Die Kalium-Argon-Datierung oder K-Ar-Datierung ist eine radiometrische Datierungsmethode, die in der Geochronologie und Archäologie verwendet wird. Sie beruht auf der Messung des Produkts des radioaktiven Zerfalls eines Isotops von Kalium (K) in Argon (Ar).

Grundprinzip

Kalium ist ein weit verbreitetes Element, das in vielen Mineralen und Gesteinen vorkommt, etwa in Glimmer, Ton, Tephra und Evaporiten. Das langlebige Isotop 40K zerfällt über lange Zeiträume teilweise in 40Ar (durch Elektroneneinfang) und teilweise in 40Ca (durch Beta-Zerfall). Das für die K-Ar-Datierung relevante Zerfallsprodukt ist 40Ar. Beim Schmelzen eines magmatischen Gesteins entweicht das gelöste Ar nahezu vollständig; beim Erstarren und Rekristallisieren wird neu erzeugtes radiogenes 40Ar in den Kristallen eingeschlossen und beginnt sich anzusammeln. Die Zeit seit diesem „Verschluss“ lässt sich berechnen, indem das Verhältnis von radiogenem 40Ar zur noch vorhandenen Menge an 40K bestimmt wird.

Messung und Berechnung

In einem Labor wird das in der Probe enthaltene Argon mittels Massenspektrometrie bestimmt; die Kaliummenge wird typischerweise durch chemische Analyse oder durch Messung des Gesamtkaliums ermittelt und auf den Anteil von 40K umgerechnet. Aus dem gemessenen Verhältnis von 40Ar zu 40K und der bekannten Halbwertszeit von 40K lässt sich das Alter der Probe berechnen. Da die Halbwertszeit von 40K in die Milliarden Jahre reicht (ca. 1,25 Milliarden Jahre), eignet sich die Methode besonders für die Bestimmung absoluter Alter im Bereich von zehntausenden bis zu mehreren Milliarden Jahren.

Anwendungsbereiche

  • Schnell abgekühlte Laven (z. B. Basalte, Rhyolithe) sind nahezu ideale Proben für die K-Ar-Datierung, weil sie beim Erstarren Argon verlieren und später radiogenes Ar speichern.
  • Tephrochronologie: Vulkanische Ascheschichten werden datiert, um stratigraphische Korrelationen zwischen Fundstellen herzustellen.
  • Archäologie und Paläoanthropologie: Datierung von vulkanischen Schichten, die archäologische Fundschichten über- oder unterlagern, hilft, Fundkontexte zeitlich einzuordnen.
  • Geophysikalische Kalibrierung: Die Zeitskala der geomagnetischen Polarität wurde maßgeblich mit Hilfe der K-Ar-Datierung kalibriert, weil vulkanische Ereignisse gut datierbare Marker liefern.

Vorteile und Einschränkungen

Vorteile:

  • Geeignet für sehr alte Proben wegen der langen Halbwertszeit von 40K.
  • Gut anwendbar auf viele natürlich vorkommende, kaliumhaltige Minerale.

Einschränkungen und mögliche Fehlerquellen:

  • Geschlossenes System: Für eine korrekte Altersbestimmung muss das Probenmineral seit dem Erstarren ein geschlossenes System für Argon geblieben sein. Verlust von Ar (z. B. durch spätere Erwärmung oder Alteration) führt zu zu jungen Altersangaben; Einschluss von „exzessivem“ Argon (Argon, das nicht durch Zerfall in der Probe entstanden ist) führt zu zu alten Altersangaben.
  • Untere Datierungsgrenze: Für sehr junge Proben ist die angesammelte Menge an radiogenem 40Ar oft zu gering, um präzise zu messen. Typische praktische untere Grenzen liegen im Bereich von einigen 10.000 bis einigen 100.000 Jahren, abhängig von Probe und Messmethoden.
  • Isotopenverhältnisse und Umrechnung: Nur ein Teil der 40K- Zerfälle erzeugt 40Ar (ein anderer Teil erzeugt 40Ca). Bei der Umrechnung müssen diese Verzweigungsraten berücksichtigt werden.

Weiterentwicklungen und Alternativen

Eine verfeinerte Methode ist die Ar–Ar-Datierung (40Ar/39Ar), die auf einer Aktivierung des Gesamt-K-Gehalts im Neutronenfluss beruht und eine Reihe von Vorteilen bietet: kleinere Probenmengen, genauere Altersbestimmungen, interne Prüfungen auf Argonverlust durch Step-Heating-Analysen sowie bessere Kontrolle von Störfaktoren. Deshalb wird die Ar–Ar-Technik heute in vielen Fällen der klassischen K-Ar-Methode vorgezogen.

Praktische Hinweise zur Probenahme und Interpretation

  • Proben sollten möglichst frische, unalterierte Mineralaggregate oder Kristalle sein (z. B. Glimmer, Feldspäte). Vorbehandlung zur Entfernung verwitterter Anteile ist wichtig.
  • Mehrere Proben aus unterschiedlichen Schichten oder Mineralen erhöhen die Zuverlässigkeit des Alters und helfen, Störfaktoren zu erkennen.
  • Ergebnisse sind im geologischen und archäologischen Kontext zu interpretieren: Datierte Vulkanasche gibt das Alter der letzten Erstarrung an, nicht unbedingt das Alter eines darin enthaltenen Organismus.

Zusammenfassend ist die K-Ar-Datierung eine grundlegende radiometrische Methode zur Altersbestimmung kaliumhaltiger Gesteine und Minerale, besonders leistungsfähig für die Datierung von vulkanischen Ereignissen im Bereich von vielen tausend bis Milliarden Jahren. Moderne Varianten wie die Ar–Ar-Methode verbessern die Präzision und Aussagekraft und helfen, typische Fehlerquellen wie Argonverlust oder exzessives Argon zu erkennen.