Philippe von Frankreich, Sohn Frankreichs, Herzog von Orléans (21. September 1640 - 9. Juni 1701) war der jüngste Sohn Ludwigs XIII. von Frankreich und seiner königlichen Gemahlin Anna vonÖsterreich. Sein älterer Bruder war der berühmte Ludwig XIV.,le roi soleil. Am Hof seines Bruders war er als Monsieur bekannt.

Frühes Leben und Stellung am Hof

Philippe, geboren 1640, entstammte dem Haus Bourbon. Als jüngerer Bruder des Königs trug er den traditionellen Ehrentitel „Monsieur“, der am französischen Hof dem ältesten lebenden Bruder des regierenden Monarchen vorbehalten war. Obwohl er formal einer der ranghöchsten Herren im Reich war, blieb seine politische Macht aufgrund der starken Zentralisierung durch Ludwig XIV. begrenzt. Er führte jedoch ein eigenes großes Hof- und Haushaltswesen und nahm eine wichtige repräsentative Rolle am Hof von Versailles ein.

Ehen und Nachkommen

Ehen: Philippe war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe schloss er 1661 mit Henrietta Anne Stuart, einer Tochter Karls I. von England und Schwester Karls II. Diese Verbindung diente sowohl dynastischen als auch diplomatischen Interessen. Nach ihrem frühen Tod 1670 heiratete Philippe 1671 Elisabeth Charlotte von der Pfalz (genannt Liselotte), die als „Madame“ am Hof berühmt wurde und zahlreiche umfangreiche Briefe hinterließ, die heute wertvolle Quellen zur Hofgesellschaft am Ende des 17. Jahrhunderts sind.

Nachkommen: Aus diesen Ehen gingen Kinder hervor; die bekanntesten sind Marie Louise d’Orléans, die aus der ersten Ehe stammte und später Königin von Spanien wurde, sowie Philippe II., Herzog von Orléans (1674–1723), der Sohn aus der zweiten Ehe, der nach dem Tod Ludwigs XIV. als Regent für den jungen Ludwig XV. fungierte. Weitere Kinder starben teilweise sehr jung oder blieben in geringerer politischer Bedeutung; dennoch begründeten seine Nachkommen die Linie der Orléans, die später wiederholt eine Rolle in der französischen Thronfolge spielten.

Privatleben, Günstlinge und Persönlichkeit

Philippe war für seine elegante Lebensweise, seinen Hang zu Vergnügungen und seinen ausgeprägten Geschmack für Mode und Theater bekannt. Am Hof war er wegen seiner offenen Beziehungen zu männlichen Favoriten — insbesondere dem berüchtigten Chevalier de Lorraine — Gegenstand vieler Gerüchte und Konflikte. Diese Beziehungen, aber auch seine lebhafte Art, führten wiederholt zu Spannungen innerhalb der königlichen Familie und des Hofes.

Politik, Militär und kulturelles Wirken

Zwar stand Philippe politisch im Schatten des strengen Hofapparats Ludwig XIV., doch nahm er gelegentlich militärische und repräsentative Aufgaben wahr. Bedeutender war sein Beitrag als Mäzen: Er förderte Theater, Musik und die höfische Kultur und trug so zur Entwicklung des höfischen Lebens unter dem Sonnenkönig bei. Seine Residenzen und sein Hof hielten Beispielcharakter für Mode und Etikette am Versailler Hof.

Tod und Vermächtnis

Philippe starb am 9. Juni 1701. Er wurde wie viele Angehörige des französischen Königshauses in der Basilika Saint-Denis beigesetzt. Sein historisches Vermächtnis liegt weniger in eigenständiger politischer Macht als in seiner Rolle als Stammvater der Linie der Orléans, in seinem Einfluss auf das höfische Leben Ludwigs XIV. sowie in den Briefen und Erinnerungen seiner Frau Elisabeth Charlotte, die ein lebendiges Bild der Zeit vermitteln. Die Orléans-Linie spielte in späteren Jahrhunderten eine wichtige Rolle in der französischen Geschichte, unter anderem mit dem König Louis-Philippe (regierte 1830–1848), einem Nachfahren Philipps.