Kruschtschows Geheimrede war die Rede, in der Nikita Kruschtschow Joseph Stalin nach dessen Tod denunzierte. Die Rede war ein gesprochener Bericht an den Zwanzigsten Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion am 25. Februar 1956. Sie trug den Titel Über den Personenkult und seine Folgen.

Der Bericht wurde als "Geheimrede" bezeichnet, weil er auf einer geschlossenen Sitzung von Delegierten der Kommunistischen Partei unter Ausschluss von Gästen und Pressevertretern vorgetragen wurde. Obwohl der Text des Chruschtschow-Berichts fast sofort durchsickerte, wurde der offizielle russische Text erst 1989 während der Glasnost-Kampagne des sowjetischen Führers Michail Gorbatschow veröffentlicht.

Die Rede basierte auf einer Untersuchung der Repressionen gegen die Delegierten des XVII. Kongresses der Kommunistischen Partei der Sowjetunion von 1934. Sie waren Opfer der stalinistischen Säuberungen in den 1930er Jahren. Einschätzungen der Rolle Stalins in der Geschichte wurden durch die Rede ziemlich verändert. Viele im Westen, die Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen waren, oder zumindest sympathische Mitläufer, traten aus ihren Mitgliedschaften aus und verteidigten nicht mehr das Ansehen Stalins. Russische Schriftsteller wie Solschenizyn stellten fest, dass sie mit mehr Sympathie behandelt wurden. Die Rede war ein bedeutender Wendepunkt in der Geschichte.

Die Rede versetzte die Zuhörer in einen solchen Schock, dass einigen Berichten zufolge einige der Anwesenden einen Herzinfarkt erlitten und andere später Selbstmord begingen. Viele Sowjetbürger waren verwirrt. Sie waren vom ständigen Lob des "Genies" Stalin genährt worden. Besonders deutlich wurde dies in der georgischen SSR, dem Heimatland Stalins, wo die Unruhen mit der Niederwerfung durch die sowjetische Rote Armee am 9. März 1956 endeten.