Glen oder Glenda ist ein Film aus dem Jahr 1953, der sich – ungewöhnlich für seine Zeit – mit dem Thema Männer, die weibliche Kleidung tragen, auseinandersetzt. Das Drehbuch und die Regie stammen von Ed Wood. Wood übernahm auch die Titelrolle(n) und spielt sowohl den männlichen Protagonisten Glen als auch seine weibliche Seite Glenda. In Nebenrollen sind unter anderem Bela Lugosi und Woods damalige Freundin Dolores Fuller zu sehen.
Der Film wurde direkt durch die 1952 öffentlich gewordene Operation der Geschlechtsumwandlung von Christine Jorgensen inspiriert. Der Low-Budget-Produzent George Weiss, der Sensation und Aufmerksamkeit suchte, wollte das Thema für einen Film verwerten und bot Jorgensen an, mitzuspielen; diese Angebote wurden jedoch abgelehnt. Anders als viele andere Projekte von Wood war Glen oder Glenda der einzige Film, den er inszenierte, ohne ihn selbst zu produzieren.
Inhaltlich kombiniert der Film dokumentarisch wirkende Passagen, persönliche Geständnisse und dramatische Szenen. Wood versucht mit dem Film, Verständnis für Menschen zu wecken, die außerhalb traditioneller Geschlechternormen leben, und plädiert für Toleranz gegenüber Transvestismus und Geschlechtsabweichungen. Die Erzählstruktur ist dabei nicht-linear und teilweise experimentell: Es gibt ausdrücklich kommentierende Einschübe, Traumsequenzen und eine eher moralisierende Rahmung durch die Figur, die als „Der Wissenschaftler“ bezeichnet wird und von Bela Lugosi dargestellt wird. Lugosis Rolle fungiert weniger als klassischer Erzähler, vielmehr liefert sie philosophische und moralische Bemerkungen zur Thematik.
Ed Wood spielt die Titelfigur häufig unter dem Pseudonym „Daniel Davis“. Die Rolle der Glenda wird durch Makeup und Kostüm realisiert; der Film zeigt dabei offen Szenen von Männern in femininer Aufmachung, was damals provokativ wirkte. Dolores Fuller spielt eine zentrale Nebenrolle als Geliebte und Ansprechpartnerin des Protagonisten.
Technisch und ästhetisch ist der Film deutlich dem Low-Budget-Bereich zuzuordnen: schlichte Kulissen, teils holpriger Schnitt und auffällige Montageentscheidungen prägen das Werk. Gerade diese Unvollkommenheiten, kombiniert mit der oftmals unbeholfenen, aber aufrichtigen Tonlage Woods, trugen dazu bei, dass der Film zunächst von Kritikern kaum ernst genommen wurde, später jedoch als Kultfilm wiederentdeckt und im Kontext der queeren Filmgeschichte neu bewertet wurde.
Rezeption und Wirkung: Bei seiner Veröffentlichung wurde Glen oder Glenda meist als skurril und dilettantisch betrachtet. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs jedoch das Interesse an dem Film als frühem und ungewöhnlich verständnisvollen Versuch, Themen wie Crossdressing, Geschlechtsidentität und gesellschaftliche Außenseiter zu thematisieren. Heute wird der Film häufig in Studien zur Darstellung von Geschlecht und zur Geschichte des queeren Kinos genannt. Zudem fand die Entstehungsgeschichte und die Person Ed Woods Eingang in die Popkultur, etwa in Tim Burtons Biopic Ed Wood (1994), das die Dreharbeiten zu Glen oder Glenda dramatisiert darstellt.
Kurz gefasst ist Glen oder Glenda weniger ein konventionelles Drama als ein persönliches, fragmenthaftes Plädoyer für mehr Verständnis und Toleranz gegenüber Menschen, die Geschlechternormen nicht entsprechen. Trotz technischer und narrativer Mängel hat der Film historisch Bedeutung als frühe filmische Auseinandersetzung mit Themen, die damals kaum im Mainstream zu finden waren.
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