Der Jangtse-Stör (Acipenser dabryanus), auch als Dabry-Stör bekannt, gehört zur Familie der Acipenseridae und zur Ordnung der Acipenseriformes. Er gilt als eine urtümliche Fischart, deren Vorfahren bereits zur Zeit der Dinosaurier existierten und die deshalb oft als lebendes Fossil bezeichnet wird. Der Dabry-Stör wird von der chinesischen Regierung streng geschützt und gilt in China als besonders wertvoller "Nationalschatz".
Merkmale
Der Körper ist langgestreckt und mit fünf Reihen von Knochenplatten (Scutes) bestückt. Typisch sind die lange, nach vorne weisende Schnauze, die paarigen Barteln vor dem Maul und der unterständige Mund, mit dem der Stör am Gewässerboden nach Nahrung sucht. Nach Berichten können Störe dieser Gattung mehrere Meter lang werden; einzelne große Exemplare mit mehreren hundert Kilogramm Gewicht wurden dokumentiert. In freier Natur sind jedoch adulte Tiere meist deutlich kleiner.
Lebensraum und Verbreitung
Historisch war der Dabry-Stör vor allem in den Hauptströmen des Jangtse-Flusses verbreitet. Heute ist seine Verbreitung stark eingeschränkt; viele ehemals besiedelte Flussabschnitte sind aufgrund von Bauwerken, Verschmutzung und Lebensraumverlust nicht mehr bewohnbar.
Lebensweise und Ernährung
Im Gegensatz zu manchen anderen Störarten, die anadrom leben (im Meer aufwachsen und im Süßwasser laichen), ist der Dabry-Stör überwiegend an das Süßwasser des Jangtse und seiner Zuflüsse gebunden und zeigt eher flussgebundene Wanderbewegungen (potamodrom). Er ernährt sich überwiegend benthisch: Kleine wirbellose Tiere, Insektenlarven, Krebstiere, Würmer und gelegentlich kleine Fische werden mit dem unterständigen Maul vom Boden aufgenommen.
Fortpflanzung
Störe zeichnen sich durch späte Geschlechtsreife und relativ geringe Reproduktionsraten im Vergleich zu vielen anderen Fischen aus. Sie laichen in fließenden Abschnitten mit kiesigem oder steinigem Untergrund; die Eier kleben am Substrat. Diese Lebensweise macht die Art besonders empfindlich gegenüber Veränderungen im Flusslauf und anhaltender Verbauung.
Bedrohungen
Der Dabry-Stör ist stark gefährdet. Ursachen für den starken Rückgang sind vor allem:
- Verbauung der Flüsse (Wehre, Staudämme) – Verlust und Fragmentierung der Laich- und Aufwuchsgebiete, gestörte Wanderwege
- Verschmutzung durch Industrie- und Haushaltsabwässer
- übermäßiger Fischfang und Beifang
- Sandentnahme und veränderte Sedimentdynamik
- Schiffsverkehr und Lärmbelastung
Schutz und Erhaltungsmaßnahmen
Wegen des stark geschrumpften Bestandes wurden Schutzmaßnahmen ergriffen: rechtliche Schutzbestimmungen, Fangverbote, Schutzgebiete und vor allem Nachzuchtprogramme in Gefangenschaft mit anschließender Auswilderung. Forschungseinrichtungen und Naturschutzorganisationen arbeiten an Monitoring-Programmen, Wiederherstellung von Lebensräumen und an Maßnahmen, um die Laichplätze zu schützen oder wiederherzustellen.
Bedeutung
Neben seiner ökologischen Rolle als Benthosfresser hat der Dabry-Stör auch kulturelle und wissenschaftliche Bedeutung. Als eines der wenigen noch überlebenden "lebenden Fossilien" liefert er wichtige Einblicke in die Evolution urtümlicher Fischgruppen. Der starke Rückgang der Art ist zudem ein Warnsignal für die ökologische Gesundheit großer Flusssysteme wie des Jangtse.
Zusammengefasst: Der Dabry-Stör (Acipenser dabryanus) ist eine auffällige, ehemals weitverbreitete Störart des Jangtse, die durch menschliche Eingriffe akut bedroht ist. Schutzmaßnahmen, insbesondere Nachzucht und Lebensraumrenaturierung, sind entscheidend, um ein Aussterben zu verhindern.