Der O. Henry Award wird für besonders gute Kurzgeschichten vergeben. Der Preis wird jährlich verliehen und ist nach dem amerikanischen Kurzgeschichtenautor O. Henry (William Sydney Porter) benannt. Er würdigt kurze erzählerische Formen von hoher sprachlicher und erzählerischer Qualität und hat sich als eine der wichtigsten Auszeichnungen für Kurzprosa in Nordamerika etabliert.

Auswahlverfahren

Üblicherweise sichtet ein oder mehrere Herausgeber die in Zeitschriften erschienenen Beiträge des Jahres und wählen daraus eine Zusammenstellung der besten Einsendungen. Aus dieser Auswahl bestimmt ein Gastjuror – meist eine etablierte Schriftstellerin oder ein etablierter Schriftsteller – die endgültigen Preisträger. Traditionell wurden einmal „erste“, „zweite“ und „dritte“ Preise vergeben; in späteren Jahren setzte sich jedoch häufiger die Praxis durch, ohne feste Rangfolge mehrere besonders herausragende Geschichten herauszuheben.

PEN/O. Henry Prize Stories – die jährliche Anthologie

Der PEN/O. Henry Prize Stories ist eine jährlich erscheinende Anthologie, die zwanzig der besten Geschichten des Jahres aus amerikanischen und kanadischen Zeitschriften in englischer Sprache versammelt. Die Sammlung bietet neben den ausgewählten Texten meist eine Einleitung, Informationen zu Autorinnen und Autoren sowie Hinweise auf die ursprüngliche Erstveröffentlichung. Durch die Aufnahme in die Anthologie erreichen die Geschichten ein größeres Publikum und die Autorinnen und Autoren erhalten oft verstärkte Aufmerksamkeit in Literaturkritik und Verlagswelt.

Name und Nomenklatur

Formal heißt die Auszeichnung „The O. Henry Award“ und nicht „O. Henry Prize“, obwohl die Anthologie traditionell unter dem Titel „O. Henry Prize Stories“ beziehungsweise in Kooperation mit PEN unter dem Namen „PEN/O. Henry Prize Stories“ erschienen ist. Diese unterschiedliche Bezeichnung von Preis und Anthologie hat historisch zu Verwirrung geführt, ist aber fest etablierter Bestandteil der Preisgeschichte.

Bedeutung und Wirkung

  • Der Preis fördert die Kurzgeschichte als literarische Form und hilft Nachwuchsautorinnen und -autoren, ein größeres Publikum zu erreichen.
  • Viele heute bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller wurden früh durch die Aufnahme in die O. Henry-Anthologie einer breiteren Leserschaft bekannt.
  • Die Anthologie dient Lesenden als Übersicht über aktuelle Entwicklungen und Trends in der angloamerikanischen Kurzprosa.

Weitere Details zu aktuellen Herausgebern, Jury-Mitgliedern und den diesjährigen Auszeichnungen finden sich in den jeweiligen Jahrgängen der Anthologie und auf den dazugehörigen Verlagsseiten.