Chandrayaan-2, was so viel bedeutet wie "Mondhandwerk" oder "Mondfahrzeug" (Aussprache (Hilfe-Info)) ist nach Chandrayaan-1 die zweite Mondmission Indiens. Die von der Indian Space Research Organisation (ISRO) durchgeführte Mission wurde am 22. Juli 2019 um 14.43 Uhr IST (09.13 Uhr UTC) von der zweiten Startrampe am Satish Dhawan Space Centre mit einer geosynchronen Satelliten-Trägerrakete Mark III (GSLV Mk III) zum Mond gestartet.
Aufbau der Mission
Chandrayaan-2 bestand aus drei Hauptkomponenten:
- Orbiter: Ein Satellit, der in einer Umlaufbahn um den Mond verbleibt und mit mehreren wissenschaftlichen Instrumenten die Oberfläche, Mineralogie, Topographie und mögliche Wassereis-Vorkommen untersucht.
- Lander "Vikram": Ein landefähiges System, benannt nach dem indischen Raumfahrtpionier Vikram Sarabhai. Der Lander sollte eine weiche Landung in der Nähe des südlichen Polgebiets durchführen.
- Rover "Pragyan": Ein kleiner, mobil fahrender Rover (Name bedeutet "Weisheit"), der nach der Landung lokale Analysen der Bodenbeschaffenheit und Zusammensetzung durchführen sollte.
Ziele der Mission
- Erforschung der regionen um den Südpol des Mondes, die wegen dauerhaft beschatteter Krater als vielversprechend für Wassereis gelten.
- Kartierung der Mondoberfläche, Untersuchung der Mineralogie und Bestimmung der chemischen Zusammensetzung.
- Untersuchung der Exosphäre und Messung thermischer Eigenschaften des Bodens.
- Technologieerprobung für weiche Landungen und mobiles Arbeiten auf der Mondoberfläche.
Ablauf und gescheiterte Landung
Nach erfolgreichem Einbringen des Orbiters in die geplante Umlaufbahn wurden Lander und Rover separiert, um den Landeanflug vorzubereiten. Die Landung der Mission wurde für den 7. September 2019 um 01.55 Uhr IST (6. September 2019, 20.25 Uhr UTC) erwartet. Während des finale[n] Bremsmanövers ging jedoch die Kommunikation mit dem Lander ab einer Höhe von etwa 2100 Metern verloren. ISRO berichtete, dass der Kontakt während der Endphase der Landung abgestürzt sei; damit konnte die beabsichtigte weiche Landung nicht vollendet werden.
Ergebnisse und Folgen
- Auch wenn die Landung von Vikram nicht gelang, war die Mission teilweise erfolgreich: Der Orbiter erreichte seine Umlaufbahn planmäßig und setzte seine wissenschaftliche Arbeit fort. Er lieferte wertvolle Daten zur Kartierung der Mondoberfläche und zur Suche nach Wassereis.
- Internationale Beobachtungen und Analysen – unter anderem Bilder des Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) der NASA – trugen später dazu bei, den Landeort und Trümmer des Landers zu identifizieren.
- Das Scheitern der Landung führte zu einer umfassenden Analyse durch die ISRO, die Ursachenforschung und Lehren für die Planung künftiger Missionen lieferte. Auf dieser Basis wurden Folgeprojekte konzipiert, um eine erneute Landungsanstrengung zu unternehmen.
Bedeutung
Hätte die Landung geklappt, wäre Indien nach den Raumfahrtbehörden der USA, der UdSSR und Chinas das vierte Land gewesen, das eine weiche Landung auf dem Mond erreicht. Unabhängig vom Ausgang der Landung gilt Chandrayaan-2 als wichtiger technologischer und wissenschaftlicher Schritt für die indische Raumfahrt: Die Mission demonstrierte die Fähigkeit, komplexe Orbitalmanöver durchzuführen, lieferte umfangreiche Daten aus dem Orbit und legte die Grundlage für spätere, erfolgreiche Landungsversuche.