Die Gandalf-Preise waren eine Auszeichnung für herausragendes Schreiben in der Fantasy-Literatur, die von 1974 bis 1981 im Rahmen der World Science Fiction Conventions (Worldcons) vergeben wurde. Benannt wurden sie nach Gandalf dem Zauberer aus den Mittelerde-Geschichten von J. R. R. Tolkien. Initiiert und zunächst gesponsert wurden die Preise von Lin Carter und der Swordsmen and Sorcerers' Guild of America (SAGA). Die Entscheidungen über die Preisträger trafen die Teilnehmer der jeweiligen Worldcon; zur Abstimmung galten im Wesentlichen die gleichen Regeln wie bei den älteren Hugo Awards.

Hintergrund und Zweck

Die Gandalf-Preise entstanden in einer Zeit, in der sich die Fantasy als eigenständiges und ernst zu nehmendes Genre neben der Science-Fiction etablieren wollte. Durch die Vergabe innerhalb der Worldcon wurde Fantasy stärker im Rahmen der etablierten Fankultur gewürdigt und erhielt eine zusätzliche Plattform zur Anerkennung bedeutender Autorinnen und Autoren sowie herausragender Werke.

Kategorien und Auswahlverfahren

  • Gandalf Grand Master Award – eine Auszeichnung für das Lebenswerk (lifetime achievement) einer Person, die bedeutende Beiträge zur Fantasy-Literatur geleistet hatte.
  • Gandalf Award for Book-Length Fantasy – eine Auszeichnung für das beste längerformatige Fantasy-Buch, das im vorangegangenen Jahr veröffentlicht worden war.

Die Nominierung und Wahl erfolgte durch die Mitglieder der jeweiligen Worldcon; Kandidaten konnten von den Mitgliedern vorgeschlagen werden und die endgültige Abstimmung folgte dem bei den Hugos üblichen Verfahren. Die Organisation durch SAGA und die Verbindung zur Worldcon sollten sicherstellen, dass sowohl Fachkenntnis als auch Fanmeinung in die Entscheidungen einflossen.

Einstellung und Bedeutung

Die Vergabe der Gandalf-Preise endete 1981. Gründe für die Einstellung waren unter anderem organisatorische Änderungen, Nachlassen des Sponsors sowie eine wachsende Zahl anderer Auszeichnungen im Fantasy-Bereich, die teils ähnliche Ehrungen für Lebenswerk und Buch leisteten. Die Gandalf-Preise gelten dennoch als wichtiges frühes Beispiel für die formale Anerkennung von Fantasy innerhalb der internationalen SF-/Fantasy-Community und trugen dazu bei, das Genre neben der Science-Fiction sichtbarer zu machen.

Heute werden Fantasyliteratur und ihre Autorinnen und Autoren durch mehrere etablierte Preise gewürdigt (z. B. World Fantasy Award, Locus Award und andere nationale sowie internationale Auszeichnungen). Die Gandalf-Preise bleiben in der Geschichte der Genrewürdigung als ein Kapitel stehen, das den Übergang von reiner Fan- zu stärker institutionalisierten Ehrungen markierte.