Gesteinsmehl oder Gletschermehl besteht aus lehmgroßen Gesteinspartikeln, die durch Gletschererosion oder durch künstliches Mahlen auf eine ähnliche Größe erzeugt werden. Die Teilchen liegen typischerweise im Silt- und Tonbereich (einige Mikrometer bis rund 60–63 µm) und haben eine sehr große spezifische Oberfläche. Weil das Material so fein ist, bleibt es im bewegten Wasser lange in Suspension und macht Fluss- und Seewasser trüb.

Entstehung

Unter Gletschern wirken zwei Hauptprozesse: Abschleifung (Abrasion) und Herausbrechen von Gesteinsstücken (Plucking). Eingeschlossene Steine und das Eis selbst wirken wie riesige Schleifwerkzeuge und zermahlen das Untergrundgestein zu sehr feinem Material. Schmelzwasser im Gletscherbett transportiert dieses Material weiter; dort kann es als feines Sediment in Seen eingetragen werden. Ähnlich entstehen vergleichbare Partikel auch durch mechanisches Mahlen in Mühlen oder durch Verwitterung.

Eigenschaften

  • Feinheit: vorwiegend im Silt- bis Tonbereich (einige µm bis ~63 µm), dadurch lange Schwebezeiten.
  • Hohe spezifische Oberfläche: fördert Adsorption von Mineralien und organischen Stoffen.
  • Mineralische Zusammensetzung: abhängig vom aufgeschürften Gestein (z. B. Granit, Schiefer, Kalk), daher variabel in Farbe und chemischer Zusammensetzung.
  • Sedimentation: bei ruhigem Wasser setzen sich die Partikel langsam ab und bilden feine Sedimentschichten am Grund (z. B. Jahreslagen oder „Varven“).

Warum Seen türkis erscheinen

Die charakteristische Türkis- bis Smaragdfarbe entsteht durch die Wechselwirkung von Licht mit dem Wasser und den feinen Partikeln. Die sehr kleinen Partikel streuen Licht; kürzere (blau-grüne) Wellenlängen werden stärker gestreut und reflektiert, während längere rote Wellenlängen stärker absorbiert werden. Dadurch nimmt das Auge vor allem die blau-türkisfarbenen Anteile wahr. Die exakte Farbe hängt ab von:

  • Partikelkonzentration (zu viel Sediment kann das Wasser bräunlich-trüb erscheinen lassen),
  • Partikelgröße und -zusammensetzung,
  • Wassertiefe und Bodenreflexion,
  • Einfallswinkel und Intensität des Sonnenlichts.

Vorkommen und Beispiele

Gletschermehl findet man in Zuflüssen und Seen von Gletschern weltweit, vor allem in Regionen mit hohem Abschleifungsgrad. Bekannte Beispiele für türkisfarbene Seen durch Gletschermehl sind der Lake Louise in Kanada und der Gjende-See in Norwegen. Weitere bekannte Seen mit ähnlicher Färbung sind z. B. Peyto Lake oder der Moraine Lake in den kanadischen Rocky Mountains (ohne Links hier).

Bedeutung und Verwendung

Gletschermehl ist nicht nur ein geologisches Phänomen, sondern wird auch wirtschaftlich genutzt oder diskutiert:

  • Historisch und industriell als feines Schleifmittel oder Füllstoff möglich.
  • In der Landwirtschaft wird gemahlenes Gestein gelegentlich als „Gesteinsmehl“ zur Bodenremineralisierung eingesetzt; die Wirksamkeit hängt aber von Mineralogie und Anwendung ab und ist wissenschaftlich nicht generell uneingeschränkt belegt.
  • Als Indikator in der Paläoklimatologie: Sedimentlagen in Seen geben Hinweise auf vergangene Gletscheraktivität und Klima.

Ökologische Auswirkungen

Hohe Konzentrationen an feinem Sediment beeinflussen die Lichtdurchlässigkeit im Wasser und können die Photosynthese von Wasserpflanzen und Algen einschränken. Feinpartikel können außerdem Filtratoren und Fischkiemen belasten und benthische Lebensgemeinschaften verändern. Gleichzeitig liefern die mineralischen Partikel Nährstoffe und Spurenelemente, die ökologisch wirksam sein können.

Insgesamt ist Gesteinsmehl ein typisches Produkt glazialer Landschaftsbildung mit sichtbaren Effekten auf Farbe und Ökologie von Seen. Die genaue Erscheinung und die Folgen hängen stark von Konzentration, Mineralogie und hydrologischen Bedingungen ab.