Juan Manuel Santos Calderón (geboren am 10. August 1951) ist ein kolumbianischer Politiker, der von 2010 bis 2018 als Präsident von Kolumbien amtierte. Er wurde am 7. August 2010 Präsident von Kolumbien und löste damit Álvaro Uribe ab.

Werdegang und politischer Hintergrund

Santos stammt aus einer der politisch und medial einflussreichsten Familien Kolumbiens. Vor seiner Präsidentschaft arbeitete er in Medien und im privaten Sektor und bekleidete mehrere Regierungsämter, darunter das Amt des Verteidigungsministers in der Regierung Uribe. Seine Ausbildung erhielt er teilweise in den Vereinigten Staaten, und er gilt als mit moderner Technologie vertraut.

Präsidentschaft und politische Prioritäten

Santos setzte sich als Präsident für eine stärker soziale und versöhnende Politik ein und distanzierte sich damit deutlich von der harten Linie seines Vorgängers. Seit er am 20. Juni 2010 erdrutschartig die Präsidentschaftswahl gewann, signalisierte er die Ankunft eines Regierungschefs, der neben Sicherheitsfragen auch soziale Programme und die Verbesserung der Beziehungen zu den Nachbarländern in den Mittelpunkt stellen wollte. In seiner Antrittsrede sagte er:

"Ich werde einer Regierung der nationalen Einheit vorstehen, die sozialen Wohlstand für alle Kolumbianer bringen wird... Wenn wir wirtschaftliche und soziale Entwicklung haben wollen, müssen wir die Einheit unter uns aufbauen".

Friedensprozess mit der FARC

Ein zentrales und prägendes Projekt von Santos war der Versuch, den jahrzehntelangen Konflikt mit der Guerillaorganisation FARC zu beenden. Nach intensiven Verhandlungen, die unter anderem in Havanna stattfanden, wurde 2016 ein Friedensabkommen ausgehandelt. Das Abkommen behandelte Fragen wie Landreformen, politische Teilhabe ehemaliger Kämpfer, Drogenkriminalität, Entwaffnung und Mechanismen zur Aufarbeitung von Verbrechen während des Konflikts.

Der Weg zum Frieden war jedoch umstritten: Ein erster Referendumsentwurf wurde bei einem Volksentscheid knapp abgelehnt. Nach Überarbeitung wurde das Abkommen schließlich vom Kongress gebilligt und die Umsetzung begann. Teile der FARC gaben die Waffen ab und wandelten sich zu einer politischen Organisation. Für seine führende Rolle im Friedensprozess verlieh das norwegische Nobelkomitee Santos am 7. Oktober 2016 den Friedensnobelpreis.

Kontroversen und politische Folgen

Der Friedensprozess spaltete die kolumbianische Politik. Der früher enge Verbündete Álvaro Uribe war ein lautstarker Gegner des Abkommens und kritisierte es als zu nachgiebig gegenüber der FARC. Auch in der Bevölkerung und bei politischen Kräften gab es starken Widerstand, was zu einer langen und intensiven öffentlichen Debatte führte. Die Polarisierung wirkte sich auf die politische Landschaft aus und beeinflusste spätere Wahlen; nach Ende von Santos’ Amtszeit wurde er 2018 von dem konservativen Iván Duque Márquez abgelöst.

Auszeichnungen

Für seine Verdienste um den Friedensprozess erhielt Santos 2016 den Friedensnobelpreis. Die Auszeichnung würdigte seinen Einsatz, den mehr als fünfzigjährigen internen Konflikt in Kolumbien zu beenden.

Privatleben

Santos wurde 1951 geboren und ist (Stand 2026) 74 Jahre alt. Er ist mit María Clemencia Rodríguez de Santos, bekannt als "Tutina", verheiratet und hat drei Kinder.

Er schied am 7. August 2018 aus dem Amt und wurde durch den konservativen Iván Duque Márquez ersetzt.