Amir Abdollah Muhammad Mu'izzi (1048–1125) war ein persischer Dichter des 11. und 12. Jahrhunderts. Er stammte aus dem Dorf Nisa und gilt als einer der großen Meister der persischen Lobeshymne, der Qasideh. Zu seinen Lebensstationen zählen die Höfe von Malik Shah I. und von Sultan Sanjar; in Sanjar war er als Dichterpreisträger (eine Art Hofdichter oder "poet laureate") tätig.
Leben
Über Mu'izzis frühe Jahre ist nur wenig Sicheres überliefert. Seine Karriere führte ihn an die bedeutenden Höfe der seldschukischen Zeit: zunächst an den Hof von Malik Shah I. und später an den Hof von Sultan Sanjar. Sein Geburtsort Nisa wird in den Quellen genannt, der genaue Standort und weitere biographische Details sind jedoch nicht ausführlich dokumentiert.
Werk und Stil
Mu'izzi ist besonders für seine Qasideh (Lob- und Preishymnen) berühmt. Die Qasideh ist eine klassische, formalisierte Dichtform, die häufig dazu diente, Herrscher, Mäzene oder besondere Ereignisse zu rühmen; sie folgt engen metrischen und rhetorischen Konventionen und zeichnet sich durch hohe Bildkraft, kunstvolle Metaphern und rhetorische Figuren aus. Mu'izzis Poesie zeigt diese Merkmale: rhetorischen Reichtum, elegante Wortwahl und meisterhafte Handhabung der traditionellen Motive.
Sein Diwan ist überliefert und umfasst nach den Quellen insgesamt etwa 18.000 Verse (Bayts). Mehrere Handschriften seines Diwans sind erhalten geblieben, was die Bedeutung seiner Dichtung für die persische Literaturgeschichte unterstreicht.
Kontroversen und Verhältnis zu Anvari
Anvari, ein Zeitgenosse und ebenfalls bekannter Dichter, erhob den Vorwurf, Mu'izzi habe Verse anderer Dichter abgeschrieben. Diese Anschuldigung ist in den historischen Quellen überliefert, lässt sich aber nicht mit letzter Sicherheit beweisen und kann auch als Ausdruck literarischer Rivalität verstanden werden. Gleichzeitig ist belegt, dass Anvari selbst Passagen aus Mu'izzis Werk übernommen hat, was die komplexen Wechselwirkungen und das gegenseitige Zitieren unter Dichtern jener Zeit zeigt.
Tod und Nachwirkung
Berichten zufolge starb Mu'izzi im Jahr 1125 durch einen Pfeilschuss. Die Umstände seines Todes sind nicht eindeutig: Manche Quellen sprechen von einem versehentlichen Schuss des Sultans Sanjar, andere nennen einen Angehörigen des Herrscherhauses oder einen Prinzen als Schützen. Wegen der widersprüchlichen Überlieferung bleibt die genaue Ursache seines Todes unsicher.
Mu'izzis Einfluss auf die persische Literatur ist nachhaltig: Seine Qasidehs wurden bewundert, kopiert und als Vorbilder für spätere Hofdichter herangezogen. Sein Werk gehört zur wichtigen Überlieferung der klassisch-persischen Dichtung und wird in der Forschung weiterhin untersucht und ediert.