Chemische Nomenklatur: IUPAC-Regeln zur Benennung chemischer Verbindungen

IUPAC-Nomenklatur: Regeln zur systematischen Benennung organischer und anorganischer Verbindungen — kompakt, praxisnah und aktuell.

Autor: Leandro Alegsa

Eine chemische Nomenklatur ist eine Reihe von Regeln zur Schaffung eines Systems von Bezeichnungen ("Nomenklatur") für Chemikalien. Ziel ist, dass jede Verbindung weltweit eindeutig, eindeutig interpretierbar und möglichst kurz benannt werden kann, sodass Forscher, Lehrende, Industrielle und Behörden denselben Namen für dieselbe Chemikalie verwenden. Das heute weltweit am häufigsten verwendete System ist das von der International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC) geschaffene und weiterentwickelte System.

Die Regeln der IUPAC für die Benennung chemischer Verbindungen sind in einer Reihe von Büchern und Empfehlungen niedergelegt. Das System zur Benennung organischer Verbindungen ist im Blauen Buch beschrieben. Das System für die Benennung anorganischer Verbindungen ist im Roten Buch beschrieben. Ein drittes Buch, das Grüne Buch, enthält Empfehlungen für die Verwendung von Symbolen für physikalische Größen. Ein viertes Buch, das Goldene Buch, enthält die Definitionen vieler der in der Chemie verwendeten Fachbegriffe. Für spezielle Gebiete — etwa Biochemie, analytische Chemie, makromolekulare Chemie und klinische Chemie — existieren ergänzende Empfehlungen und Kompendien. Da die Bücher nicht jeden Einzelfall abdecken können, erscheinen ergänzende Kurzempfehlungen und Aktualisierungen auch in Fachzeitschriften wie Pure and Applied Chemistry.

Wesentliche Ziele und Prinzipien der IUPAC-Nomenklatur

  • Eindeutigkeit: Ein Name soll genau eine Verbindung bezeichnen.
  • Systematik: Strukturmerkmale sollen durch einheitliche Endungen, Präfixe und Nummerierungen wiedergegeben werden.
  • Globalität: Namen sollen international verständlich und sprachunabhängig interpretierbar sein.
  • Präferenz für systematische Namen: Bei mehreren möglichen Namen wird ein Prefered IUPAC Name (PIN) vergeben, der offiziell empfohlen wird.
  • Praktikabilität: Triviale oder historische Namen dürfen dort erhalten bleiben, wo sie weit verbreitet sind und keine Verwechslung verursachen.

Grundregeln für organische Verbindungen (Kurzüberblick)

  • Elternstruktur und Substituenten: Der längste Kohlenstoffkette bildet den Stammnamen (z. B. -ane, -ene, -yne). Substituenten werden als Präfixe mit Nummern (Lokalprozenten) angegeben.
  • Nummerierung: Die Kette wird so nummeriert, dass die funktionelle Gruppe und die Substituenten die niedrigsten möglichen Positionsnummern erhalten.
  • Priorität funktioneller Gruppen: Funktionelle Gruppen bestimmen oft die Endung (-ol, -al, -on, -säure etc.) und haben Priorität bei der Benennung gegenüber Alkyl-Substituenten.
  • Stereochemie: Konfigurationen werden mittels CIP-Regeln (R/S) und Doppelbindungsgeometrie (E/Z) angegeben; bei Cyclen und anderen Systemen gelten zusätzliche Regeln.
  • Komplexe Systeme: Für Polyfunktionalität, Heteroatome, konjugierte Systeme oder Spiro-/Fused-Ringe existieren spezielle Regeln zur Auswahl der Elternstruktur und der Namensbildung.

Grundregeln für anorganische Verbindungen (Kurzüberblick)

  • Oxidationszahlen: Bei vielen Verbindungen werden Oxidationszahlen in römischen Ziffern angegeben (z. B. Eisen(III)-chlorid).
  • Liganden in Koordinationsverbindungen: Liganden werden alphabetisch gelistet; neutrale Liganden und Anionen haben unterschiedliche Schreibweisen (z. B. ammine, chlorido).
  • Ionen und Salze: Kationen werden vor Anionen genannt; bei Hydraten oder Komplexsalzen gibt es definierte Formate.
  • Binäre Verbindungen: Für einfache binäre Verbindungen werden oft Endungen wie -id (z. B. Natriumchlorid) verwendet; alternative systematische Namen können nach dem elektronegativeren Prinzip gebildet werden.

Spezielle Aspekte: Stereochemie, Isotope, Polymer- und Biomolekülnamen

  • Stereochemische Kennzeichnung: Die IUPAC gibt Regeln zur Bezeichnung von R/S (chirale Zentren), E/Z (Doppelbindungen), sowie relative und absolute Konfigurationen.
  • Isotopenkennzeichnung: Isotope werden mit Massenzahlen vor dem Elementsymbol angegeben (z. B. [13C]Glucose), oft wichtig in NMR-, Massenspektrometrie- oder Tracer-Anwendungen.
  • Makromoleküle und Polymere: Es gibt spezielle Namenskonventionen für Polymere, Monomere und Copolymere sowie für die Darstellung von Makromolekularstrukturen.
  • Biochemische Stoffe: Für Aminosäuren, Nukleotide, Peptide und andere Biomoleküle existieren ergänzende Regeln und vielfach übliche Trivialnamen, die weiter verwendet werden dürfen, wenn sie etabliert sind.

Praktische Hinweise und Beispiele

  • Bei Unsicherheit empfiehlt es sich, den Preferred IUPAC Name (PIN) zu verwenden — dieser ist in Datenbanken und den IUPAC-Publikationen oft angegeben.
  • Triviale Namen (z. B. Wasser, Aceton, Benzol) sind gebräuchlich; die IUPAC gibt jedoch auch systematische Entsprechungen (z. B. Oxidane für Wasser), die seltener praktisch genutzt werden.
  • Publikationen, Datenbanken und Labors sollten konsistente Nomenklatur verwenden; besonders in formellen Dokumenten (Patente, Sicherheitsdatenblätter, Regulierungsdokumente) sind IUPAC-konforme Namen empfohlen.

Quellen, Weiterführende Literatur und Updates

Die IUPAC-Richtlinien werden regelmäßig überarbeitet. Für verlässliche und aktuelle Informationen sind die jeweiligen IUPAC-Bücher (z. B. Blaues Buch, Rotes Buch) sowie die Veröffentlichungen in der Zeitschrift Pure and Applied Chemistry die primären Referenzen. Für den Alltag sind zudem elektronische Ressourcen und Datenbanken nützlich, die PINs und empfohlene Schreibweisen bereitstellen.

Bei spezifischen Fragestellungen zur Benennung einer Verbindung (z. B. unübliche Substituenten, komplexe Koordinationsverbindungen, Mehrfachfunktionalität) lohnt sich die Konsultation der entsprechenden IUPAC-Kompendien oder gezielte Fachliteratur, da die Regeln zahlreiche Ausnahmen und Sonderfälle enthalten.

Erste Seite von Antoine Lavoisier's Chymical Nomenclature in englischer Sprache.Zoom
Erste Seite von Antoine Lavoisier's Chymical Nomenclature in englischer Sprache.

Fragen und Antworten

Q: Was ist eine chemische Nomenklatur?


A: Eine chemische Nomenklatur ist ein System von Regeln für die einheitliche Benennung von Chemikalien.

F: Warum ist eine chemische Nomenklatur wichtig?


A: Eine chemische Nomenklatur ist wichtig, damit jeder den gleichen Namen für eine Chemikalie verwendet.

F: Wer hat das am häufigsten verwendete System der chemischen Nomenklatur geschaffen?


A: Die Internationale Union für reine und angewandte Chemie (IUPAC) hat das am häufigsten verwendete System für die chemische Nomenklatur geschaffen.

F: Wo sind die Regeln für die Benennung von chemischen Verbindungen zu finden?


A: Die Regeln für die Benennung von chemischen Verbindungen finden Sie in einer Reihe von Büchern, die von der IUPAC erstellt und entwickelt wurden.

F: Wie lauten die Namen der Bücher, die die Regeln für die Benennung organischer und anorganischer Verbindungen enthalten?


A: Das System zur Benennung von organischen Verbindungen ist im Blauen Buch und das System zur Benennung von anorganischen Verbindungen im Roten Buch beschrieben.

F: Was ist das Grüne Buch?


A: Das Grüne Buch enthält Empfehlungen für die Verwendung von Symbolen für physikalische Größen.

F: Was ist das Goldene Buch?


A: Das Goldene Buch enthält die Definitionen für viele der in der Chemie verwendeten Fachbegriffe.


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