Elfen – Wesen, Ursprung und Darstellung in Mythologie und Folklore
Elfen: Ursprung, Wesen und Darstellung in Mythologie & Folklore – von nordischen Elfenkönigen bis Feenringen. Magie, Schönheit, Sagen und historische Deutungen kompakt erklärt.
Eine Elfe ist ein Wesen mit sehr unterschiedlicher Darstellung in Mythologie, Volksglauben und moderner Fantasy. In vielen Traditionen gelten Elfen als Naturgeister oder übernatürliche Wesen, die eng mit Wäldern, Wiesen, Quellen und alten Hügelgräbern verbunden sind. Sie können wohlwollend und hilfsbereit sein, aber auch launisch und gefährlich — besonders dann, wenn Menschen ihre Plätze verletzen oder sie provozieren. Wegen ihrer Nähe zur Natur und zu alten Ritualen werden Elfen häufig mit Heidentum und Hexerei in Verbindung gebracht; einige heutige neuheidnische und magische Gemeinschaften glauben, dass Elfen reale, eigenständige Wesen sind.
Ursprung und Etymologie
Das Wort Elf kommt in allen germanischen Sprachen vor und wurde historisch verschiedentlich gedeutet. Frühe Rekonstruktionen sahen im Namen die Bedeutung „weißes“ oder „helles Wesen“, was auf eine ursprüngliche Vorstellung von lichtähnlichen, strahlenden Wesen hindeuten könnte. Die Überlieferung basiert überwiegend auf Texten christlicher Autoren in Alt- und Mittelenglisch, im Mittelalterdeutschen und in der altnordischen Literatur. Diese Quellen verbinden Elfen wechselweise mit den Göttern der nordischen Mythologie, mit Magie, mit Schönheit und Verführung, aber auch mit Krankheit und unerklärlichen Schicksalsschlägen.
Erscheinung und Eigenschaften
Darstellung und Aussehen von Elfen variieren stark: In manchen Erzählungen sind sie sehr klein und feenhaft, in anderen menschengroß oder sogar größer. Ein oft genanntes Merkmal sind spitze Ohren — eine Darstellung, die besonders im 19. und 20. Jahrhundert populär wurde. Elfen werden häufig als sehr schön beschrieben, manchmal mit übernatürlicher Anmut und strahlender Haut. Sie altern anders als Menschen: Viele Überlieferungen attestieren ihnen große Langlebigkeit oder gar Unsterblichkeit.
Elfen werden in älteren Quellen teils als ambivalente Kräfte geschildert: sie bringen Fruchtbarkeit, schützen Herden oder helfen Menschen, können aber auch Krankheiten verursachen (etwa durch das sogenannte „Elfenschuss“-Motiv, bei dem plötzliche Schmerzen auf einen übernatürlichen Pfeilschuss zurückgeführt wurden) oder Kinder austauschen (Motiv des Wechselbalgs/Changelings).
Elfen in Mythologie und Folklore
In der altnordischen Vorstellung treten die álfar (Elfen) in unterschiedlichen Gestalten auf: Snorri Sturluson unterscheidet etwa zwischen ljósálfar (Lichtelfen) und dökkálfar (Dunkel- oder Schwarzelfen), doch die genaue Bedeutung und Abgrenzung ist in der Forschung umstritten. Elfen erscheinen in Sagen als Gefährten von Göttern (vor allem Fruchtbarkeitsgottheiten), als Bewohner einer Anderswelt und als Begründer bestimmter Orte oder Hügel.
In der nordeuropäischen Folklore haben sich vor allem weibliche Formen der Elfenerscheinung (schwedisch älvor) erhalten: oft als wunderschöne Mädchen oder junge Frauen, die in Hügeln, Steinhügeln oder im tiefen Wald wohnen. Man glaubte, Elfen würden nachts in Kreisen tanzen; diese Tänze hinterließen runde Stellen im Gras — sogenannte Elfenkreise oder Feenringe. Menschen, die über solche Stellen traten oder darin urinierte, konnten nach Volksglauben krank werden oder mit Unheil belegt werden.
...an Seeufern, wo der Wald auf den See traf, konnte man Elfenkreise finden. Es waren runde Stellen, wo das Gras wie ein Boden abgeflacht worden war. Elfen hatten dort getanzt. Am Tisnaren-See habe ich einen davon gesehen. Es konnte gefährlich sein und man konnte krank werden, wenn man über einen solchen Ort getreten wäre oder wenn man dort etwas zerstört hätte.
Ein häufiges Motiv ist die Einladung eines Menschen zum Elfentanz; wer teilnahm, glaubte oft, nur wenig Zeit verstrichen sei — in Wirklichkeit waren aber viele Jahre in der Menschenwelt vergangen. Solche Zeitverschiebungen und das Locken in die Anderswelt finden sich in zahlreichen skandinavischen Balladen und Sagen.
Elfen erscheinen nicht immer als junge, betörende Gestalten. In Volkserzählungen können sie auch älter, rätselhaft oder schlicht andersartig wirken. So hilft im schwedischen Volksmärchen Kleine Rosa und lange Leda am Ende eine Elfin (älvakvinna) der Heldin, wird aber als schöne, alte Frau beschrieben, deren Aussehen verrät, dass sie zu den Unterirdischen gehört.
Typen und regionale Varianten
Je nach Region gibt es zahlreiche verwandte Gestalten: im englischen und keltischen Raum erscheinen Feen als eigenständige Tradition mit Überschneidungen zu den germanischen Elfen; im deutschen Sprachraum kennt man neben den „Elfen“ auch Hausgeister wie Kobolde, Heinzelmännchen oder Nis/Tomte (skandinavisch), die ähnliche, oft häusliche Funktionen übernehmen. In manchen Überlieferungen sind Elfen Natur- und Ahnengeister, in anderen eher dämonische oder traumhafte Erscheinungen.
Elfen in der modernen Kultur
Seit dem 19. Jahrhundert und besonders durch die Werke von Autoren wie J. R. R. Tolkien haben sich Elfen in der modernen Fantasy stark gewandelt: In Der Herr der Ringe werden Elfen als großgewachsene, edle, langlebige Geschöpfe dargestellt — ein Bild, das viele spätere Romane, Filme und Spiele prägte. Deshalb erscheinen Elfen heute oft als eine der zentralen „Rassen“ in Fantasy-Settings neben Zwergen und Menschen; in manchen Welten werden sie zu einer von mehreren Fraktionen, zu denen auch Orks, Goblins, Trolle und/oder Riesen gehören.
In Rollenspielen, Filmen und populärer Fantasy ist das Bild der Elfen weiter standardisiert: hohe, schlanke Gestalt, spitze Ohren, enge Verbindung zur Natur, oft magisch begabt und kulturvoll. Zeitgleich gibt es in heutiger Folkloristik und in der neuheidnischen Szene fortbestehende Traditionen, die Elfen als Teil des lokalen Brauchtums oder als spirituelle Wesen ansehen.
Funktion und Deutung
Elfen erfüllen in Mythos und Volkserzählung vielfältige Funktionen: Sie erklären unerklärliche Krankheiten, dienen als Ausdruck der Angst vor dem Unbekannten in der Natur, markieren Grenzen zwischen der Menschenwelt und der Anderswelt und verhandeln soziale Normen (etwa Respekt vor heiligen Plätzen). Gleichzeitig spiegeln sie Sehnsüchte nach Schönheit, Magie und einem anderen, „besseren“ Leben.
Zusammenfassend sind Elfen keine einheitliche Gestalt, sondern ein Sammelbegriff für eine Vielfalt von Vorstellungen, die sich über Jahrhunderte verändert haben — von alten germanischen Götterbegleitern und Naturgeistern bis zu den edlen, langlebigen Völkern moderner Fantasy.

Älvalek , "Elfenspiel" von August Malmström (1866).
Fragen und Antworten
F: Was ist eine Elfe?
A: Eine Elfe ist ein Wesen unterschiedlicher Herkunft, das gewöhnlich als gutes Wesen angesehen wird, das dazu beiträgt, dass Bäume und die Natur gut sind. Sie werden oft mit Heidentum und Hexerei in Verbindung gebracht und werden typischerweise als größer als Menschen mit langen, spitzen Ohren beschrieben.
F: Wie werden Elfen in Der Herr der Ringe dargestellt?
A: In Der Herr der Ringe werden Elfen als menschengroß (und wenn überhaupt, dann größer) beschrieben, wodurch sich die Beschreibung der Elfen von anderen Fantasy-Szenarien unterscheidet.
F: Gibt es in modernen Fantasy-Szenarien noch andere Rassen als Elfen, Zwerge und Menschen?
A: Ja, in den meisten modernen Fantasy-Szenarien gibt es neben Elfen, Zwergen und Menschen sechs weitere Völker, darunter Orks, Goblins, Trolle und/oder Riesen.
F: Woher kommt das Wort "Elf"?
A: Das Wort "Elf" stammt aus verschiedenen germanischen Sprachen und bedeutete ursprünglich "weißes Wesen".
F: Was sagen Texte, die von Christen geschrieben wurden, über Elfen?
A: In christlichen Texten werden Elfen auf unterschiedliche Weise mit den Göttern der nordischen Mythologie, mit der Verursachung von Krankheiten, mit Magie und mit Schönheit und Verführung in Verbindung gebracht.
F: Wie haben Elfen in der Folklore überlebt?
A: Elfen haben in der Folklore vor allem als weibliche Wesen überlebt, die in Hügeln und Steinhaufen leben. Man kann sie nachts oder an nebligen Morgen über Wiesen tanzen sehen, wobei sie älvdanser (Elfentänze) oder älvringar (Elfenkreise) hinterlassen.
F: Was passiert, wenn ein Mensch einer Elfe beim Tanzen zusieht?
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