegung. Sie setzte sich ihr Leben lang für Frauenrechte, soziale Gesetzgebung und die Organisierung arbeitender Frauen ein.
Frühe Jahre und politischer Einstieg
Clara Zetkin wurde in Wiederau (bei Rochlitz, Sachsen) geboren. Nach einer Ausbildung an der Leipziger Pädagogischen Hochschule für Frauen arbeitete sie als Lehrerin und engagierte sich früh in der Frauen- und Arbeiterbewegung. 1878 trat sie der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands bei. In der Folgezeit geriet sie, wie viele Sozialistinnen und Sozialisten jener Zeit, durch die Repressionen der sogenannten Sozialistengesetze unter Druck; aus politischen Gründen verbrachte sie auch Zeit im Ausland und knüpfte internationale Kontakte zur sozialistischen Bewegung.
Organisatorin der sozialistischen Frauenbewegung
Zetkin war eine treibende Kraft beim Aufbau einer eigenständigen sozialistischen Frauenarbeit. Sie war langjährige Herausgeberin der sozialdemokratischen Frauenzeitschrift Die Gleichheit (eine prägende Rolle zwischen 1892 und 1917) und nutzte dieses Medium, um Forderungen nach politischer Mitbestimmung, Arbeits- und Sozialschutz sowie gleichen Rechten für Frauen zu verbreiten. Ihre Arbeit verband die Anliegen der Frauenbewegung mit denen der Arbeiterbewegung: bessere Arbeitsbedingungen, Mutterschutz, Kinderbetreuung und das allgemeine Wahlrecht standen im Mittelpunkt.
Internationaler Frauentag
Auf dem Sozialistischen Frauenkongress 1910 in Kopenhagen schlug Clara Zetkin vor, einen internationalen Frauentag einzuführen, um die Forderungen nach Wahlrecht und sozialen Reformen weltweit zu bündeln. Dieser Vorschlag wurde angenommen; der Internationale Frauentag wurde in den folgenden Jahren in vielen Ländern begangen und erhielt durch die großen Frauenproteste in Russland 1917 (die am 8. März nach dem gregorianischen Kalender stattfanden) zusätzliche Bedeutung. Heute wird der Internationale Frauentag jährlich am 8. März begangen.
Radikalisierung, Spartakusbund und Reichstagsarbeit
Während des Ersten Weltkriegs trat Zetkin offen gegen die Kriegspolitik der Mehrheitssozialisten ein. Sie arbeitete eng mit Persönlichkeiten wie Karl Liebknecht und RosaLuxemburg im Spartakusbund zusammen, einer linken Gruppierung, die sich gegen Krieg und für revolutionäre Veränderungen aussprach. Nach dem Krieg gehörte sie zu den Unterstützern der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und war von 1920 bis 1933 Mitglied des Reichstags für die KPD. In dieser Zeit setzte sie sich parlamentarisch für soziale Rechte, Gleichberechtigung der Frauen und gegen den aufkommenden Nationalsozialismus ein.
Exil und Tod
Neben ihrem politischen Wirken war Zetkin eine bekannte Rednerin und Publizistin. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verließ sie Deutschland; sie reiste in die Sowjetunion und starb am 20. Juni 1933 in der Nähe von Moskau. Ihr Tod löste in linken Kreisen in Europa und der Sowjetunion große Anteilnahme aus.
Vermächtnis
- Clara Zetkin gilt als Schlüsselfigur der sozialistischen Frauenbewegung und als Initiatorin des heutigen Internationalen Frauentags (8. März).
- Sie verband Klassenpolitik mit dem Kampf für Frauenrechte und machte soziale Sicherung, Mutterschutz und politische Teilhabe zu zentralen Forderungen.
- Ihr Leben und Wirken sind zugleich umstritten: Während sie in sozialistischen Staaten und Teilen der Linken hoch geehrt wurde (Straßennamen, Denkmäler, Ehrungen), wird ihre Nähe zur kommunistischen Partei und zur Sowjetunion kritisch diskutiert.
Clara Zetkins Einfluss zeigt sich bis heute in Debatten über die Verbindung von sozialer Gerechtigkeit und Gleichstellung der Geschlechter. Ihre Forderung, Frauenrechte als Teil umfassender sozialer Reformen zu begreifen, prägt feministische und sozialpolitische Diskurse weiterhin.

