Centwine († 685) war König von Wessex von ca. 676 bis 685. Er scheint einer von mehreren Untergebenen des Herrschaftsbereichs Wessex nach dem Tod von Cenwalh gewesen zu sein. Irgendwann vereinigte er jedoch das Königreich Wessex unter seiner Herrschaft.
Herkunft und Quellenlage
Über Centwines Herkunft und Familienverhältnis ist wenig Sicheres überliefert; zeitgenössische Quellen nennen ihn nicht ausführlich. Die wichtigsten Nachrichten stammen aus der Anglo-Saxon Chronicle und aus späteren mittelalterlichen Chroniken (z. B. William of Malmesbury). Der englische Kirchenschreiber Beda berichtet allgemein, dass nach dem Tod von Cenwalh mehrere subreguli („Unterkönige“) in Wessex herrschten; aus dieser Zeit treten Gestalten wie Centwine hervor, deren genaue Herkunft oft unsicher bleibt.
Aufstieg und Herrschaft
Nach dem Tod Cenwalhs (um 672) war Wessex offenbar politikgeschichtlich zersplittert. Centwine tritt in den Überlieferungen als König auf, der um 676 die Oberherrschaft gewann und für etwa zehn Jahre regierte. Die Anglo-Saxon Chronicle gibt ihm eine Regierungszeit von ungefähr zehn Jahren, weshalb sein Herrschaftsbeginn meist um 676 und sein Ende um 685 datiert wird.
Während seiner Herrschaft gelang es Centwine offenbar, die rivalisierenden Unterkönige zurückzudrängen und die Teilherrschaften wieder zu einer zentraleren Königsmacht zu verbinden. Deshalb wird ihm oft die Rolle eines Reichseiniger zugeschrieben, auch wenn die genauen Abläufe und Ausmaße seiner Konsolidierung nicht detailliert überliefert sind.
Krieg gegen die Briten
Die Quellen erwähnen, dass Centwine militärisch gegen die britischen (kymrischen) Nachbarn vorging. In einigen Einträgen der Chronik und späteren Darstellungen ist die Rede davon, er habe „die Briten vertrieben“ bzw. in Kämpfen geschlagen. Diese Auseinandersetzungen gehören in den länger andauernden Grenzkonflikt zwischen angelsächsischen Herrschaften und den keltischen Königreichen im Westen (z. B. Cornwall, Devon, Somerset).
Nachfolge, Tod und spätere Traditionen
Das Ende von Centwines Herrschaft ist unsicher: Die Chroniken melden sein Ende um 685. In einigen späteren Quellen findet sich die Angabe, Centwine sei ins Kloster gegangen; solche Rückzugs- oder Abtretungstraditionen sind bei frühmittelalterlichen Königen nicht ungewöhnlich, lassen sich hier aber nicht eindeutig belegen. Nach Centwine setzt sich mit Cædwalla (Cædwalla von Wessex) eine neue kraftvolle Dynastie durch, die schließlich die weitere Konsolidierung Wessex’ vorantrieb.
Bedeutung und Forschung
- Politische Bedeutung: Centwine gilt als eine Schlüsselfigur in der Phase der Wiedervereinigung Wessex’ nach einer Zeit der Zersplitterung.
- Quellenkritik: Die Nachrichten über Centwine sind bruchstückhaft und werden in den mittelalterlichen Chroniken oft nur knapp erwähnt; viele Angaben beruhen auf späteren Zusammenfassungen und Rekonstruktionen.
- Forschung: Moderne Historiker sehen Centwine als Teil des Prozesses, durch den Wessex sich von einer lockeren Ansammlung lokaler Herrschaften zu einem territorial konsolidierteren Königreich entwickelte.
Quellen und weiterführende Literatur
Die wichtigsten Primärquellen sind die Anglo-Saxon Chronicle und die Erwähnungen bei Beda; später berichten Chronisten wie William of Malmesbury ergänzend. Für eine moderne Einordnung empfehlen sich Überblicksdarstellungen zur Geschichte der angelsächsischen Könige und speziell zu Wessex (z. B. Arbeiten von Barbara Yorke und anderen Forschern der Frühzeit Englands).