Maspok (nach Masovni pokret (kroatisch), d. h. Massenbewegung) oder kroatischer Frühling war eine nationalistische und in Teilen auch sezessionistische Bewegung in der Sozialistischen Republik Kroatien, Jugoslawien im Jahr 1971. Ziel der Bewegung war langfristig ein eigenständiger kroatischer Staat. Zu den ursprünglichen Forderungen gehörten insbesondere die stärkere Betonung und der ausschließliche Gebrauch der kroatischen Standardsprache in der Verwaltung und im öffentlichen Leben, die Erklärung Kroatiens zum Nationalstaat der Kroaten sowie historische Bezüge auf das mittelalterliche kroatische Königreich. Die Maspok-Bewegung wurde von einem großen Teil der kroatischen Kommunisten, der politischen Führung der kroatischen Republik und der Auswanderung der Ustaše in den Westen unterstützt.

Ursachen und Forderungen

Die Bewegung entstand vor dem Hintergrund wachsender regionaler Spannungen innerhalb Jugoslawiens, wirtschaftlicher Probleme und kultureller Identitätsfragen. Wichtige Forderungen und Themen waren:

  • Stärkung der kroatischen Sprache und Kultur sowie die Anerkennung ihrer besonderen Stellung gegenüber dem Serbokroatischen.
  • Mehr politische und wirtschaftliche Autonomie für die Sozialistische Republik Kroatien, etwa bei Verwaltung, Industriepolitik und der Verwendung von Einnahmen.
  • Bessere Vertretung Kroatiens in föderalen Organen und in den Streitkräften.
  • Rückkehr bzw. Rehabilitation von Mitgliedern der kroatischen Emigration sowie ein offeneres Verhältnis zur kroatischen Geschichte.
  • In Teilen der Bewegung spielte auch eine Revision historischer und staatlicher Beziehungen innerhalb Jugoslawiens eine Rolle, bis hin zu Forderungen nach Unabhängigkeit.

Verlauf und Akteure

Die Bewegung erreichte ihren Höhepunkt im Frühjahr und Sommer 1971. Zu den bekanntesten Führungspersönlichkeiten gehörten Reformkräfte innerhalb der kroatischen Kommunistischen Partei wie Savka Dabčević-Kučar und Miko Tripalo, die breite Unterstützung unter Intellektuellen, Studenten, Teilen der Partei und der Bevölkerung fanden. Öffentliche Kundgebungen, Demonstrationen sowie Presseartikel und Petitionen kennzeichneten die Proteste. Die Debatte um die Sprache wurde bereits seit den 1960er Jahren geführt (u. a. die Deklaracija o nazivu i položaju hrvatskog književnog jezika von 1967) und trug zur Mobilisierung bei.

Reaktion der föderalen Führung und Niederschlagung

Die Führung der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien unter Josip Broz Tito reagierte zunehmend besorgt über die nationalistischen Tendenzen. Ende 1971 kam es zu einer konzertierten Aktion der föderalen und jugoslawischen kommunistischen Führung, die Bewegung zu bremsen und als Gefahr für die Einheit Jugoslawiens darzustellen. Maßnahmen umfassten:

  • Entlassungen und Marginalisierung führender Reformpolitiker in Kroatien; einige wurden gezwungen zurückzutreten.
  • Zensur, Verhaftungen und strafrechtliche Verfolgung von aktiven Nationalisten und bestimmten Intellektuellen (darunter später auch prominente Figuren wie Franjo Tuđman).
  • Wiederherstellung stärkerer zentraler Kontrolle in sensiblen Bereichen und eine gezielte Schwächung organisationsfähiger nationaler Strukturen.

Folgen und Bedeutung

  • Kurzfristig führte die Niederschlagung der Bewegung zu einer politischen Säuberung in Kroatien und zu einer stärkeren Kontrolle durch die föderale Partei. Viele Aktivisten verloren ihre Ämter, einige wurden inhaftiert, andere gingen ins Exil.
  • Langfristig beeinflusste der kroatische Frühling die nationale Identität und die Politik in Kroatien. Forderungen nach größerer Autonomie blieben ein Thema und trugen zu den politischen Spannungen in den folgenden Jahrzehnten bei.
  • Als indirekte Folge wurden in den 1970er Jahren verfassungsrechtliche Änderungen diskutiert und 1974 eine neue jugoslawische Verfassung verabschiedet, die den Teilrepubliken mehr Kompetenzen einräumte. Diese Entwicklung verstärkte jedoch zugleich die föderative Fragmentierung, die später in den 1990er Jahren eine Rolle bei den Unabhängigkeitsbestrebungen spielte.

Bewertung

Historisch wird der Maspok ambivalent bewertet: Für viele Kroaten symbolisierte er den legitimen Kampf um sprachliche, kulturelle und wirtschaftliche Rechte; für andere stellte er eine gefährliche nationalistische Bewegung dar, die die fragile Einheit Jugoslawiens bedrohte. Die Bewegung verband unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen — von kommunistischen Reformern über Intellektuelle und Studenten bis hin zu Teilen der Emigration — und hatte deshalb heterogene Ziele und Folgen.