Pergament: Herstellung, Eigenschaften und historische Verwendung
Pergament: Ursprung, Herstellung, besondere Eigenschaften und historische Nutzung – von Handschriften bis Torarollen. Entdecken Sie Techniken, Qualitätstests und Erhaltungswissen.
Pergament ist ein dünnes Material, das aus Tierhaut hergestellt wird. Am häufigsten wurde Pergament als Material zum Beschreiben, für die Seiten eines Buches, verwendet. Es unterscheidet sich von Leder dadurch, dass Pergament gekalkt, aber nicht gegerbt wird. Die besseren Eigenschaften von Pergament werden Pergament genannt.
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Mitteleuropäischer (nordeuropäischer) Typus von fertigem Pergament aus Ziegenleder, das auf einen Holzrahmen gespannt ist
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Eine auf feinem Pergament oder Pergament geschriebene englische Urkunde mit Siegelmarke von 1638.
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Eine Sefer Thora, die traditionelle Form der hebräischen Bibel, ist eine Schriftrolle aus Pergament.
Herstellung
Die Herstellung von Pergament ist ein handwerklicher Prozess, der mehrere Stufen umfasst:
- Auswahl der Häute: Häute von Kälbern, Ziegen oder Schafen werden verwendet; feineres Material von Kälbern wird oft als Vellum bezeichnet.
- Einweichen und Kalken: Die Häute werden in Wasser gelegt und anschließend in einer Kalklösung (Kalken) behandelt, wodurch Haare, Fett und Eiweiß gelöst werden. Im Gegensatz zur Lederherstellung wird das Material dabei nicht gegerbt.
- Abziehen und Schaben: Nach dem Kalken werden Haare entfernt und die Haut mit einem scharfen Schaber (z. B. Lunellum) abgezogen, bis die gewünschte Dicke erreicht ist.
- Spannen auf einen Rahmen: Die Haut wird auf einen Holzrahmen gespannt und trocknet unter Zug; dadurch entsteht die typische glatte, straffe Oberfläche.
- Glätten und Auswaschen: Die getrocknete Oberfläche wird mit Bimsstein, Kreide oder ähnlichen Mitteln geglättet und entfettet, um eine beschreibfähige Oberfläche zu erhalten.
- Endbearbeitung: Bei Bedarf wird das Pergament gebleicht, poliert und für besondere Verwendungszwecke fein geschliffen (sogenanntes polieren oder pounce).
Eigenschaften
- Oberfläche: Glatt, leicht glänzend und gut geeignet für Tinte und Farben; eingelassene Pigmente haften sehr gut.
- Haltbarkeit: Pergament ist äußerst langlebig — viele mittelalterliche Handschriften sind bis heute erhalten geblieben. Es ist jedoch empfindlich gegenüber starken Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchte.
- Reversibilität: Pergament reagiert auf Feuchtigkeit mit Ausdehnung und Schrumpfung; lange gelagertes Pergament kann wellig werden.
- Dickenschwankungen: Je nach Tier, Altersstufe und Verarbeitung variiert die Dicke; besonders feines Pergament wird als Vellum bezeichnet.
- Palimpsest-Eigenschaften: Pergament lässt sich mechanisch oder chemisch abschaben, weshalb Texte gelegentlich überschrieben wurden (Palimpseste) — das macht Pergament für die Forschungen interessant, weil ältere Texte oft wieder sichtbar gemacht werden können.
Historische Verwendung
Pergament war das Hauptträgermaterial für Schriftstücke in Europa und im Mittelmeerraum vom späten Altertum bis zur weiten Verbreitung von Papier ab dem Hochmittelalter. Typische Verwendungen:
- Handschriften und Kodizes: Liturgische Bücher, Bibelhandschriften, wissenschaftliche und literarische Texte sowie illuminerte Manuskripte.
- Rechts- und Urkundendokumente: Siegelurkunden, Testamente, Verträge — hochwertige Urkunden wurden häufig auf Pergament verfasst, weil es dauerhaft und schwer zu fälschen ist.
- Religiöse Rollen: Jüdische Thorarollen (Sefer Thora) werden traditionell auf Pergament geschrieben und streng nach rituellen Regeln hergestellt.
- Karten, Notendrucke, Druckvorlagen: Wegen der Stabilität verwendeten Kartographen und Musiker Pergament für besonders beanspruchte Dokumente.
Begriffe und Varianten
- Pergament vs. Vellum: Umgangssprachlich werden die Begriffe oft synonym gebraucht. Fachlich bezeichnet Vellum jedoch meist besonders feines Kalbshautpergament; andere Tierhäute (Ziege, Schaf) werden schlicht als Pergament bezeichnet.
- Palimpsest: Eine Pergamentseite, von der der ursprüngliche Text größtenteils entfernt und überschrieben wurde; moderne Bildgebungsverfahren (z. B. multispektrale Fotografie) können die älteren Schichten sichtbar machen.
Konservierung und Umgang
Für die langfristige Erhaltung von Pergament gelten folgende Grundregeln:
- Konstante Lagerbedingungen: moderate Temperatur (ca. 15–20 °C) und relative Luftfeuchte etwa 45–55 %; starke Schwankungen vermeiden.
- Kein direktes Sonnenlicht und keine aggressive Beleuchtung; UV-Strahlung beschleunigt Alterung und Verfärbung.
- Schonende Handhabung: saubere Hände oder Baumwollhandschuhe, flache Lagerung oder gut abgestützte Aufbewahrung; bei Rollen den Durchmesser nicht zu klein wählen.
- Saubere, säurefreie Verpackungsmaterialien verwenden; bei historischen Objekten sollte Restaurierung durch Fachpersonal erfolgen.
Moderne Verwendung und Forschung
Heute wird Pergament noch in speziellen Bereichen eingesetzt: für Restaurierungen, hochwertige Buchbinderarbeiten, Kalligrafie und bestimmte zeremonielle Urkunden. Wissenschaftlich ist Pergament wegen der Möglichkeit, Tierart (durch DNA-Analysen) oder Herstellungszeitpunkt (durch ^14C-Datierung) zu bestimmen, sehr wertvoll. Zudem liefern Palimpseste und multispektrale Untersuchungen neue Erkenntnisse über verlorene Texte.
Zusammenfassend ist Pergament ein technisch und kulturell bedeutendes Material mit einzigartigen physischen Eigenschaften, das über Jahrhunderte ein zentrales Trägermedium schriftlicher Überlieferung war und bleibt.
Fragen und Antworten
F: Was ist Pergament?
A: Pergament ist ein dünnes Material aus Tierhaut, das üblicherweise zum Schreiben verwendet wird.
F: Was ist der Unterschied zwischen Pergament und Leder?
A: Pergament ist gekalkt, aber nicht gegerbt, während Leder gegerbt ist.
F: Wie werden die besseren Qualitäten von Pergament genannt?
A: Die besseren Qualitäten von Pergament werden Pergament genannt.
F: Woher kommt die mitteleuropäische Art von Fertigpergament?
A: Mitteleuropäisches Fertigpergament wird aus Ziegenhaut hergestellt, die auf einen Holzrahmen gespannt ist.
F: Wann wurde eine englische Urkunde, die auf feinem Pergament oder Pergament mit Siegelmarke geschrieben wurde, datiert?
A: Eine englische Urkunde, die auf feinem Pergament oder Velin mit Siegelmarke geschrieben wurde, wurde 1638 datiert.
F: Welche Form hat die hebräische Bibel?
A: Die hebräische Bibel hat die Form einer Pergamentrolle, die als Sefer Torah bekannt ist.
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