Franz I. (Franz Stephanus; 8. Dezember 1708 – 18. August 1765) war Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und Großherzog der Toskana. Offiziell trug er diese hohen Titel, doch die wirkliche Regierungsgewalt lag während der gemeinsamen Herrschaft weitgehend bei seiner Gemahlin Maria Theresia von Österreich. Durch seine Ehe mit Maria Theresia legte er den Grundstein für die Dynastie der Habsburg-Lothringer (Habsburg-Lothringen). Von 1728 bis 1737 regierte er als Herzog von Lothringen, musste das Herzogtum jedoch im Rahmen der europäischen Machtpolitik an Frankreich abtreten. Er ist außerdem bekannt als Vater von Marie Antoinette, der späteren Königin von Frankreich.
Herkunft und Jugend
Franz Stephan stammte aus dem Hause Lothringen und wurde in Nancy geboren. Als Sohn des Herzogs von Lothringen gehörte er zu einer Nebenlinie europäischer Fürsten, deren Besitzungen und politische Stellung im 18. Jahrhundert wiederholt Gegenstand diplomatischer Verhandlungen zwischen den Großmächten waren. Seine Erziehung war aristokratisch geprägt; er erhielt eine Ausbildung, die ihn für repräsentative Aufgaben, aber auch für militärische und verwaltungsmäßige Pflichten vorbereiten sollte.
Verlust von Lothringen und Erwerb der Toskana
Im Zuge der Neuordnung Europas nach dem Krieg um die polnische Thronfolge (und den Folgeverhandlungen, etwa dem Frieden von Wien 1738) musste Franz sein angestammtes Herzogtum Lothringen aufgeben. Als Ausgleich erhielt er den Großherzogtitel der Toskana – ein Posten, den er ab 1737 innehatte. Dieser Gebietstausch war Ausdruck der Machtpolitik der großen Mächte, die Lothringen als Puffergebiet zwischen Frankreich und dem Reich begehrten.
Ehe mit Maria Theresia und Familienleben
Die Ehe mit Maria Theresia von Österreich (geheiratet 1736) war politisch und dynastisch von großer Bedeutung: durch sie vereinten sich die Häuser Habsburg und Lothringen. Maria Theresia übernahm nach dem Tod ihres Vaters die Regierung der habsburgischen Erblande, und Franz wurde ihr Partner in der dynastischen Repräsentation. In der Praxis behielt Maria Theresia jedoch die Führung der Politik und Verteidigung ihrer Erbanrechte; Franz unterstützte sie dabei, ohne die zentrale politische Rolle ihrer Regentschaft zu übernehmen.
- Aus der Ehe gingen zahlreiche Kinder hervor, die für europäische Heiraten und Allianzen genutzt wurden. Zu den bekanntesten zählen Marie Antoinette, Joseph II. und Leopold II., die später selbst bedeutende Herrscher wurden.
- Familienleben und Dynastiepolitik bestimmten einen großen Teil der internationalen Beziehungen des Hauses Habsburg-Lothringen im 18. Jahrhundert.
Kaiserwürde und Rolle im Reich
1745 wurde Franz zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt und führte seitdem den Titel Franz I. Als Kaiser hatte er vor allem repräsentative und protokollarische Aufgaben; die eigentliche Regierungspolitik in den habsburgischen Erblanden blieb Sache Maria Theresias. Dennoch war seine Kaiserwürde wichtig für die dynastische Legitimation und die Stellung des Hauses in der europäischen Rangordnung.
Interessen und Vermächtnis
Franz zeichnete sich durch ein reges Interesse an Wirtschaft, Technik, Forst- und Landwirtschaft aus. Er förderte handwerkliche und industrielle Unternehmungen, unterstützte naturwissenschaftliche Sammlungen und trat als Förderer von Künsten und Wissenschaften auf. Zeitgenossen beschreiben ihn als kultivierten, oft zurückhaltenden Herrscher, der die energische und durchsetzungsfähige Führung seiner Ehefrau respektierte und ergänzte.
Sein Tod am 18. August 1765 beendete eine Ära der persönlichen Gemeinschaftsregierung mit Maria Theresia. Die von ihnen gegründete Dynastie prägte die Politik Europas im späteren 18. Jahrhundert stark mit – durch ihre Kinder, dynastische Heiraten und die Fortsetzung habsburgischer Linien.