Durrington Walls – Neolithische Großsiedlung und Henge bei Stonehenge
Durrington Walls: Riesige neolithische Siedlung und Henge bei Stonehenge – Entdecke 1.000 Häuser, rund 90 Steine und das größte Jungsteinzeit-Monument in Nordeuropa.
Durrington Walls ist die Stätte einer großen neolithischen Siedlung und später eines Henge-Geheges im Weltkulturerbe Stonehenge. Es liegt etwa 2 Meilen nordöstlich von Stonehenge in der Gemeinde Durrington, wenige Kilometer nördlich von Amesbury.
Archäologische Funde und Datierung
Ausgrabungen, Vermessungen und großflächige Fernerkundung haben gezeigt, dass Durrington Walls mehr als nur ein Erdwerk ist: In mehreren Kampagnen wurden Reste einer umfangreichen Siedlung freigelegt. Ein Team publizierte 2013 Ergebnisse, nach denen etwa 1.000 Häuser nachgewiesen wurden; daraus wurde eine maximale Bevölkerungszahl von schätzungsweise 4.000 Personen zu bestimmten Zeiten abgeleitet. Die Besiedlung wurde auf etwa 2600 v. Chr. datiert, also in die Zeit, als auch der größte Teil von Stonehenge seine heutige Gestalt erhielt.
Größe und Aufbau des Henge
Das sichtbare Merkmal von Durrington Walls sind die noch erkennbaren Erdwälle des Henge. Das Monument bildet heute einen breiten Bergrücken, der ein zentrales flaches Becken umschließt. Ursprünglich war der Graben beträchtlich: er hatte an manchen Stellen eine Tiefe von etwa 5,5 m, war am Grund rund 7 m und an der Oberkante bis zu 18 m breit; die Böschungen (Ufer) konnten stellenweise 30 m messen. Durch das Ufer und den Graben führten zwei Hauptzugänge im Nordwesten und Südosten. Innerhalb des Henge wurden mehrere Holzkreise und kleinere Einfriedungen angelegt; nicht alle dieser Strukturen sind vollständig ausgegraben.
Siedlung, Häuser und Lebensweise
Neben und unter dem Ostufer des Henge sind zahlreiche neolithische Hausböden erhalten. Die hohe Dichte dieser Befunde deutet darauf hin, dass sich an diesem, zum Fluss hin abfallenden Ufer ein sehr großes Dorf befand. Die in Durrington gefundenen Häuser sind in der Regel langrechteckige Holzhäuser (longhouses), deren Grundrisse und Pfostenlöcher Aufschluss über die Siedlungsorganisation geben. Archäologische Befunde wie Keramik (unter anderem der Grooved-Ware-Typ), Feuerstellen und Abfallgruben zeigen Alltagstätigkeiten und Handwerk.
Festmahle, Tierknochen und soziale Funktionen
Bei den Ausgrabungen wurden umfangreiche Tierknochenansammlungen gefunden, vor allem von Schweinen, daneben Schafe, Rinder und Wild. Die Menge und Zusammensetzung der Knochen spricht für groß angelegte gemeinschaftliche Festmahle und saisonal wiederkehrende Versammlungen – ein Hinweis darauf, dass Durrington Walls nicht nur dauerhaft bewohnt, sondern auch als Versammlungs- und Ritualort genutzt wurde. Einige Forscher sehen in Durrington die „Lebens“-Komponente im Gegensatz zu Stonehenge, das mit Ahnenverehrung und dem Tod in Verbindung gebracht wird.
Steinreihen, Holzkreise und versteckte Monumente
Fernerkundung und geophysikalische Methoden haben unter anderem Hinweise auf zahlreiche Pfostengruben, Grubenfelder sowie auf weitere monumentale Elemente wie Holzkreise erbracht. In mehreren Studien – darunter das Stonehenge Hidden Landscapes-Projekt – wurden Hinweise auf bis zu fast 100 unterirdische Steinstrukturen dokumentiert. 2015 meldeten Forscher den Nachweis einer leicht gekrümmten Reihe von etwa 90 stehenden Steinen rund einen Meter unter der Oberfläche; diese Entdeckung beruht auf Methoden wie bodendurchdringendem Radar (GPR) und Magnetometrie. Ob dieses Steindenkmal zeitlich mit dem frühen Stonehenge korrespondiert oder einer anderen Phase angehört, bleibt bislang unsicher und ist Gegenstand laufender Forschung.
Beziehung zu Stonehenge und zur Landschaft
Durrington Walls liegt knapp 3 km (zwei Meilen) von Stonehenge entfernt und steht in engem topographischen und vermutlich auch rituellen Zusammenhang mit dem Steinkreis sowie mit dem Fluss Avon. Ausgrabungen und das Stonehenge Riverside Project deuteten darauf hin, dass beide Orte Teil eines größeren kultischen Komplexes waren: Durrington könnte als Ort lebendiger, gemeinschaftlicher Feste und Bauaktivitäten fungiert haben, während Stonehenge eine Rolle bei Bestattungs- und Ahnenritualen spielte. Sichtachsen, Wege und Wasserstraßen scheinen bei Prozessionen und Transporten eine Rolle gespielt zu haben.
Forschungsstand, Methoden und Bedeutung
Die Erforschung von Durrington Walls kombiniert klassische Grabung, Stratigraphie und Datierung (z. B. Radiokarbondatierung) mit nicht-invasiven Methoden wie LIDAR, Magnetik, Widerstand und GPR. Dank dieser Methoden konnten großflächige Strukturpläne erstellt werden, ohne jede Stelle aufwändig auszugraben. Forscher bezeichnen Durrington Walls als eines der größten neolithischen Siedlungszentren Nordeuropas und als die größte in Großbritannien (Durchmesser des Henge rund 500 m). Neuere Befunde stützen die Auffassung, dass Durrington ein komplementäres Monument zu Stonehenge war und zentrale Aspekte neolithischer Gesellschaften – Loyalität, Rituale, Mobilität und Monumentalität – sichtbar macht.
Erhaltung und Zugang
Die Bodendenkmäler sind empfindlich; deshalb werden viele Bereiche nur gezielt ausgegraben und ansonsten durch geophysikalische Prospektion dokumentiert. Durrington Walls ist Teil des geschützten Stonehenge-Landschaftsraums; Besucher können Teile der Umgebung besichtigen, wobei Zugänge und Schutzmaßnahmen von den Verantwortlichen des Denkmals gesteuert werden.
Hinweis: Die Forschung an Durrington Walls ist aktiv und Ergebnisse werden fortlaufend ergänzt. Interpretationen zu Funktion, Chronologie und Zusammenhängen mit Stonehenge entwickeln sich mit neuen Daten weiter.
Fragen und Antworten
F: Was ist Durrington Walls?
A: Durrington Walls ist der Standort einer großen neolithischen Siedlung und einer späteren Henge-Einfriedung in der Stonehenge World Heritage Site. Sie liegt 2 Meilen nordöstlich von Stonehenge in der Gemeinde Durrington, etwas nördlich von Amesbury.
F: Wie viele Häuser wurden in der Siedlung gefunden?
A: Ausgrabungen im Jahr 2013 ergaben, dass es in der Siedlung 1.000 Häuser gab, die einst eine Bevölkerung von 4.000 Menschen beherbergt hätten.
F: Auf wann wurde das Dorf mit Kohlenstoff datiert?
A: Das Dorf wurde auf etwa 2600 v. Chr. datiert.
F: Welche Technologie wurde eingesetzt, um Beweise für fast 100 Steine ohne Ausgrabungen zu finden?
A: Mit Hilfe von Fernerkundung und geophysikalischen Bildgebungsverfahren konnten fast 100 Steine gefunden werden, ohne dass Ausgrabungen erforderlich waren.
F: Was ist heute noch von den Durrington Walls zu sehen?
A: Was von Durrington Walls heute noch sichtbar ist, sind die 'Mauern' oder der Bergrücken, der ein zentrales Becken umgibt, das ursprünglich einen Graben hatte, der unten 5,5 m tief und 7 m breit und oben 18 m breit war, mit einem Ufer, das in einigen Bereichen 30 m breit war. Es gibt zwei Eingänge durch diese Böschung und den Graben - einen auf jeder Seite - sowie mehrere Holzkreise und kleinere Einfriedungen, von denen noch nicht alle ausgegraben worden sind.
F: Was liegt unter Durrington Walls? A: Etwa einen Meter unter Durrington Walls befinden sich die Überreste von etwa 90 stehenden Steinen, die 2015 mit Hilfe spezieller archäologischer Forschungsinstrumente wie dem Bodenradar gefunden wurden. Die Wissenschaftler wissen noch nicht, ob dieses Merkmal aus einer früheren Zeit als Stonehenge stammt oder nicht.
F: Wie groß ist das Henge-Monument im Vergleich zu anderen Henges in Großbritannien? A: Mit einem Durchmesser von 500 m ist das Henge-Monument in Durrington Walls vermutlich komplementär zu Stonehenge und ist außerdem das größte Henge-Monument in Großbritannien.
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