Die Oxfordshire Ironstone Railway (O.I.R.) war eine Normalspurbahn, die von 1917 bis 1967 einen nahe dem Dorf Wroxton gelegenen Eisensteinbruch in Oxfordshire mit der Anschlussstrecke der Great Western Railway verband. Die Verbindung zur GWR lag etwa 6 Kilometer (3,7 Meilen) östlich und etwas nördlich der Stadt Banbury und diente dem schnellen Umschlag von Bruchgut auf die Hauptbahn. Sowohl der Steinbruch als auch die eigene Bahnanlage gehörten den Betreibern des Bruchs; die OIR war nie Teil der British Rail.
Die OIR entstand, weil in der Umgebung von Banbury schwere Vorkommen von Ton- und Eisenstein wirtschaftlich abgebaut werden konnten. Ihr Zweck war der Transport des gebrochenen Eisenerzes vom Arbeitsplatz im Tagebau zu den Umladeanlagen an der GWR, von wo aus die Wagen zu Hüttenwerken und Verarbeitungsbetrieben weitergeschickt wurden. Die Strecke war typischerweise ein- bis zweigleisig angelegt, mit Ladegleisen, Umsetzstellen und einfachen Werkstätten am Bruch.
Während des Zweiten Weltkriegs stieg die Bedeutung der OIR stark an: der Bedarf an Eisenerz für die Kriegsindustrie führte zu intensiverer Förderung und häufigeren Zugverkehren. Die Bahn trug so erheblich zur Versorgung der Rüstungs- und Stahlproduktion bei, indem sie große Mengen Rohstoff zuverlässig zur nächstgelegenen Hauptbahn brachte.
Lokomotiven und Wagen
Die OIR betrieb eine eigene Flotte von Dampflokomotiven und rollendem Material, das an die Anforderungen des kurzen, schweren Betriebs angepasst war. Verwendet wurden vor allem:
- 0-6-0T- und 0-6-0ST-Lokomotiven: kräftige Tender- bzw. Satteltanklokomotiven für schwere Erzzüge und häufige Rangierarbeiten.
- 0-4-0ST-Lokomotiven: kleinere Rangierlokomotiven für enge Gleisanlagen im Bruch und an den Ladegleisen.
Zum Wagenmaterial zählten robust gebaute offene Kipplore, Kippwagen und Förderwagen, die für den schnellen Umschlag und das oft abrasive Eisensteinmaterial ausgelegt waren.
Die Betriebsweise war typisch für privat betriebene Grubenbahnen: kurze Fahrten mit schweren Zügen, häufiges Rangieren in der Verladezone, und ein enger organisatorischer Anschluss an die GWR-Gleise für die weitere Verteilung. Die Gleisanlagen wurden von der Steinbruchgesellschaft unterhalten; Schienen, Weichen und einfache Signale waren auf Zweckmäßigkeit ausgelegt.
1967 stellte die OIR den Betrieb ein, nachdem die Eisenerzvorkommen in der näheren Umgebung nach und nach zur Neige gegangen waren und wirtschaftliche Faktoren (Sinken der Förderung, veränderte Aufbereitung, zunehmender Einsatz von Straßentransporten) den Weiterbetrieb nicht mehr rechtfertigten. Ein späterer, modernerer Bruch in der Nähe wird heute nur noch mit Lastwagen bedient, sodass die Schienenverbindung überflüssig wurde.
Heute sind von der OIR noch verschiedene Relikte sichtbar: Trassenspuren, Dämme, Einschnitte und gelegentlich Brückenfundamente oder Gebäudereste. Diese Überreste machen die ehemalige Bahn zu einem interessanten Ziel für Eisenbahnfreunde, Ortsbezogene Historiker und Wanderer. Dokumente, Fotografien und Berichte aus der Betriebszeit erhalten zudem das Wissen um die Bedeutung der OIR für die regionale Industriegeschichte.
Zusammenfassend war die Oxfordshire Ironstone Railway ein typisches Beispiel für die privat betriebene Industrieanschlussbahn des 20. Jahrhunderts: geschaffen für den Zweck der Rohstoffförderung, in Kriegszeiten besonders wichtig und schließlich den wirtschaftlichen Veränderungen zum Opfer fallend.





