Das Istituto Centrale per il Catalogo Unico oder ICCU (auf Englisch Central Institute for the Union Catalogue of Italian Libraries and for Bibliographic Information) ist eine italienische Regierungsbehörde. Es ist zuständig für den Betrieb und die Weiterentwicklung des nationalen Bibliotheksdienstes und betreut das zentrale Verbundkatalog-System SBN (Servizio bibliotecario nazionale). Das ICCU verwaltet das landesweite Netzwerk und den Online-Katalog des SBN, koordiniert die Katalogisierung und stellt technische sowie inhaltliche Standards für Bibliotheken in ganz Italien bereit. Außerdem betreibt das Institut die Plattform Internet Culturale, eine frei zugängliche Online-Sammlung digitalisierter Dokumente und Bilder aus italienischen Bibliotheken und Kulturinstitutionen.

Aufgaben und Dienste

Die Hauptaufgaben des ICCU umfassen:

  • den Betrieb und die Pflege des nationalen Verbundkatalogs SBN, der Bibliotheksbestände in ganz Italien bündelt und den Zugang zu bibliographischen Nachweisen erleichtert;
  • die Entwicklung und Durchsetzung bibliothekarischer Standards, Formate und Metadatenprofile zur Interoperabilität zwischen Bibliotheken;
  • die Verwaltung von Autoritätsdateien und Identifikationsnummern (sogenannte ICCU‑Nummern) zur Autoritätskontrolle von Personen- und Körperschaftsnamen, die in Katalogen verwendet werden;
  • die Koordination von Digitalisierungsprojekten und die Bereitstellung digitaler Sammlungen über das Portal Internet Culturale;
  • wissenschaftliche Publikationen, Leitfäden, Fortbildungen und die Organisation von Konferenzen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft.

Digitale Sammlungen und Kooperationen

Die Plattform Internet Culturale bietet Zugriff auf digitalisierte Handschriften, Karten, historische Zeitungen, Buchseiten, Fotografien und andere kulturelle Objekte, die in italienischen Bibliotheken aufbewahrt werden. Die Sammlung beruht auf Kooperationen mit nationalen und regionalen Bibliotheken, Archiven und Museen. Das ICCU stellt Metadaten und digitale Inhalte bereit, die auch in internationalen Portalen wie Europeana verwendet werden, um den kulturellen Bestand Italiens weltweit auffindbar zu machen.

Autoritätsdateien und ICCU‑Nummern

Zur Sicherung der Qualität bibliographischer Daten pflegt das ICCU Autoritätskontrollen für Namen von Personen, Körperschaften und anderen Entitäten. Diese Normdateien (mit den sogenannten ICCU‑Nummern) dienen der eindeutigen Identifikation und helfen, Verwechslungen in Katalogen zu vermeiden. Im Februar 2012 enthielt die Datenbank Autoritätskontrollen für über 43.000 Personen; seither wurde die Datenbasis kontinuierlich erweitert und aktualisiert.

Geschichte und Entwicklung

Das ICCU wurde 1975 offiziell gegründet. Seine erste Direktorin war Angela Vinay (1922–1990), die den Aufbau und die wissenschaftliche Ausrichtung des Instituts maßgeblich prägte. Vorgängerorganisation war das Centro nazionale per il catalogo unico, das 1951 ins Leben gerufen wurde, um die Arbeit an einem einheitlichen Katalog für italienische Bibliotheken zu starten. In den folgenden Jahrzehnten trug das ICCU entscheidend zur Computerisierung der Kataloge, zur Einführung einheitlicher Katalogisierungsregeln und zum Ausbau des Online-Zugangs für Nutzerinnen und Nutzer bei.

Zusammenarbeit und Wirkung

Das ICCU arbeitet eng mit nationalen Zentralbibliotheken, regionalen Bibliotheksverbünden, wissenschaftlichen Einrichtungen und internationalen Partnern zusammen. Durch seine Tätigkeit fördert das Institut die Zugänglichkeit, Bewahrung und Sichtbarkeit des italienischen Kulturerbes und leistet einen Beitrag zur Weiterentwicklung bibliothekarischer Infrastruktur und Forschung in Italien.