Hatikvah (Hatikva): Die Nationalhymne Israels – Geschichte & Text

Hatikvah (Hatikva): Geschichte, Text und Bedeutung der israelischen Nationalhymne — Entstehung, poetische Wurzeln, Melodie und die jahrtausendealte Hoffnung des jüdischen Volkes.

Autor: Leandro Alegsa

Hatikvah (auch transliteriert als Hatikva, oder, ohne Vokale, H-t-k-v hebräisch: התקוה, "Die Hoffnung") ist die Nationalhymne Israels. Das Lied fasst in knapper, eindringlicher Form die rund zweitausendjährige Hoffnung des jüdischen Volkes zusammen, in seine historische Heimat zurückzukehren. Der Liedtext basiert auf dem ursprünglich neunstrophigen Gedicht תקותנו (Tikvatenu, "Unsere Hoffnung") von Naftali Herz Imber (auch Naphtali Imber genannt). Für die heutige Fassung wurde nur die erste Strophe und der Refrain von Imbers Gedicht übernommen; die letzte Zeile des Refrains wurde dabei leicht verändert und der Text vertont.

Text und Bedeutung

Der Kern von Hatikvah ist die Sehnsucht nach Zion und Jerusalem sowie die Hoffnung auf nationale Wiederherstellung und nationale Selbstbestimmung. Die knappe Sprache und die bildhafte Betonung von "zweitausend Jahren" verweisen auf die lange Geschichte des Exils, während der Refrain die Zuversicht ausdrückt, dass dieses Schicksal eines Tages enden wird. Durch diese Kombination aus Klage und Zuversicht wirkt die Hymne zugleich melancholisch und kämpferisch.

Autor und Entstehung des Textes

Das Gedicht schrieb Naftali Herz Imber Ende des 19. Jahrhunderts; er war ein jüdischer Dichter, dessen Texte im Umfeld der frühen zionistischen Bewegung Verbreitung fanden. Imbers umfassenderes Gedicht enthielt mehrere Strophen, doch in der Praxis setzte sich die verkürzte Form von erster Strophe plus Refrain als Liedtext durch. Verschiedene Versionen des Textes sind im Laufe der Jahre aufgetreten; die heute gesungene Fassung ist das Ergebnis dieser historischen Entwicklung.

Melodie und musikalische Wurzeln

Die heute gebräuchliche Melodie wurde von Samuel (Shmuel) Cohen angepasst; er stammte aus der Region Moldau/Rumänien und lebte als jüdischer Einwanderer im damaligen Palästina. Cohen griff auf eine populäre Volksmelodie zurück und passte sie dem hebräischen Text an. Die Melodie steht in Moll und vermittelt dadurch einen melancholischen, sehnsuchtsvollen Klang, der gut zur thematischen Stimmung des Textes passt. Musikwissenschaftler weisen außerdem auf eine Verwandtschaft dieser Melodie mit einer älteren europäischen Melodienfamilie (unter anderem Elemente von "La Mantovana" und verwandten Volksweisen) hin: die genaue Herkunft der Melodie bleibt jedoch in Teilen umstritten und wird unterschiedlich interpretiert.

Geschichte als Hymne und offizieller Status

Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Hatikvah zunehmend als gemeinsames Lied der zionistischen Bewegung gesungen und verbreitete sich in jüdischen Gemeinden weltweit. Während der britischen Mandatszeit und bei Gründungsfeiern der jüdischen Gemeinschaften fungierte es de facto als Nationalhymne des aufstrebenden jüdischen Heims in Palästina. Nach der Staatsgründung Israels 1948 wurde Hatikvah weiterhin als nationale Hymne verwendet; erst 2004 beschloss die Knesset formell ein Gesetz, das die Nationalhymne sowie die Flagge festlegt, womit Hatikvah auch rechtlich als Nationalhymne bestätigt wurde.

Kulturelle Bedeutung und Debatten

Hatikvah ist bis heute ein starkes nationales Symbol: sie wird bei Staatsanlässen, Gedenkfeiern, Sportereignissen und anderen offiziellen Anlässen gespielt und gesungen. Gleichzeitig gab und gibt es auch Debatten: Einige kritisieren, dass Text und Symbolik stark auf das jüdische Volk und seine nationale Erzählung fokussiert sind und damit Teile der israelischen Bevölkerung weniger ansprechen. Andere plädieren für eine Bewahrung des historischen Symbols, weil es die zionistische Gründungsgeschichte und die kollektive Erinnerung prägt. Solche Diskussionen spiegeln die komplexe politische und gesellschaftliche Vielfalt Israels wider.

Kurze Zusammenfassung

  • Hatikvah bedeutet "Die Hoffnung" und drückt die jahrhundertealte Sehnsucht des jüdischen Volkes nach Rückkehr nach Zion aus.
  • Der Text geht auf das Gedicht Tikvatenu von Naftali Herz Imber zurück; gesungen wird im Wesentlichen die erste Strophe und der Refrain.
  • Die Melodie wurde von Samuel (Shmuel) Cohen an eine Volksmelodie angelehnt; sie steht in Moll und vermittelt daher einen melancholischen Ton.
  • Obwohl Hatikvah lange als de-facto-Hymne verwendet wurde, wurde sie erst 2004 formell durch die Knesset bestätigt.

Liedtexte

התקוה
כל עוד בלבב בלבב פנימה
נפש יהודי יהודי הומיה,
ולפאתי מזרח מזרח קדימה
עין לציון צופיה -

עוד לא אבדה תקותנו,
התקוה בת שנות אלפים,
להיות עם חופשי בארצנו
ארץ ציון ציון וירושלים.

HATIKVAKol
ʻod balevav penimahNefesh Yehudi HomiyahUlfa
'atey Mizrakh
KadimahʻAyin letzion Tzofiyah

ʻOd lo avdah tikvatenuHatikvah
bat shnot alpayimLihyot
am chofshi be'artzenuEretz
Tziyon v'Yerushalayim

Wörtliche Übersetzung

Solange im Herzen,,im Innern,,sehnt sich
eine jüdische Seele noch immer,,
Und weiter,,zu den Enden des Ostens hin,,
schaut ein Auge noch immer auf Zion;
Unsere Hoffnung ist noch nicht verloren,,
Die Hoffnung von zweitausend Jahren,,
eine freie Nation in unserem Land zu sein,,
Das Land Zion und Jerusalem.

Fragen und Antworten

F: Wie heißt die Nationalhymne von Israel?


A: Die Nationalhymne Israels ist "Hatikvah".

F: Wer hat das Originalgedicht geschrieben, auf dem "Hatikvah" basiert?


A: Das Originalgedicht, auf dem "Hatikvah" basiert, heißt תקותנו (Tikvatenu) und wurde von Naphtali Imber geschrieben.

F: Wie lautet der Text von "Hatikvah"?


A: Der Text von "Hatikvah" erzählt von der 2000 Jahre alten Hoffnung des jüdischen Volkes, in sein Heimatland Israel zurückzukehren. Er verwendet nur die erste Strophe und den Refrain aus Imbers Gedicht, mit einer leichten Änderung in der letzten Zeile des Refrains.

F: Wo hat Samuel Cohen die Musik für "Hatikvah" gefunden?


A: Samuel Cohen summte eines Tages ein altes Volkslied vor sich hin, das er als Inspiration für die Musik zu "Hatikvah" nutzte.

F: Warum ist es ungewöhnlich, dass eine Nationalhymne in einer Molltonart steht?


A: Es ist ungewöhnlich, dass eine Nationalhymne in einer Molltonart steht, weil sie traurig klingt, aber in diesem Fall spiegelt sie die Hoffnung der Juden wider, dass sich ihre Traurigkeit schließlich in Freude verwandeln wird.

F: Wie lange gibt es die jüdische Hoffnung schon?


A: Die Hoffnung der Juden gibt es schon seit 2000 Jahren.


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